Kardiologie - FAQ

beantwortet durch Herrn Dr. med. Jänisch Bernstein:

Warum empfehlen Kardiologen regelmäßiges Laufen?

Kältebehandlung mehrmals pro Tag für ca. 10 Minuten Entzündungshemmendes Medikament (z.B. Aspirin) zur Verminderung von Schmerz und Entzündung. Keine schmerzhemmenden Medikamente beim Laufen! Schmerzhemmende und entzündungshemmende Medikamente verlangsamen körpereigene Reparaturvorgänge. Die Gefahr eines Risses bei Einnahme schmerzhemmender Medikamente steigt, da schmerzen als Warnsymptom nicht wahrgenommen werden. Dehnung benachbarter Gewebe (Bänder/Muskeln/Sehnen) Es ist wichtig die benachbarten Gewebe und angrenzenden Muskeln zu dehnen. Gewebe welches weh tut sollte nicht gedehnt werden. Wenn Schmerzen auftreten bei der Dehnung, stoppen, nicht mehr weiter dehnen! (siehe Physiotherapie). Verminderung des Training Wenn die Verletzung die Folge von Überlastung ist wird es bald zu einer Besserung kommen. Falls keine deutliche Besserung in 10 Tagen eintritt, sollte eine Vorstellung bei einem/r Orthopäden/in erfolgen. Auch wenn es während des Laufens zu einer Besserung der Beschwerden kommt, sollte nicht weiter gelaufen werden. Trotz einer Beschwerdebesserung beim Laufen kann es zu einer weiteren Verletzung von Sehnenstrukturen kommen. Am nächsten Tag deswegen oft vermehrt Schmerzen.

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Welche positiven Auswirkungen hat Laufen auf das Herz?

Laufen bewirkt in erster Linie eine Verbesserung der diastolischen Funktion des linken Ventrikels, welche die Erschlaffung der linken Herzkammer beschreibt. Zugleich bewirkt regelmäßiges Ausdauertraining eine Ökonomisierung der Herzarbeit mit Absinken des Ruhepulses. Sportherzen haben dicke Muskelwände und sind in ihrem Durchmesser relativ weit , ohne dass Normengrenzen im Sinne einer Muskelverdickung (Hypertrophie) oder Herzerweiterung (Dilatation) überschritten werden. Pathologische Veränderungen an Herzen durch körperliches Training sind lediglich bei Kraftsportlern mit Anabolikamissbrauch beschrieben worden. Die Absenkung des Ruhepulse (Vagotonie) führt zu einer geringeren Tendenz zu Herzrhythmusstörungen. Gleichzeitig wird die Funktion der Gefäßinnenschicht (Endothel) verbessert, was einem direkten Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall entspricht. In diesem Sinne sind ebenfalls die Verbesserung der Cholesterinwerte (HDL-Cholesterin wird erhöht) und die geringere Klebrigkeit der Blutplättchen (Thrombozyten-Aggregations-Hemmung; wie nach der Einnahme von Aspirin) durch Ausdauertraining zu bewerten.

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Welche positiven Auswirkungen an anderen Organen sind bekannt?

Einer der größten deutschen Sportmediziner Prof. Wildor Hollmann hat in den letzten Jahren die Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit durch körperliches Ausdauertraining belegt. Die antidepressive Wirkung (Glückshormone: u.a.Endorphine) ist schon seit längerem bekannt. Das Immunsystem wird durch moderates körperliches Training positiv beeinflusst: Virusinfekte treten außer bei Hochleistungssportlern seltener auf, eine geringere Rate von Krebserkrankungen ist für verschiedene Krebsarten belegt: zum Beispiel 30% weniger Brustkrebserkrankungen bei ausdauersporttreibenden Frauen, weniger Dickdarmkrebs und Prostatakrebs beim Mann. Der Osteoporose wird vorgebeugt. Der Testosteronspiegel des Mannes steigt in Folge körperlichen Trainings, was sich positiv auf Libidoverlust und Potenzstörungen auswirkt und den in letzter Zeit vermehrt diskutierten Problemen der Wechseljahre des Mannes ab 40 entgegen wirkt.

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Muss es einen Marathonlauf sein?

Der Marathonlauf selbst stellt eine Grenzbelastung dar. Es gilt das Wort von Thomas Wessinghage selbst Orthopäde und ehemaliger Weltklassemittelsteckler: der Marathonlauf ist nicht gesund, aber die Vorbereitung dahin ist sehr gesund. Somit sollte ein Marathonlauf nur das Ende einer mindestens halbjährlichen kontinuierlichen Trainingsvorbereitung sein. Wenn dies nicht gewährleistet ist, sollte man sich lieber mit einem Halbmarathon zufrieden geben.

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Ist eine ärztliche Untersuchung vor Beginn des Trainings zu empfehlen?

Die American Heart Association empfiehlt allen Sportlern vor Beginn eines intensiven sportlichen Trainings eine ärztliche Untersuchung mit ausführlicher Anamnese und körperlicher Untersuchung. Die ergänzende Ableitung eines Ruhe-EKGs und einiger Laborparameter ( Blutbild, Cholesterin u.a.) sollte ebenfalls erfolgen. Bei auffälligen Befunden und ab einem Lebensalter von 40 Jahren sollte eine weitere Diagnostik mit Belastungs-EKG und eventuell Echokardiografie erfolgen. Zur individuellen Trainingsplanungen zum Beispiel bei vorliegenden organischen Herzerkrankungen kann die Durchführung einer Ergospirometrie sinnvoll sein.

