• Klaus Knapp knapp vor dem Ziel. Er ist das Gegenteil von Geoffrey Mutai: der langsamste Läufer beim 39. Berlin-Marathon, der Letzte in der Ergebnisliste. Er erzielte die zweitschlechteste Zeit, die jemals beim Berlin-Marathon gelaufen wurde.
    Klaus Knapp knapp vor dem Ziel. Er ist das Gegenteil von Geoffrey Mutai: der langsamste Läufer beim 39. Berlin-Marathon, der Letzte in der Ergebnisliste. Er erzielte die zweitschlechteste Zeit, die jemals beim Berlin-Marathon gelaufen wurde. © Joanna Cybon
  • Der Berlin-Marathon ist für ihn die Hauptmotivation, trotz vieler Schmerzen und Probleme weiter zu trainieren. Der Sinn dahinter? Nicht wie bei anderen die reine Lust am Laufen, sondern das Aufhalten der Lähmung.
    Der Berlin-Marathon ist für ihn die Hauptmotivation, trotz vieler Schmerzen und Probleme weiter zu trainieren. Der Sinn dahinter? Nicht wie bei anderen die reine Lust am Laufen, sondern das Aufhalten der Lähmung. © Joanna Cybon
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BERLIN-MARATHON 2012 - Knapp vor dem Besenwagen - Joanna Zybon berichtet

Der Berlin-Marathon ist für ihn die Hauptmotivation, trotz vieler Schmerzen und Probleme weiter zu trainieren.

Er ist das Gegenteil von Geoffrey Mutai: der langsamste Läufer beim 39. Berlin-Marathon, der Letzte in der Ergebnisliste. Er erzielte die zweitschlechteste Zeit, die jemals beim Berlin-Marathon gelaufen wurde.

Es war sein zeitlich längster und schwerster Berlin-Marathon. Klaus Knapp mit der Startnummer 605 ist dennoch glücklich und unendlich dankbar, dass er es mal wieder geschafft hat - und dass er wieder einmal früher starten durfte.

„Das ist die am härtesten erkämpfte Medaille, die ich jemals bekommen habe" sagte er nach dem Lauf, „und diesmal haben mich unterwegs noch viel mehr Menschen angefeuert als sonst."

Klaus Knapp brauchte für die Strecke 7 Stunden und 46 Minuten.

Aber als er im Ziel ankam, zeigte die Uhr 6 Stunden und 52 Minuten. Noch ein Fehler im System? - Nein, die Differenz war der Zeitvorsprung, den er vom Veranstalter genehmigt bekommen hatte. Klaus durfte fast eine Stunde vor dem „Block A" starten - und erhielt so die Chance, trotz seiner Lähmung rechtzeitig vor dem Zielschluss anzukommen.

Der Berlin-Marathon ist für ihn die Hauptmotivation, trotz vieler Schmerzen und Probleme weiter zu trainieren. Der Sinn dahinter? Nicht wie bei anderen die reine Lust am Laufen, sondern das Aufhalten der Lähmung.

Auch seine Wettervorlieben unterscheiden sich von vielen anderen Läufern.

Der letzte Marathon-Sonntag war für ihn zu sonnig und vor allem zu trocken. Klaus läuft leichter und schneller, wenn er auf nassem Asphalt rutschen kann: entlang der Wasserstände, Kudamm-Duschen oder Feuerwehrschläuche. Auf regennasser Fahrbahn würde er den Marathon insgesamt schneller laufen können. Bei trockenen Bedingungen kann er die Füße nicht richtig hochheben, tritt er eher in die Fahrbahn hinein und verliert durch den übermäßig starken Abrieb einen Teil seiner Sohlen.

Als Klaus kurz vor 16 Uhr im Ziel eintraf, bog der weiße Bus (der „Lumpensammler") gerade vor den Tribünen ab. Auf dem letzten Stück der Zielgeraden waren nur noch sehr wenige Läufer unterwegs. Aufgrund seines Zeitvorsprungs stehen diese Läufer in der Ergebnisliste nun deutlich vor ihm.

Klaus macht es nichts mehr aus, Letzter zu sein - dem Besenwagen und dem Rollstuhl ist er immerhin erfolgreich weggelaufen.

Joanna Zybon

BERLIN-MARATHON: Einer startet allein - Klaus Knapp läuft mit seiner inkompletten Querschnittslähmung dem Rollstuhl davon ... Joanna Zybon berichtet