• Dr. Dr. med. Lutz Aderhold - Laufen mit Musik im Training und Wettkampf
    Dr. Dr. med. Lutz Aderhold - Laufen mit Musik im Training und Wettkampf © privat
  • Aderhold/Weigelt: Laufen! Laufen hält jung, wirkt präventiv und hat im Alter, aber auch bei vielen chronischen Erkrankungen zahlreiche positive Effekte – vorausgesetzt, man übertreibt es nicht!
    Aderhold/Weigelt: Laufen! Laufen hält jung, wirkt präventiv und hat im Alter, aber auch bei vielen chronischen Erkrankungen zahlreiche positive Effekte – vorausgesetzt, man übertreibt es nicht! © Schattauer Verlag
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Laufen mit Musik im Training und Wettkampf - Dr. Dr. med. Lutz Aderhold

Die Regeln sind im Grunde genommen damit eindeutig: Herzfrequenzmesser sind erlaubt, Musikgeräte, Handys etc. sind im Wettkampf verboten.

Seit der Einführung des MP3-Players sieht man unterwegs immer mehr Läufer mit Knopf im Ohr. Die Zeit unhandlicher und schwerer Geräte sowie schlecht sitzender Kopfhörer ist vorbei, es muss heute schon ein iPod sein. Die gute Klangqualität und große Speicherkapazität machen die Musik so richtig mobil.

Flash-Player haben winzige Abmessungen und sind zum Laufen die beste Wahl. Die sogenannten In-Ear-Kopfhörer sind den klassischen Bügelkopfhörern vorzuziehen. Auch Spitzenläufer/Innen wie z.B. Paula Radcliffe nutzen Musik im Training und zur Entspannung vor dem Wettkampf.

Die Verbindung von Musik und Bewegung ist im Menschen verankert. Hier sind in erster Linie die Gestaltungsparameter Zeit, Form, Raum und Dynamik zu nennen. Unter dem Zeitfaktor fasst man Tempo, Metrum, Takt und Rhythmus zusammen. Musik kann als Begleitung und Unterstützung von Bewegungsvorgängen dienen.

Durch ihre unmittelbare Wirkung auf die Emotionen hat sie eine stimmungsregulierende Wirkung. Häufig genannt werden eine Verbesserung der Stimmung und eine Veränderung des Erregungszustandes (verstärkend oder dämpfend). Neurophysiologisch kommt es im Gehirn zu einer Freisetzung von Dopamin und Endorphinen.

In einigen Sportarten wie der Rhythmischen Sportgymnastik, dem Synchronschwimmen, Eiskunstlaufen oder dem Tanzen ist die Musik fester Bestanteil. Sportveranstaltungen haben heute immer mehr einen Eventcharakter. Bei den Mannschaftssportarten Fußball, Handball, Baketball Eishockey, American Football, Rugby und Beachvolleyball wird Musik zur Motivation der Spieler und zur Unterhaltung der Zuschauer eingesetzt. In der Leichtathletik dient Musik der Motivation, Konzentration/Fokussierung oder Entspannung. Laufen stellt eine musikungebundene Sportart dar. Hier kann Musik die Bewegung begleiten, das Tempo steuern und das Durchhalten fördern.    

Motivationshilfe und Ablenkung von der Monotonie des Laufens sind häufig angeführte Argumente für das Laufen mit Musikberieselung (Aderhold und Weigelt 2012). Sportler gestalten mit Musik die Trainingszeit angenehmer und auch unterhaltsamer. Für die Bewegung zur Musik spielt das Tempo eine wesentliche Rolle, die Lieblingsmusik gibt den Laufrhythmus vor. Das kann anspornend wirken und die Motivation positiv beeinflussen. Bei langen Läufen lenkt die Musik von der zunehmenden Erschöpfung ab.

Zusammenfassend gelten die folgenden Wirkungen von Musik im Sport als gesichert (modifiziert nach Siegmann 2010):

-       Hebung positiver und Senkung negativer Stimmung

-       Hebung / Senkung der Anspannung vor und während des Wettkampfes

-       Ausblendung unangenehmer Gefühle (Schmerz, Erschöpfung)

-       Erhöhung der Wahrscheinlichkeit, einen Flow-Zustand zu erreichen

-       Reduzierung der Einschätzung wahrgenommener Kraftanstrengung

-       Verfeinerung motorischer Fertigkeiten und Bewegungsabläufe

-       Verbesserung der Leistungsfähigkeit

Auch bei Laufveranstaltungen ist zunehmend der Gebrauch von Musikgeräten wie iPod und MP3-Player zu beobachten. Die Forschung hat die Effektivität von Musik zur Leistungssteigerung bei aeroben Aktivitäten gezeigt (Karageorghis et al. 2009). Hier stellt sich dann natürlich die Frage, ob im Wettkampf dies als unerlaubtes technisches Hilfsmittel anzusehen ist. Nach den geltenden Wettkampfregeln sind diese Geräte jedenfalls verboten (www.deutscher-leichtathletik-verband.de).

