• Dr. Dr. med. Lutz Aderhold - Erkältungskrankheiten und Influenza
    Dr. Dr. med. Lutz Aderhold - Erkältungskrankheiten und Influenza © privat
  • Aderhold L, Weigelt S. Laufen! ... durchstarten und dabeibleiben - vom Einsteiger bis zum Ultraläufer. Stuttgart: Schattauer 2012.
    Aderhold L, Weigelt S. Laufen! ... durchstarten und dabeibleiben - vom Einsteiger bis zum Ultraläufer. Stuttgart: Schattauer 2012. © ©Schattauer Verlag
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Erkältungskrankheiten und Influenza - Dr. Dr. med. Lutz Aderhold

Das klassische Hausmittel gegen Fieber über 39 Grad C sind Wadenwickel. Eine ähnliche Wirkung haben Kaltabwaschungen.

Atemwegsinfekte stellen die häufigste Ursache für Trainings- und Wettkampfausfälle für den Läufer dar (Aderhold und Weigelt 2012).

Ausgelöst werden Erkältungen hauptsächlich durch Adeno- und Rhinoviren, die durch Tröpfcheninfektion übertragen werden. Kälte ist zwar nicht die Ursache, kann aber begünstigend wirken, da die Schleimhäute dann schlechter durchblutet und anfälliger für ein Eindringen der Viren sind. Dabei ist die Vielzahl der verschiedenen Viren dafür verantwortlich, dass wir uns nach einer überstandenen Erkältungskrankheit sofort wieder infizieren können.

Letztendlich hängt es von der Potenz des Immunsystems ab, ob der Virenangriff abgewehrt werden kann. Da wir uns im Herbst und Winter mehr in geschlossenen Räumen aufhalten, die häufig auch noch schlecht gelüftet und überwärmt sind, treten diese Infektionen vermehrt auf. Die eigentliche Therapie gegen eine Erkältung gibt es nicht. Husten-, Halsschmerz- und Schnupfenmittel wirken nicht ursächlich sondern lindern nur die Symptome.

Meist kommt es innerhalb weniger Tage nach dem Eindringen der Viren zu einem Anschwellen der Schleimhäute mit Halsschmerzen. Das Schlucken fällt schwer, meist ist der Appetit reduziert. Hinzu kommt ein Schnupfen mit reichlich Sekret, die Nasenschleimhäute schwellen an und erschweren die Nasenatmung. Außerdem tritt ein Reizhusten auf, der Schleim aus den Bronchien transportiert. Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen und Fieber können hinzukommen. Normalerweise ist der Höhepunkt der Infektion nach 5-7 Tagen überwunden und die Erholung setzt ein. Es kann aber auch zu einer bakteriellen Superinfektion der Nebenhöhlen, der Rachenmandeln und des Mittelohrs kommen. Dann ist der Besuch eines Arztes angeraten.

Eine Erkältung ist keine Grippe, die ebenfalls mit Tröpfcheninfektion aber durch Influenzaviren hervorgerufen wird. Die Infektion verläuft rasant und die Erholung dauert deutlich länger (häufig 3 Wochen). Wer eine Grippe hat, gehört für mindestens eine Woche ins Bett. Gefürchtete Komplikationen sind Herzmuskel-, Lungen- und Gehirnentzündung. Selbst für Mediziner ist es schwer, zwischen Grippe und Erkältung zu unterscheiden, weil die Symptome ähnlich sind. Typisch für eine Grippe ist, dass sie häufig epidemieartig auftritt.

Wie schnell eine Erkältungskrankheit überwunden wird, hängt vom Immunsystem ab. Einen Arzt sollte man aufsuchen, wenn:

-          ein Schnupfen länger als 10 Tage dauert,

-          das Fieber über 39 Grad Celsius steigt,

-          Schmerzen hinter Stirn und Wangenknochen auftreten,

-          wenn es zu Ohrenschmerzen und Ausfluss aus dem Ohr kommt,

-          der Husten stark ist und die Kopfschmerzen anhalten,

-          die Rachenmandeln geschwollen und eitrige Beläge aufweisen,

-          der Husten grünen oder gelbem Auswurf produziert,

-          die Lymphknoten am Hals stark geschwollen sind.