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Es werden immer wieder Todesfälle bei jungen Sportlern beschrieben, wie kommt es dazu?

Der plötzliche Herztod eines Sportlers ist ein sehr seltenes Ereignis, das Risiko für junge Sportler wird in den USA bei 1 : 200000 eingeschätzt. An- gesichts der geringeren Häufigkeit muss man das Medieninteresse an diesen Problemen wohl als unverhältnismäßig hoch einschätzen. Bei jungen Sportlern unter 35 Jahren stehen in erster Linie Herzenmuskelerkrankungen als Ursache des plötzlichen Herztod im Vordergrund. Vor allen eine angeborene hypertrophe Kardiomyopathie, dilative Kardiomyopathie oder eine erworbene Virusmyokarditis spielen hier eine große Rolle, seltenere Ursachen sind angeborene Anomalie der Herzkranzarterien, frühe Einengungen der Herzkranzarterien durch Arteriosklerose, ein Aortenaneurysma bei Marfan- Syndrom oder angeborene Herzerkrankungen die mit bösartigen Herzrhythmusstörungen einhergehen. Bei Sportler über 35 Jahren stehen Durchblut- ungsstörungen des Herzmuskels durch Arteriosklerose mit Einengungen der Kranzarterien ganz im Vordergrund. Bis zu 90 Prozent der Sportler kollabiert während oder unmittelbar nach dem Training oder im Zusammenhang mit einer Sportveranstaltung, weshalb von einer Triggerfunktionen der körperlichen Belastung bei der Auslösung des plötzlichen Herztodes auszugehen ist.

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Ist ein körperliches Ausdauertraining mit organischen Herzerkrankungen möglich?

Bei nahezu allen organischen Herzerkrankungen gehört ein individuell ausgerichtetes körperliches Training in das therapeutische Konzept. So kann zum Beispiel bei Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche) ein drei stündiges Ausdauertraining pro Woche mit 75 Prozent der maximalen Leistungsfähigkeit (vO2 max. in der Ergospirometrie) letztlich prognoseverbessernd wirken. Auch ein Lauftraining mit einem modernen Herzschrittmachern ist möglich. Selbst Marathonläufen bzw. sogar Ultramarathonläufe von Patienten mit Bypassoperation oder Herzklappenersatz wurden beschrieben. Die Trainingssteuerung sollte hier in Abstimmung mit dem behandelnden Kardiologen erfolgen, der die gesamte Palette der kardiologischen Diagnostik zum Einsatz bringen muss, um einen individuellen Trainingsplan zu erstellen.

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Wie kann man die Intensität meines täglichen Trainings steuern?

Alle Patienten mit organischen Herzerkrankungen sollten einen Pulsmesser zur Trainingssteuerung benutzen. Auf Grund der vorliegenden Befunde wird dem Patienten eine individuelle Trainingsfrequenz angegeben, die dieser beim Training einhalten sollte. Besteht der Wunsch zur Intensivierung des Trainings sollte die Dauer nicht aber die Trainingsfrequenz erhöht werden.

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Welchen Einfluss haben Medikamente auf ein körperliches Training?

Insgesamt spricht eine regelmäßige Medikamenteneinnahme nicht gegen die Durchführung eines körperlichen Ausdauertraining. Auch wird die körperliche Leistungsfähigkeit durch die Medikamenteneinnahme in der Regel nicht beeinträchtigt. Dies hat Prof. Kindermann z.B. für ß-Blocker bei an Bluthochdruck erkrankten Leistungssportler nachgewiesen, obwohl sich Patienten unter Hochdruckmitteln oft nicht leistungsfähig fühlen. Bluthochdruck sollte vor Beginn des Trainings ausreichend medikamentös eingestellt werden. Insgesamt muss aber auch hier ein individuelles Trainingskonzept erarbeiten werden.

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Welche Bedeutung spielt die Ergospirometrie in der Leistungs- diagnostik?

Die Ergospirometrie dient zur Einschätzung der individuellen Belastbarkeit. Durch die Registrierung des eingeatmeten O2 und des abgegebenen CO2 während der Belastung kann die Energieaufnahme der Skelettmuskulatur während der Belastung quantitativ erfasst werden. Es kann der Übergang von der aeroben zur anaeroben Energiegewinnung festgelegt werden und überprüft werden, bis zu welchem Grad Kreislauf und Atmung in der Lage sind, dem Energiebedarf der Muskulatur gerecht zu werden. Mit Hilfe der Ergospirometrie kann ein individuelles Leistungsprofil für jeden Sportler erstellt werden, und dessen Verbesserung im Rahmen des Trainings überprüft werden. Die Ergospirometrie kann deswegen zur Steuerung des Trainings eingesetzt werden, und sollte am Ende jeder Trainingsphase durchgeführt werden.

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Quelle: www.baden-marathon.de/de/training/medcoach.php