• Melanie Kraus - die grosse Überraschung in Frankfurt
    Melanie Kraus - die grosse Überraschung in Frankfurt © Victah Sailer
  • Luminita Zaituc in Frankfurt
    Luminita Zaituc in Frankfurt © Victah Sailer
  • Ulrike Maisch in Frankfurt
    Ulrike Maisch in Frankfurt © Victah Sailer
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Sensationeller Sieg für Melanie Kraus in Frankfurt

Gehandelt wurden als potentielle Sieger die leistungsstarken Läuferinnen wie die mit der schnellsten Zeit von 2:21:31 Stunden:angereisten Svetlana Zakharova, die zweimalige Frankfurt-Gewinnerin Luminita Zaituc, die nach langer Verletzungspause wiederkehrende Europameisterin Ulrike Maisch oder die Kenianerinnen Ruth Jepkoech Kutol und Jemima Jelagat – kaum jedoch Melanie Kraus. Doch am Ende war die 33jährige Leverkusenerin die lachende Siegerin – und die Überraschung schlechthin an einem außergewöhnlichen Marathon-Feiertag in der Bankenmetropole Frankfurt. Kaum war der stimmungsvolle Aufreger mit einem glänzend präparierten Wilfred Kigen und seinem dritten Sieg in Folge in der Weltklassezeit von 2:07:58 vor gleich acht zumeist mit persönlichen Bestzeiten einlaufenden kenianischen Landsleuten in der Festhalle beim Dresdner Kleinwort Frankfurt Marathon abgeebbt, da vollzog sich auf dem letzten Streckenabschnitt von der Alten Oper zur „Gud Stubb“ auf dem Messegelände ein Drama besonderer Güte. Je mehr die favorisierte, bei Streckenhälfte noch mit gut einer Minute führenden Russin Svetlana Zakharova auf die Zähne biss, desto stärker schienen dem Schützling von Trainer Paul-Heinz Wellmann sprichwörtlich Flügel zu wachsen. „Mir kam es darauf an, den Schwung von Osaka mit nach Frankfurt zu nehmen – und das ist mir heute gelungen!“ freute sich Melanie Kraus über diesen besonderen Coup, mit dem sie selbst am wenigsten gerechnet hatte. Schließlich war sie dank eines ihres zweiten Platzes in Düsseldorf in 2:30:38 ins deutsche WM-Aufgebot für Osaka gerutscht, dort bei drückend-heißen Bedingungen als Zwanzigste in einer beeindruckenden Stabilität ins Ziel eingelaufen, um nun mit dem dritten Lauf über die 42,195 km-Distanz innerhalb von sieben Monaten eine außergewöhnlich starke Leistung abzuliefern, die höchsten Respekt verdient. Skeptisch waren viele in ihrem Umfeld, ob diese besondere Herausforderung überhaupt einen Sinn ergäbe. Auch ihr Trainer. „Mela kam relativ frisch aus Osaka zurück. Nach einer kurzen Regeneration waren die nächsten Trainingswochen so, dass sie im Bereich ihrer Bestzeit würde laufen können. Aber erst nach einer Leistungsdiagnostik haben wir uns dann für Frankfurt entschieden“, so Wellmann. „Ich konnte so locker an die Sache herangehen, weil ich in Osaka mit dem zwanzigsten Platz schon ein für mich besonderes Ergebnis gebracht hatte!“ Vielleicht war es gerade diese Lockerheit, die den Erfolg bei der 26. Auflage des Frankfurter Stadtmarathons letztlich ausgemacht hat. „Ich habe nie daran gedacht, dass ich so etwas würde schaffen können!“ Ihre Halbmarathon-Zwischenzeit von 1:14:46 verrät taktisches Geschick, denn wie auch der Männersieger Kigen lief sie die zweite Hälfte einen Tick schneller – und erfolgreich. Bester Deutscher war Daniel Pickl (LG Rupertiwinkel) in 2:23:12 Stunden. Neidlos gönnten vor allem ihre in Frankfurt präsenten Konkurrentinnen wie Luminita Zaituc, Ulrike Maisch und auch Sabrina Mockenhaupt, die in Frankfurt als Staffelläuferin zu sehen war, der sympathischen Kölnerin, die sich als Teilzeit-Apothekerin in Leverkusen beste Trainingsvoraussetzungen für den Leistungssport geschaffen hat, diesen Erfolg. „Ich gönne ihr den Sieg, denn sie hat schwierige Jahre hinter sich gebracht“, so Luminita Zaituc, die natürlich gerne nach 2001 und 2003 gerne zum dritten Male in Frankfurt gewonnen hätte. Doch einmal mehr bremsten muskuläre Probleme die Braunschweigerin ab. Auch Ulrike Maisch, die „total erleichtert“ als Sechste mit 2:32:41 Stunden, ein zufrieden stellendes Comeback geben konnte, freute sich aufrichtig mit Melanie Kraus. „Für mich ist es, als wäre ich Bestzeit gelaufen“, wertet die Leverkusenerin die 2:28:56 Stunden, die nicht nur ihre zweitschnellste Marathonzeit bedeuten, sondern auch die Normerfüllung für die Olympischen Spiele in Peking. „Das wäre ein Traum, nachdem meine drei bisherigen Anläufe in die Hose gegangen waren!“ Und denkt sicherlich an die zahlreichen Rückschläge, die immer wieder einen kontinuierlichen Saisonaufbau zunichte machten. „Diese Nackenschläge musst Du aus dem Kopf herauskriegen. Deshalb ist dies für mich abgehakt und blicke nach vorne. Ich möchte einfach den Augenblick genießen. Heute jedenfalls geht für mich eine super Saison zu Ende!“ Für ihren Coach ist Peking schon wesentlich konkreter als für Melanie Kraus selbst. „Es müsste schon viel passieren, wenn sie nicht dabei wäre....“. In Leverkusen jedenfalls sind die Reihen für das Projekt Peking 2008 längst geschlossen. Mit Sabrina Mockenhaupt wird sich nämlich eine weitere Peking-Kandidatin der Wellmann-Gruppe anschließen. Zu der übrigens auch (noch oder wieder) Sonja Oberem zählt, die sich in Frankfurt über den Überraschungscoup ihrer Laufkollegin verständlicher Weise mächtig freute: „In diesem Jahr ist bei mir einiges schief gelaufen. Aber ich lasse mich nicht unterkriegen. Für das Altenteil bin ich mit Vierunddreißig noch zu jung. Ich freue mich auf jeden Fall, wenn ich künftig mit Mocki und Mela das eine oder andere Läufchen machen kann. Ich denke, wir können alle voneinander profitieren!“ Wilfried Raatz