Therapie

Pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka) sind zur Behandlung von Erkältungskrankheiten prädestiniert. Sie lindern nicht nur die Symptome, sondern sie unterstützen den mukoziliären Reinigungsmechanismus des oberen Atemtraktes, fördern die Funktion der Schleimhäute (da sie besser durchblutet werden), stimulieren den unspezifischen Abwehrmechanismus, fördern die Sekretverflüssigung, wirken entzündungshemmend und erweitern die Bronchien.

Schnupfen wird durch Medikamente nicht schneller geheilt, nur die Symptome werden gemildert. Gut bewährt sind Hausmittel wie Spülungen sowie Sprays mit Salzlösungen und Inhalationen. Dadurch werden die Schleimhäute befeuchtet und der Schleim löst sich besser. Bei einer verstopften Nase kann man sich asiatisches Tigerbalm oder japanisches Heilpflanzenöl unter die Nase reiben.

Sie sollten viel trinken - z.B. Wasser und Kräutertees (Salbei, Kamille) -, insbesondere wenn Sie stark schwitzen. Nasentropfen mit Sympathomimetika (Nasivin, Olynth u.a.) sollten nur eine Woche verwendet werden, weil es durch Gewöhnung zu einer chronisch verstopften, ständig trockenen Nase kommen kann (Medikamentenschnupfen). Bei Rachen-, Kehlkopf- und Mandelentzündung ist körperliche Schonung angesagt, eventuell auch ein paar Tage Bettruhe. Alles was die Schleimhäute reizt, wie zu heiße und zu kalte Getränke oder stark gewürzte Speisen, sollte gemieden werden. Salzhaltige Inhalationslösungen und warme Halswickel lindern die Schmerzen. Es sollte viel getrunken werden, z.B. Wasser und Kräutertees (Salbei, Kamille). Salzhaltige Inhalationslösungen und warme Halswickel lindern die Schmerzen. Angenehm sind auch Salbeibonbons, die den Speichelfluss anregen.

In den ersten Tagen der Erkältung ist der Husten meist ein trockener Reizhusten. Mit der Entzündung der Bronchien kommt es dann zu einer Sekretbildung und einem Abhusten von wässrigem oder hellgelbem Sekret. Die Hustenmittel (Antitussiva) blockieren oder dämpfen den Hustenreiz. Zentral wirkende Hustenstiller (Codein, Dihydrocodein) sind rezeptpflichtig und sollten nur bei einem schweren und quälenden Husten eingesetzt werden.

Pflanzenpräparate aus Eibisch, Isländisch Moos, Spitzwegerich und Thymian beruhigen den Hustenreiz bzw. wirken krampflösend. Beim Reizhusten sind auch Mittel mit Dextromethorphan zu empfehlen. Beim produktiven Husten sind schleimlösende Mittel (Expektorantien) angezeigt: Ambroxol und Acetylcystein. Ätherische Öle wie Eukalyptus, Myrtol und Thymian führen zu einer Aktivierung der Schleimproduktion. Dazu sollte man mindestens zweieinhalb Liter Wasser oder Kräutertee (Thymian, Spitzwegerich, Eibisch, Kamille, Holunderblüten) trinken.

Bewährt haben sich auch die speziellen Erkältungstees. Die Schleimlösung wird auch durch Inhalationen mit Wasserdampf und eine ausreichende Luftfeuchte in den Räumen gefördert. Ein weiteres altes Hausmittel, heiße Milch mit Honig, wird vor dem Schlafen zum Schleimlösen und Hustenreistillen verabreicht. Schonung, genügend Schlaf, frische Luft durch regelmäßiges Lüften und eine vitaminreiche Kost unterstützen das Immunsystem. 

Die häufig angepriesenen Kombinationsmittel sind meist wenig ratsam. Besser ist es, die Krankheitszeichen einzeln zu behandeln. Gegen Fieber und Gliederschmerzen wirken die Substanzen Paracetamol, Acetylsalicylsäure und Ibuprofen. Fiebersenkende Mittel sollten aber nur dann gegeben werden, wenn sich der Patient sehr schlecht fühlt. Fieber hindert die Erreger an der Vermehrung, fördert die Durchblutung und beschleunigt den Stoffwechsel und die Abwehr. Eine Schwitzkur sollte Sie möglichst gleich zu Beginn einer Erkältung durchführen. Dazu bereiten Sie  einen Teeaufguss aus schweißtreibenden Drogen (z.B. Lindenblütentee mit 2 Teelöffel Melissengeist und zwei Teelöffel Honig), trinken ihn heiß, hüllen sich anschließend in warme Decken und legen sich hin. Ergänzend haben sich auch homöopathische Mittel bewährt (z.B. Gripp-Heel®).

