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    Klaus Knapp beim "Run of Spirit" 2012 - BERLIN-MARATHON: Einer startet allein - Klaus Knapp läuft mit seiner inkompletten Querschnittslähmung dem Rollstuhl davon ... © Joanna Cybon
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    Klaus Knapp © Joanna Cybon
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BERLIN-MARATHON: Einer startet allein - Klaus Knapp läuft mit seiner inkompletten Querschnittslähmung dem Rollstuhl davon ... Joanna Zybon berichtet

Was kaum einer weiß: schon zum 14. Mal startet ein einzelner Läufer vor der Spitze, weil er aufgrund seines Handicaps das Zeitlimit nicht schaffen würde.

In New York und Paris absolviert jeweils eine ganze Gruppe behinderter Läufer einen Frühstart. In Berlin ist es bislang nur einer: Klaus Knapp mit der Startnummer 605. Um 8:10 h wird die Zeitmessanlage kurz für ihn eingeschaltet.

Der Sprecher am Start begrüßt ihn wie einen alten Bekannten, auch die Polizisten sind informiert, dass ein einzelner Läufer den Großen Stern, Alt-Moabit, die Reinhardstraße ...  insgesamt etwa die ersten 10 Streckenkilometer passieren wird, bevor der Spitzenläufer und das Läuferfeld ihn überholen.

Der Grund für die Erlaubnis, so früh die Startmatte überqueren zu dürfen, ist seine Behinderung: Eine inkomplette Querschnittslähmung: Die Lähmung bremst ihn, lässt ihn von Jahr zu Jahr langsamer laufen. Ohne den Frühstart würde er nicht mehr rechtzeitig vor dem Besenwagen ins Ziel kommen. Obwohl seine Bestzeit bei 3:27 h liegt, braucht er heute für die Strecke über sieben Stunden.

„Ein 12-Stunden-Lauf ist viel leichter" sagt er. Denn beim 12-Stunden-Lauf fährt kein Besenwagen herum. Der Besenwagen ist für ihn ein zusätzlicher Stressor, der seine körperlichen Probleme verstärkt. Beim diesjährigen 12-Stunden-Lauf in Brühl hat Klaus 52 km geschafft, diese Leistung ist besser als die einiger gesunder Läufer. Weil der Brühler Lauf eine Handicap-Wertung bietet, ist Klaus jedes Jahr dabei.

Der Höhepunkt des Jahres bleibt für ihn jedoch der Berlin-Marathon. Und wie bei vielen anderen Breiten-sportlern ist der Berlin-Marathon ein „Trick" in seinem Gesundheitsmanagement: Wer den Marathon einmal im Jahr schaffen will, muss sich rund ums Jahr quälen.

Bei Klaus ist die körperliche, psychische und organisatorische Anstrengung jedoch viel größer als bei anderen.

Einfach in die Laufschuhe rein und los ... das geht nicht mehr. Weil er zum Beispiel mit seinem humpelnden Laufstil die Sohlen seiner Laufschuhe sehr schnell verschleißt und kaputt läuft, muss er die Schuhe regelmäßig mit einer Flüssigsohle präparieren. Eine Qual sind für ihn die vielen Leute, die glotzen, wenn er im Park trainiert. - Und was ist nun sein Trick?

Zu den vielen guten gesundheitlichen Laufeffekten kommt bei Klaus noch ein existentieller hinzu: Offenkundig bremst das Laufen die Lähmung ... er läuft dem Rollstuhl davon. Und das nun schon seit 22 Jahren.

Klaus ist ein BERLIN-MARATHON-Jubilee". Am 30.9.2012 wird er zum 28. Mal beim Berlin-Marathon starten.

Zum 71. Mal bei einem Marathon- oder Ultramarathon. Zum 14. Mal als Frühstarter in Berlin. Wenn es nach ihm ginge, würde er lieber in einer Gruppe starten, zusammen mit anderen Handicap-Sportlern.

Joanna Zybon