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Kommentiert: Sport nur zweite Wahl - Bianka Schreiber-Rietig - DOSB

Wie wichtig ist Schulsport? Was für eine Frage! In der technisierten und motorisierten Welt, in der Couch Potatoes vor dem Fernseher herumlungern, Computer nur noch zur Bewegung mit der Maus animieren und Kinder von Mama oder Papa durch die Gegend gefahren werden, ist für viele Schüler und Schülerinnen das Fach Sport die einzige Bewegungszeit in ihrem Alltag. Doch nach wie vor ist das Unterrichtsfach Sport zweite Wahl bei vielen Eltern, aber auch in den Schulen und vor allem bei Politikern. Seit Jahrzehnten sind Kopf-ächer wie Mathematik oder Sprachen die „wichtigen Fächer“. Das unterstrichen die bayerischen CSU-Landtagsabgeordneten, die einen Antrag der SPD ablehnten, das Fach Sport als versetzungsrelevantes Fach aufzuwerten. Denn Bayern ist eines der wenigen Bundesländer, in denen Sport noch nicht gleichberechtigt neben anderen Unterrichtsfächern steht. Begründet wurde die Ablehnung damit, dass man mit einem weiteren „Vorrückungsfach“ den Leistungsdruck auf die Kinder erhöhen würde. Wegen Sport sitzen bleiben? Was ist das denn? Diese Begründung ist interessant, weil man sich nun fragt: Wie stellen sich Politiker eigentlich Schulsport heute vor? Erwarten sie, dass Jungen und Mädchen da zu Hochleistungssportlern mit der Keule getrimmt werden? Erinnern sie sich an eigene leidige Erfahrungen, wo sie am verhassten Barren „uncool“ wie ein nasser Sack hingen? Natürlich gibt es unter Sportlehrerinnen und Sportlehrern noch immer Leistungsfetischisten, die ehrgeizig ihre eigenen Ziele verfolgen und so ihren pädagogischen Auftrag und ihr Fach gänzlich missverstehen. Und auch in der Sportlehrerausbildung lässt noch immer vieles zu wünschen übrig. Denn: Nicht jedes Kind ist ein Bewegungstalent, schafft es wegen seiner kör-perlichen Voraussetzungen nicht, sich eine Kletterstange hoch zu hangeln oder ist nicht so mutig, Salti über den Kasten zu schlagen. Moderner Schulsport sollte heute in erster Linie Bewegungserziehung sein, Körpergefühl vermitteln und auch den weniger sportlichen Jungen und Mädchen ermöglichen, viele Sportarten kennen zu lernen, um vielleicht für sich eine geeignete Betätigung zu finden. Spaß, Motivation und kleine persönliche Erfolge im Schulsport können der Grundstein für lebenslanges Bewegen sein. Unter dem Gesundheitsaspekt ist Schulsport also ein nicht zu verachtender Kostensparfaktor. Über den Sportunterricht werden heute viele erreicht - vor allem Jugendliche –, die sich ansonsten in der Schule verweigern. Die Bereitschaft mitzumachen, die eigene Leistungsfähigkeit zu testen, sich teamfähig zu erweisen und Regeln einzuhalten, sind Kriterien, die dort abverlangt werden. Oft ist Sportunterricht nahezu das einzige Fach, wo auf Fair play im Schulleben geachtet und von den Schülern auch akzeptiert und eingehalten wird. Sind das also keine Gründe für eines der vermeintlich bildungspolitischen Elite-Länder, Sport mit anderen Fächern gleichzustellen? Es gab einmal einen bayerischen Ministerpräsidenten mit humanistischer Bildung, der in seiner Jugend ein begeisterter Radsportler gewesen sein soll. Der bemühte nicht selten das Zitat: „Mens sana in corpore sano.“ Schade, dass sich die politischen Erben diesmal nicht auf FJS berufen.... Setzen, sechs! Quelle: www.dosb.de Bianka Schreiber-Rietig