Orthopädie - FAQ

beantwortet durch Herrn Dr. med. J. Flechtenmacher und Herrn Dr. med. M. Trauschel:

Ich habe Achillessehnenschmerzen! Gibt es eine Selbstbehandlung oder muß ich gleich einen Arzt aufsuchen?

Bei Verletzungen ohne komplette Durchtrennung/Riss der Achillessehne (komplette Ruptur) kann eine Selbstbehandlung versucht werden. Wenn die Verletzung die Folge von Überlastung ist, wird es bald zu einer Besserung kommen. Falls keine deutliche Besserung in 10 Tagen eintritt, sollte eine Vorstellung bei einem/r Orthopäden/in erfolgen. Der/die wird die erforderliche Diagnostik durchführen, eine Diagnose stellen und mit Ihnen die weitere Therapie planen! Je länger Sie mit einer Verletzung weiter trainieren, umso länger dauert anschließend der Genesungsprozess!

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Welche Möglichkeiten der Selbstbehandlung von Achilles- sehnenschmerzen gibt es?

Kältebehandlung mehrmals pro Tag für ca. 10 Minuten Entzündungshemmendes Medikament (z.B. Aspirin) zur Verminderung von Schmerz und Entzündung. Keine schmerzhemmenden Medikamente beim Laufen! Schmerzhemmende und entzündungshemmende Medikamente verlangsamen körpereigene Reparaturvorgänge. Die Gefahr eines Risses bei Einnahme schmerzhemmender Medikamente steigt, da schmerzen als Warnsymptom nicht wahrgenommen werden. Dehnung benachbarter Gewebe (Bänder/Muskeln/Sehnen) Es ist wichtig die benachbarten Gewebe und angrenzenden Muskeln zu dehnen. Gewebe welches weh tut sollte nicht gedehnt werden. Wenn Schmerzen auftreten bei der Dehnung, stoppen, nicht mehr weiter dehnen! (siehe Physiotherapie). Verminderung des Training Wenn die Verletzung die Folge von Überlastung ist wird es bald zu einer Besserung kommen. Falls keine deutliche Besserung in 10 Tagen eintritt, sollte eine Vorstellung bei einem/r Orthopäden/in erfolgen. Auch wenn es während des Laufens zu einer Besserung der Beschwerden kommt, sollte nicht weiter gelaufen werden. Trotz einer Beschwerdebesserung beim Laufen kann es zu einer weiteren Verletzung von Sehnenstrukturen kommen. Am nächsten Tag deswegen oft vermehrt Schmerzen.

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Was ist ein kompletter Achillessehnenriss(ruptur) und wie wird er behandelt?

Ein kompletter Achillessehnenriss (Achillessehnenruptur) ist eine schwere Verletzung der Achillessehne, bei der es zu einer Zerreißung der gesamten Sehne kommt. Typischer Weise zeigt sich bei solch einer Verletzung folgendes Patienten-/Verletzungsprofil:

  1. Verletzter Krieger
  2. Warnsymptome Prodromalstadium in 15 % der Fälle
  3. Männer, Alter ca. 40 Jahre (30-50)
  4. Häufige excentrische Kontraktionen (Beschleinigung/Abstoppung)
  5. 75 % durch Sport (jedoch wenig trainierter Sportler)
  6. Gefühl „Jemand hat mich von hinten getreten“
  7. hörbarer und fühlbarer Riß
  8. schwache Plantarflexion (kein Stehen mehr auf den Zehen möglich)

Symptome:

  1. Delle tastbar
  2. Schwache, manchmal noch vorhandene Plantarflexion (Fuß lässt sich nicht mehr „strecken“)
Diagnostik/Therapie:
  1. ggf. Röntgen (Ausschluß knöcherner Ausriß), Ultraschall, ggf. wenn auch selten Kernspintomographie
  2. konservative Therapie (eher ältere Patienten) mit Gips oder Spezialschuh
  3. operative Behandlung (eher jüngere Patienten)
  4. Beide Behandlungen haben Vor und Nachteile. Die Entscheidung fällt der/die behandelnde Arzt/Ärztin zusammen mit dem Patienten.
  5. Nachbehandlung: 4 Wochen – 6 Monate!
  6.  

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Was ist ein chronischer Achillessehnenriss(ruptur) und wie wird er behandelt?

    Typischerweise zeigt sich bei solch einer Verletzung folgendes Patientenprofil:
  1. Männer = Frauen (35-60 Jahre)
  2. Fehldiagnostizierte akute Verletzung
  3. Wiederholte Teilverletzungen
  4. Cortisoninjektionen
  5. Antibioticaeinnahme (z.B. Fluorochinolone, Ciprofloxacin)

Symptome:

  1. Symptomatik oft > 2 Jahre
  2. Delle tastbar
  3. Schwache, jedoch vorhandene Plantarflexion

Diagnostik/Therapie:

  1. ggf. Röntgen (Ausschluß knöcherner Ausriß), Ultraschall, oft Kernspintomographie
  2. konservative Therapie – physikalische Therapie, Entzündungshem- mende Medikamente, Gangtraining, Stoßwellentherapie (experimentell); Ruhigstellung in Gips oder Spezialschuh
  3. operative Behandlung – Sehnenplastiken, ggf. mit Eigengewebe, Kunstgewebe oder auch Spendergewebe
  4. Nachbehandlung: 6 Wochen – 9 Monate!

