Sportwissenschaften - FAQ

beantwortet durch Herrn Dietmar Blicker, Herrn Gunther Kurz und Herrn Sascha Härtel:
Effektiv und gesund trainieren muss die hauptsächliche Zielvorstellung für einen Läufer sein. Um dieses Ziel zu erreichen, ist die Ermittlung des optimalen Trainingsreizes unverzichtbar. Mit Hilfe leistungsdiagnostischer Untersuchungen wird die Intensität des optimalen Trainingsreizes ermittelt. Sie ist entscheidend für die weitere Leistungsentwicklung

Warum sollte man eine Laktatdiagnostik durchführen?

Eine effektive Trainingsplanung wird nur durch eine optimale, individuelle Steuerung des Trainingsprozesses ermöglicht. Über die Ermittlung der leistungsdiagnostischen Parameter Laktat und Herzfrequenz mit Hilfe eines Stufentests steht hierfür eine wissenschaftlich abgesicherte Methode zur Verfügung. Somit kann heute jeder ambitionierte Hobby- oder Breitensportler ähnlich wie der Leistungssportler von den Vorteilen der Leistungsdiagnostik profitieren.

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Wie können die Daten der Leistungsdiagnostik für das persönliche Training verwendet werden?

Die Auswertung der Testdaten soll es Ihnen ermöglichen, Ihr persönliches Training in neue Bahnen zu lenken. Es werden in der Auswertung Angaben über Laufgeschwindigkeiten und individuelle Trainingspulse für unterschied- liche Trainingsintensitäten gemacht. Außerdem werden Basiserläuterungen bezüglich der verschiedenen Trainingsmethoden (regenerativer, langsamer Dauerlauf, Tempoläufe, Fahrtenspiel) beigefügt. Eine theoretische Beschreibung zu den gelieferten Daten hilft Ihnen, Ihr Training individuell angepasster zu gestalten.

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Welche Untersuchungsbedingungen gelten beim leistungs- diagnostischen Test?

Erscheinen Sie ausgeruht zum Test. Ernähren Sie sich an den Vortagen ausgewogen, trinken Sie viel Flüssigkeit und keinen Alkohol, nehmen Sie nur dringend benötigte Medikamente zu sich. Sie sollten sich absolut gesund fühlen und am Vortag nicht trainieren. Wiederholungstests sollten wenn möglich zur gleichen Tageszeit und unter ähnlichen Bedingungen durchgeführt werden. Wenn Sie über 40 Jahre alt sind und bisher keinen Sport getrieben haben, empfehlen wir Ihnen im Vorfeld einen medizinischen Gesundheits-Check durchzuführen, um etwaige Risikofaktoren auszuschließen

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Welche Daten werden bei leistungsdiagnostischen Tests
erfasst?

Ein unübersichtlicher Datendschungel verwirrt den Läufer beim Durchsehen der Auswertungsergebnisse. Deshalb sollte man sich auf die Messung der Laktat- und Herzfrequenzwerte konzentrieren. Für den Leistungssportler kommt möglicherweise noch die Messung der maximalen Sauerstoffaufnahme mittels Spiroergometrie in Frage. Die aufgenommenen Parameter Laktat, Herzfrequenz und Belastungsintensität und deren Verhältnis zueinander lassen Rückschlüsse auf den aktuellen Trainingszustand zu

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Wie läuft ein typischer leistungsdiagnostischer Test ab?

Leistungsdiagnostische Untersuchungen werden in fast allen Fällen als Stufentest durchgeführt. Innerhalb bestimmter Zeitintervalle wird die Laufgeschwindigkeit (Belastung) bis zur subjektiven Erschöpfung erhöht. Zu Beginn der Belastung, am Ende jeder Belastungsstufe und sofort nach Abbruch des Tests wird Kapillarblut aus dem Ohrläppchen zur Laktatanalyse gewonnen sowie die Herzfrequenz protokolliert. Darüber hinaus werden Nachbelastungswerte zur Beurteilung der Regenerationsfähigkeit erfasst. Ausdauertests können als Laborstufentests (Laufband, Fahrradergometer, Ruderergometer…) oder als Feldstufentests im Freien durchgeführt werden.

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Wie oft sollte man einen leistungsdiagnostischen Test durchführen?

Wichtige Anpassungsprozesse und –reaktionen des Herz-Kreislauf-Systems und des Stoffwechsels finden in unterschiedlichen zeitlichen Verläufen statt. Deshalb sollten zwischen zwei leistungsdiagnostischen Tests mindestens acht Wochen liegen, um eine Veränderung des Trainingszustandes diagnostizieren zu können. Insgesamt ist der Zeitpunkt der leistungsdiagnostischen Tests abhängig von der Trainingsperiodisierung und der Zielsetzung des einzelnen Athleten. Im Allgemeinen sollte ein Leistungstest kurz nach Trainingsbeginn, vor Beginn des wettkampfspezifischen Trainings sowie kurz vor dem Wettkampf durchgeführt werden.

