• „Die Freude blieb bis zum heutigen Tag erhalten
    „Die Freude blieb bis zum heutigen Tag erhalten" sagt Heinz Frei. © Victah Sailer
  • Er nimmt seit 1984 an den Paralympics teil und gewann dort bis 2008 insgesamt 14 Goldmedaillen.
Daneben holte er serienweise Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften.
    Er nimmt seit 1984 an den Paralympics teil und gewann dort bis 2008 insgesamt 14 Goldmedaillen. Daneben holte er serienweise Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften. © privat
  • Zwei Legendes des Berlin-Marathon: Heinz Frei und Bernd Hübner (lks.), der Berlin-Marathon-Rekordler
    Zwei Legendes des Berlin-Marathon: Heinz Frei und Bernd Hübner (lks.), der Berlin-Marathon-Rekordler © Horst Milde
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Rolli-Legende Heinz Frei zählt mit 53 Jahren noch zur Weltspitze - 19 Siege in Berlin - Jubilee-Startnummer R1

Erfolge möchte jedermann wohl auf ewig gepachtet haben - allein die Realität setzt Grenzen.

Heinz Frei ist die Legende des Rollstuhl-Sports. Mittlerweile 53 Jahre alt, kämpft er immer noch um Podiumsplätze bei den größten Marathons weltweit, in Chicago, Japan oder eben in Berlin, wo man ihn in
besonders guter Erinnerung hat.

25 Mal ist er hier bereits gestartet, erstmals 1985, als er in der damals noch geteilten Stadt auf Anhieb als Sieger durch das Ziel fuhr, das sich damals noch auf dem Kurfürstendamm befand. Mittlerweile hat er 19 Mal
hier gewonnen, zwischen 1991 und 2002 siegte er in Serie, zuletzt war er 2009 erfolgreich.

2011 musste er sich überaus knapp seinem 28 Jahre jüngeren Schweizer Kollegen Marcel Hug geschlagen geben.

Frage: Ist der 20. Sieg noch möglich gegen die jungen Konkurrenten?

Heinz Frei: Wenn ich „Schwein" habe, Topform erreiche und talktisch alles für mich läuft, dann gibt's diese Chance möglicherweise nochmals. Kann aber auch sein, daß mir die Zeit davon rennt... Weil ich bisher 19
Mal gewinnen durfte, wird mich jeder weitere Sieg oder eher Niederlage nicht umhauen, ich darf jeweils Stolz an der Startlinie stehen und jeden BERLIN-MARATHON genießen.

Hat sich Ihr Training bzw. Ihre Trainingsvorbereitung auf einen Marathon wie diesen gegenüber den Anfangsjahren verändert?

Zunächst war ich Jäger und musste mehr tun als andere - dann wollte ich mich nicht so schnell wieder vom Sockel stoßen lassen. Das ermöglichte diese lange Siegesserie. Nun ist es eher die Rolle des Spielverderbers.
Die Umfange, der Fokus aufs Wesentliche, die Taktik, das Material wurden aber in all den Jahren mehr und besser. Und dann das Entscheidende: die Freude blieb bis zum heutigen Tag erhalten...

Entschuldigen Sie die Frage,- aber wie lange wollen Sie noch auf derart hohem Niveau dabeisein?

Erfolge möchte jedermann wohl auf ewig gepachtet haben - allein die Realität setzt Grenzen. Das Niveau hat denn auch bei mir wirklich schon abgenommen. So gesehen bin ich jeweils glücklich, noch mit der Weltklasse
mithalten zu können. Ist das nicht mehr der Fall, kann ich mir gut vorstellen, weiterhin in Berlin zu starten, dann mit einer anderen Zielsetzung und Aufgabe - zum Beispiel als Coach für aufstrebende Athleten direkt im Rennen.

Heinz Frei

1978 stürzte Heinz Frei im Alter von 20 Jahren
bei einem Orientierungslauf in felsigem Gelände
und ist seither q u e r s c h n i t t s  g e lähmt.

Er nimmt seit 1984 an den Paralympics teil und
gewann dort bis 2008 insgesamt 14 Goldmedaillen.
Daneben holte er serienweise Medaillen bei Welt-
und Europameisterschaften. 2005 gelang ihm in
Berlin sein insgesamt 100. Sieg bei einem Marathon.
Er hältdie Weltrekorde über die Marathonstrecke
(1:20:14) und über 100 km (3:52:30)

Zwischen 1992 und 2009 war er neunmal „Sportler
des Jahres" in der Schweiz.
Heinz Frei ist gelernter Vermessungszeichner
und arbeitet als Sportreferent für die
Schweizer Paraplegiker-Vereinigung

Quelle: Jubilee-Club News II/2011