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Ich habe Schmerzen und eine Schwellung der Achillessehne oberhalb der Achillessehnenansatzes. Was ist das und wie wird das therapiert?

Es handelt sich hierbei am ehesten um eine Entzündung, ggf. auch um einen Umbau der Achillessehne (Tendinose/Tendinitis). (6-18% aller Läuferverletzungen) Typischer Weise zeigt sich bei solch einer Verletzung folgendes Patientenprofil:

  1. Männer häufiger als Frauen
  2. Starke Pronation (Fußsohle rotiert nach außen), Valgusstellung der Ferse
  3. Falsches Dehnen, Falsches Training, falsche + schlechte Schuhe
  4. Rheuma, Gicht
  5. zunehmendes Alter, wiederholte Microtraumen
  6. Wiederholte Cortisoninjektionen, Cortisonhaltige Medikamente, Antibioticaeinnahme (z.B. Fluorochinolone, Ciprofloxacin)

Klinische Symptome:

    Symptome oberhalb (proximal) des Ansatzes der Achillessehene
  1. Peritendinitis – unveränderte Position der Verdickung bei Bewegung des Fußes durch relativ fixe Position des Sehnengleitgewebes
  2. Pantendinitis – die schmerzhafte spindelförmige Verdickung verändert die Position und geht mit der Sehne bei der Bewegung des Fußes mit.
  3. Röntgen wenig hilfreich, Ultraschall, gute Diagnostik mittels Kernspintomographie möglich

Therapie:

  1. konservative Therapie (vor allem bei akuten Symptomen), Veränderungen der Schuhe (Alignement), Fersenkeil, entzündungshemmende Medikamente (z.B. Ibuprofen) für limitierte Zeit, progressives Dehnen, physikalische Therapie, manuelle Therapie
  2. operative Therapie (bei chronischen Verläufen ggf. notwendig), offene und percutane Methoden kommen zur Anwendung
  3. Stoßwellentherapie (experimentell)

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Ich habe Schmerzen und eine Schwellung direkt am Achillessehnenansatz! Was ist das und wie wird das therapiert?

Es handelt sich hierbei am ehesten um eine Entzündung, ggf. auch um einen Umbau des Achillessehnenansatzes (Ansatz-Tendinopathien, Tendinose/Tendinitis). (20% aller Achillessehnenerkrankungen). Oft geht eine Schleimbeutelentzündung mit einher. (20% aller Achillessehnenerkrankungen) Typischer Weise zeigt sich bei solch einer Verletzung folgendes Patientenprofil:

  1. Typisches Überlastungssyndrom
  2. Bei Sportlern im Alter 20-30 Jahre
  3. Läufer, Tänzer, Tennis, Fußball, Typische Sportarten mit Stop and Go
  4. Bei Nichtsportlern > 45 Jahren, Frauen >Männern

Klinische Symptome:

  1. Hinterer Fersenschmerz am Übergang Sehne/Knochen
  2. seitlicher äußerer (lateraler) Fersenschmerz ggf Verdickung
  3. Punktförmiger Schmerz bei Dorsalflexion
  4. Röntgen (wichtig Haglungdsporn!, Verkalkungen), Ultraschall, oft Kernspintomographi

Behandlung:

  1. Konservative Behandlung (in 95% der Fälle erfolgreich),
  2. Schuhveränderung und Einlagenversorgung.
  3. Fersenerhöhung
  4. Ruhigstellung in Gips oder Spezialschuh
  5. Stoßwellentherapie (experimentell)
  6. physikalische Therapie, z.B. Elektrotherapie, Ultraschall
  7. Operative Therapie (z.B. Abtragung Haglungssporn etc.)

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Ich habe Schmerzen und Schwellung im Fuß/Unterschenkel! Ein Röntgenbild zeigte keine Auffälligkeiten! Was kann das sein?

Stressfrakturen (Stressbruch des Knochens) sind im Röntgenbild oft erst nach 2-3 Wochen nach Einsetzen der Beschwerdesymptomatik nachweisbar. Diese Frakturen können – wenn klinisch keine eindeutige Situation vorliegt - mit einer Kernspintomographie gut und sicher nachgewiesen werden. Auch lokale Überlastungssituationen (Perfusionsstörungen) können so nachgewiesen werden.

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Meine Ferse tut weh! Was kann das sein?