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Wie erkenne ich einen fachkompetenten Anbieter?

Leistungstests sollten von qualifizierten Sportwissenschaftlern und Sportmedizinern durchgeführt werden. Eine detaillierte Befragung und Beratung, transparente Ergebnisdarstellung und die Feststellung Ihrer persönlichen, individuellen Trainingspulsbereiche sind wichtige Aspekte. Wenn Sie über 40 Jahre alt sind und bisher keinen Sport getrieben haben, sollte im Vorfeld ein medizinischer Gesundheits-Check durchgeführt werden, um etwaige Risikofaktoren auszuschließen. Vor dem Belastungstest sollten Sie optimalerweise ein Lungenfunktionstest sowie eine Körperfettmessung durchführen lassen. Informieren Sie sich vor dem Test über die Durch- führung, die Messmethodik sowie über die Auswertung. Überprüfen Sie vor allem bei sehr günstigen Angeboten diese Aspekte kritisch.

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Wer führt leistungsdiagnostische Tests in Karlsruhe durch?

In Kooperation mit dem Baden-Marathon und dem Projekt Karlsruher Marathontraining bietet das Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Karlsruhe leistungsdiagnostische Ausdauertests an.

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Was versteht man grundsätzlich unter Training?

Der Mensch besitzt wie alle Lebewesen die Fähigkeit zur Anpassung. Durch Training (Belastung des Körpers) ist es daher möglich, gezielt funktionelle Anpassungen (Adaptationen) auszulösen. Die Trainingsreize (Belastungen) lenken den Körper aus seinem dynamischen Gleichgewicht (Homöostase). Bei der Wiederherstellung des Gleichgewichts versucht der Körper sich auf neuerliche Störungen der Homöostase vorzubereiten, indem er über das vorherige Ausgangsniveau hinaus das neue Gleichgewicht einstellt (Superkompensation).

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Wie vermeide ich Übertraining bzw. Überbelastungen?

Zur Vermeidung des Übertrainings ist es wichtig, dem Körper genügend Zeit zur Superkompensation zu geben. Folgen die Trainingsreize zu dicht und in zu hoher Intensität aufeinander, werden die zuvor gewollten abbauenden Prozesse, zur Auslösung der Superkompensation, so verstärkt, dass der Organismus in seinen aufbauenden Prozessen überfordert ist. Das vorherige Ausgangsniveau kann dadurch nicht erreicht werden und es kann folglich keine Superkompensation erfolgen. Daher ist die richtige Relation zwischen Belastung und Erholung wichtig. Wenn die neue Belastung zum Zeitpunkt der höchsten Superkompensation erfolgt, erreicht man einen optimalen Leistungszuwachs.

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Was ist unter Trainingsgesetzen zu verstehen?

Die Anpassung des menschlichen Organismus an Training unterliegt ver- schieden Gesetzmäßigkeiten. So bewirken spezifische Reize des Trainings spezifische Anpassungsreaktionen (Qualitätsgesetz). Kurze Belastungen mit hoher Intensität bewirkt daher eine Verbesserung der Kraft, lange Belastungen mit geringer Intensität hingegen bewirken eine Verbesserung der Ausdauer. So bestimmt die Art des Trainingreizes die Form der Anpassung.

Die Auslenkung des dynamischen Gleichgewichts (Homöostase) und die daraus resultierenden Wiederherstellungsvorgänge über das Ausgangsniveau hinaus (Superkompensation) stellen die Grundlage für alle Funktions- und Leistungssteigerungen dar. Jedoch kommt es nur beim Überschreiten einer kritischen Reizschwelle zu einer Superkompensation (Reizschwellengesetz). Liegt der Belastungsreiz unterhalb dieser Schwelle, erfolgt keine Anpassung. Diese Reizschwelle liegt bei Untrainierten bei ca. 30%, bei Trainierten bei ca. 70% ihres jeweiligen Leistungsvermögens.

Die Steigerung der Leistungsfähigkeit eines Sportlers wird bei zunehmender Leistungsfähigkeit immer schwieriger. Der Leistungszuwachs wird trotz eines größeren Trainingsaufwands immer geringer (Verlauf der Leistungsentwicklung). Ein durch langjähriges Training aufgebautes Leistungsniveau ist sehr viel stabiler als das bei einem kurzfristig aufgebauten. Daher bildet sich auch das Leistungsniveau von Sportlern, die langfristig trainiert haben, nach einem Aussetzen des Trainings langsamer zurück (Anpassungsfestigkeit).

Die Trainierbarkeit der Menschen ist abhängig vom Geschlecht und Alter (Trainierbarkeit). Der geschlechtliche Unterschied in der Trainierbarkeit ist in erster Linie auf die Wirkung der Sexualhormone zurückzuführen, die sich in Kraft- und Schnelligkeitsleistungen zu Gunsten der Männer widerspiegeln.

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Quelle: www.baden-marathon.de/de/training/medcoach.php