 

Die Regel 144 (IWR - Internationale Wettkampf-Regeln) besagt in Auszügen:

„Unterstützung

Im Sinne dieser Regel sind die folgenden Umstände als Unterstützung anzusehen und somit nicht erlaubt:

b der Besitz oder das Benutzen von Video- oder Kassettenrekordern, Radios, CD-Playern, Funkgeräten, Mobiltelefonen oder ähnlichen Geräten im Wettkampfbereich,

Nationale Bestimmungen DLV und SLV:

Sind solche Technologien oder Geräte für Behinderte notwendig, um den Sport ausüben zu können, kann ihnen eine Teilnahme an nationalen Wettkämpfen außer Wertung erlaubt werden.

Im Sinne dieser Regel sind die folgenden Umstände nicht als Unterstützung anzusehen und sind somit erlaubt:

g Geräte, die der Wettkämpfer während des Laufes mitführt und die zur Messung der Herzfrequenz, der Geschwindigkeit oder zum Schrittzählen geeignet sind, sofern diese nicht zur Kommunikation mit einer anderen Person genutzt werden können."

Die Regeln sind im Grunde genommen damit eindeutig: Herzfrequenzmesser sind erlaubt, Musikgeräte, Handys etc. sind im Wettkampf verboten. Der DLV hält sich in diesem Punkt bedeckt und will keine Sanktionen verhängen. In den Ausschreibungen großer Laufveranstaltungen wird dieser Punkt meist einfach nicht erwähnt.

Die IAU (International Association of Ultrarunners) verbietet das Tragen von Musikgeräten im Wettkampf und auch bei Triathlonveranstaltungen sind diese Geräte in der Regel verboten und die Nutzung eines Kopfhörers führt zur Disqualifikation.

Bisher hat man noch keinen Kenianer mit Knopf im Ohr einen bedeutenden Marathon gewinnen sehen, denn dann würde sicher die Diskussion darüber in Gang kommen. In den USA sind bei einigen größeren Citymarathons Musikgeräte aus Sicherheitsgründen verboten und Siegerinnen mit Knopf im Ohr schon nachträglich disqualifiziert worden. Auch in Deutschland konnte man schon die Siegerin eines Citymarathons mit iPod laufen sehen, allerdings ohne Konsequenzen. Ein großer deutscher City-Marathon versendet in seinem Newsletter Informationen und Angebote für Kopfhörer. Damit wird dem Tragen solcher Geräte Vorschub geleistet und indirekt suggeriert, dass der Veranstalter die Verwendung empfiehlt.  

Bilder sowie Playlists in Laufzeitschriften suggerieren, dass ein Musikgerät zur Grundausrüstung des Läufers gehört. In Zukunft wird die Industrie sicher neue Produkte auf den Markt bringen und auch Abnehmer finden. Vielleicht sind dann Laufuhr, Herzfrequenz-Messgerät, GPS-Gerät und iPod in einem Gerät vereint. Es wird aber auch dann viele Läufer geben, die lieber dem Wind, dem Bach oder Vogelgezwitscher zuhören und die Natur pur genießen möchten. „Ich laufe. Das genügt mir. Ich brauche aber Umgebungsgeräusche" (Viktor Röthlin - Marathon-Europameister 2010).

Um gefühlsmäßig in eine andere Welt einzutauchen, braucht er keine iPod-Stöpsel im Ohr (Däpp et al. 2010). In unserer technisierten Welt muss unser Kopf täglich viele Informationen verarbeiten, gönnen Sie Ihrem Geist beim Laufen eine Auszeit, entfliehen Sie dem Alltagslärm und lassen Sie den Gedanken einfach freien Lauf.

Nicht zu unterschätzen ist auch die Problematik, dass man sich durch die Musik von der Umwelt abschneidet und gefährliche Situationen wie Autos, Radfahrer und Hunde eben überhört. Im Wettkampf sollte man voll aufmerksam sein und sich nicht durch Musik in den Ohren ablenken lassen, zum eigenen aber auch zum Schutz der Mitläufer. Lesen Sie hierzu auch den Beitrag auf dieser Homepage:

Sicherheit beim Laufen. 

  

Fazit:

Die Verwendung von Musikgeräten kann für den Einzelnen eine Motivationshilfe im Training und ein Mittel zur Entspannung vor dem Wettkampf darstellen. Im Wettkampf sind diese Geräte nach den geltenden Wettkampfregeln verboten, ganz gleich ob man dies nun als sinnvoll oder unsinnig ansieht.

Dr. Dr. med. Lutz Aderhold

Literatur:

Aderhold L, Weigelt S. Laufen! ... durchstarten und dabeibleiben - vom Einsteiger bis zum Ultraläufer. Stuttgart: Schattauer 2012.

Däpp W, Cuonz R, Pons P. Viktor Röthlin. Marathonläufer. Alpnach: Martin Wallimann 2010.

Karageorghis CI, Mouzourides, DA, Priest D, Sasso TA, Morrish DJ, Walley CL. Psychophysical and ergogenic effects of synchronous music during treadmill walking. J Sport Exerc Psychol 2009; 31: 18-36.

Siegmann A. Einsatz und Nutzung von Musik im Sport. Leistungssteigernde und motivierende Aspekte. Saarbrücken: VDM 2010.

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Das Buch von Aderhold/Weigelt:

Aderhold/Weigelt: Laufen! Die Buchvorstellung aus dem Schattauer Verlag