Fersenschmerzen können viele Auslöser haben. Bei Läufern denken wir in erster Linie an eine Ansatzentzündung der kurzen Fußsohlenmuskulatur und der Plantarfascie im vorderen und zur Mitte hin liegenden Teil des Fersenbeines (Fasceitis plantaris). Der Fersensporn kann (muss jedoch nicht) eine Folge einer Überbelastung mit nachfolgender entzündlicher Reaktion sein. Nicht jeder Fersensporn macht Beschwerden. Weiterhin kann jegliche Irritation der Nerven im Bereich der Ferse und des gesamten Fußes zu einer ausgeprägten Schmerzsymptomatik im Bereich der Ferse führen. Zudem können rheumatische Erkrankung (z.B. Bechterew’sche Erkrankung), Thrombosen aber vor allem auch lokale Überlastungssituationen von Rück- und Mittelfuss (Stressfrakturen, Perfusions- störungen etc.) oder Entzündungen von Sehnen (z.B. Peronealsehne) zu Fersenschmerzen führen. Nach entsprechender klinischer Diagnostik (ggf. auch Röntgen, Ultraschall, ggf. auch Kernspintomographie) entscheidet der Arzt/Ärztin zusammen mit dem Patienten/in über die Therapie. Zur Therapie sind unterschiedliche Ansätze möglich, diese reichen von orthopädischer Einlagenverordnung, entzündungshemmenden Medikamenten, Infiltrationen, Bestrahlungen, Stoßwellenbehandlung bis zur operativen Abtragung des Fersenspornes. Sicher ist es sinnvoll, erst einmal die konservativen Behandlungsmöglichkeiten auszuschöpfen.

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Schmerzen im Kniegelenk belastungsabhängig! Was kann das sein?

Das Kniegelenk selbst kann in 3 „Untergelenke“ unterteil werden. Das patellofemoral Gelenk (Gelenk zwischen Oberschenkelknochen und Kniescheibe), das mediale femurotibiale Gelenk (inneres Gelenk zwischen Oberschenkelknochen und Schienbein) und das laterale femuro-tibiale Gelenk (äußeres Gelenk zwischen Oberschenkelknochen und Schienbein). Zudem gibt es ein Gelenk zwischen dem Schienbein und Wadenbein welches dem Kniegelenk außen seitlich anliegt. In jedem dieser 4 Gelenke gibt es läuferspezifische Verletzungs- und Überlastungsschäden. Knieschmerzen sollten immer Anlass geben über das durchgeführte Dehnungsprogramm, Trainingsprogramm und Laufschuhe nachzudenken. Falls konsequentes Dehnen, verändertes Training (z.B. weniger Berg herab laufen) oder andere Laufschuhe keine deutliche Verbesserung brachten sollte ein Orthopäde/in aufgesucht werden. Durch eine gezielte Anamnese (Befragung) und klinische Untersuchung kann oft schon die richtige Diagnose gestellt werden. Röntgenuntersuchungen und gelegentlich auch Kernspintomographie runden die Diagnostik und damit die Therapieentscheidung ab. Manchmal sind auch Laufbandanalysen (unserer Meinung nur in Zusammenarbeit von Orthopäde/in + Physiotherapeut/in + Orthopädieschuhmacher/in) sinnvoll.elegentlich werden Knieschmerzen als ausstrahlender Schmerz von einer blockierten Kreuz-Darmbein-Fuge SIG) ausgelöst. Besserung ist durch Chirotherapie der Lendenwirbelsäule und SIG möglich.

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Schmerzen in der Leiste/Hüfte belastungsabhängig! Was kann das sein?

Läuferspezifische Verletzungs- und Überlastungsschäden im Hüftbereich betreffen häufig die Muskulatur und die umliegenden Weichteile, seltener knöcherne Strukturen. Auch Hüftschmerzen sollten immer Anlass geben über das durchgeführte Dehnungsprogramm, Trainingsprogramm und Laufschuhe nachzudenken und das ggf. zu modifizieren. Eine eingehende klinische Untersuchung, Röntgenuntersuchungen und Ultraschall sind zentraler Bestandteil der Diagnostik. Gelegentlich hilft auch Kernspintomographie weiter. Ein Ermüdugsbruch des Rollhügels oder eine schleichende Schenkelhalsfraktur als Ursache solcher Beschwerden kann insbesondere bei Trainingseinstieg, Wiederbelastung nach Trainingspause oder bei Steigerung des Pensums bei untrainierten aber auch erfahrenen Laufsportlern durch akute oder chronische Überlastung beobachtet werden. Manchmal sind auch Laufbandanalysen (unserer Meinung nach nur in Zusammenarbeit von Orthopäde/in + Physiotherapeut/in + Orthopädie- schuhmacher/in) sinnvoll. Da Beschwerden im Leisten- und Hüftbereich auch eine Vielzahl von Ursachen haben können (Leistenbruch, Blasenentzündung, Eierstockent- zündung,...) , die nicht im Bereich des Bewegungsapparates liegen, ist bei länger andauernden Schmerzen immer ein Besuch beim Arzt angezeigt.

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Quelle: www.baden-marathon.de/de/training/medcoach.php