Vernünftig sind auch Erkältungsbäder und vor allem für Kinder die Balsame zum Einreiben auf Brust und Rücken. Die ätherischen Öle fördern die Durchblutung, wirken krampf- und schleimlösend und verbessern das Durchatmen. Ätherische Öle werden nicht von allen vertragen, insbesondere Allergiker können empfindlich reagieren. Ein Erkältungsbad sollte 10 - 20 min dauern, bei einer Temperatur von 35 bis 38 Grad C. Im Fieberstadium sollten Sie keinesfalls baden.

Das klassische Hausmittel gegen Fieber über 39 Grad C sind Wadenwickel. Eine ähnliche Wirkung haben Kaltabwaschungen. Ein Brustwickel ist bei Husten schleimlösend und hustenlindernd. Der Halswickel hilft bei Heiserkeit und starken.

Eine Nebenhöhlenentzündung gehört in ärztliche Behandlung. Die optimale Therapiestrategie ist die Kombination von Nasenspülungen, die Inhalation von ätherischem Kamillenöl und die systemische Behandlung mit Sinupret®, gegebenenfalls im Wechsel mit GeloMyrtol®. Der Arzt entscheidet, ob zusätzlich ein Antibiotikum erforderlich ist. Bewährt hat sich alternativ auch Umckaloabo®.

Wenn es im Hals kratzt und das Schlucken schmerzt, bringt Gurgeln mit Salbei- oder Kamillentee Linderung. Fröstelt man, wärmt ein Ingwertee und bringt den Stoffwechsel in Schwung. Bei kalten Füßen und beginnender Erkältung hilft ein ansteigendes Fußbad mit Kochsalz.

Hat der Arzt den berechtigten Verdacht, dass es sich um eine echte Grippe (Infuenza) handelt, kann innerhalb der ersten 48 Stunden durch die Gabe eines Neuraminidase-Hemmers (Oseltamivir, Zanamivir) die Ausbreitung der Viren gehemmt und die Erkrankung abgekürzt werden. Die Mittel können allerdings zu Übelkeit, Erbrechen und Magenschmerzen führen. Der Behandlungserfolg ist umso besser, je früher mit der Therapie begonnen wird. Neuraminidase-Hemmer können auch prophylaktisch nach Kontakt mit Erkrankten eingesetzt werden.

Vorbeugung

Eine Schutzimpfung gegen die Influenzaviren (Grippe) ist besonders bei älteren Menschen und  einem geschwächten Immunsystem ratsam. Leistungssportlern und ambitionierten Breitensportlern kann die Impfung ebenfalls empfohlen werden. Da der Impfstoff in jedem Jahr angepasst wird, ist die Impfung jeweils im Herbst erforderlich.

Ernährung und Lebensstil beeinflussen das Immunsystem. Gesundes Essen mit fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag (five a day), ausreichend Schlaf, wenig Dauerstress, Sonne und Bewegung an der frischen Luft sind gute Voraussetzungen für ein starkes Immunsystem. Ein bewährtes Hausmittel ist die warme Hühnersuppe, die den Körper mit reichlich Zink versorgt.

Bei einer Infektion ist die zusätzliche Gabe von Vitamin C durchaus sinnvoll, da der Körper dann größere Mengen braucht. Daneben beugt das Saunieren Infekten vor. Auch Wasseranwendungen nach Kneipp und Nasenspülungen bzw. Salzsprays tragen zur Abhärtung des Organismus bei. Für die immer beliebter werdende Einnahme von Immunstimulantien als vorbeugende Maßnahme gibt es keinen ausreichenden Wirkungsnachweis. Die am meisten verwendeten Echinacea-Prärarate bringen am Anfang einer Erkältung eingenommen bestenfalls eine Erleichterung.

Immunstimulantien sollten auf keinen Fall kontinuierlich sondern immer nur kurmäßig eingenommen werden. Der Wert dieser Präparate ist umstritten. Eine weitere prophylaktische Maßnahme ist auch die Ölziehkur mit Sonnenblumenöl.

Dr. Dr. med. Lutz Aderhold

Literatur:

Aderhold L, Weigelt S. Laufen! ... durchstarten und dabeibleiben - vom Einsteiger bis zum Ultraläufer. Stuttgart: Schattauer 2012.

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Das Buch von Aderhold/Weigelt:

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