• Die Leichtathletik und Ihre Bedeutung in Deutschland - Die Leichtathletik gewinnt immer mehr an Bedeutungslosigkeit und die Verantwortlichen in den Verbänden schauen zu!
    Die Leichtathletik und Ihre Bedeutung in Deutschland - Die Leichtathletik gewinnt immer mehr an Bedeutungslosigkeit und die Verantwortlichen in den Verbänden schauen zu! © Victah Sailer
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Die Leichtathletik und Ihre Bedeutung in Deutschland - Die Leichtathletik gewinnt immer mehr an Bedeutungslosigkeit und die Verantwortlichen in den Verbänden schauen zu!

Spätestens bei Olympia 2020wird man sehen, wo die deutsche Leichtathletik noch zu finden ist.

Bereits in den 90er Jahren forderten führende Köpfe im Deutschen Leichtathletik-Verband dringend notwendige Strukturreformen im Verband. Geschehen ist seit dem so gut wie nichts. Der ehemalige Präsident dieses Verbandes Helmut Digel ist seit Jahren ein engagierter Mitstreiter zur Rettung der olympischen Kernsportart Leichtathletik.

Gerade erst wurde ein Interview mit Ihm veröffentlicht, wo er wiederum mahnte: „Als besonders kritisch sind das rückläufige Interesse der Jugendlichen an der Leichtathletik, die gefährliche Sportstättenentwicklung, der gravierende Trainermangel und die überbürokratische Verwaltung und Organisation. Für jedes dieser Probleme bedarf es spezifische Lösungswege.“

Ich selbst habe bereits vor 10 Jahren in vielen Gesprächen mit Verbandsfunktionären und Trainern auf die gesellschaftspolitischen Veränderungen in den kommenden Jahren und einer daraus resultierenden dringenden Gegenreaktion aufmerksam machen wollen. „Wir haben nicht nur ein Athletenproblem, denn immer weniger Jugendliche ab dem 18. Lebensjahr sind bereit und in der Lage, den Leistungssport konsequent auszuführen –  wir haben auch ein (Heim-) Trainerproblem, da es engagierte und gut ausgebildete Trainer für den qualitativ hochwertigen Leistungssport immer weniger gibt, die sich ehrenamtlich oder gegen ein sehr geringes Entgelt 4-6x pro Woche für 3-4 Stunden täglich in die Halle oder auf den Sportplatz stellen.“ 

Hinzu kommt die mangelnde Medienpräsenz auf allen Ebenen. Weniger geht fast nicht, denn Leichtathletik im Fernsehen ist so gut wie ausgestorben, ausgenommen die int. Meisterschaften.

Wenn begeistert davon gesprochen wird, dass eine deutsche Hallen- oder Freiluftmeisterschaft ausverkauft ist, dann freut sich der Veranstalter und vielleicht noch der Fan, die Medien berichten deshalb nicht mehr als einen minimalen Zusammenschnitt, der oftmals noch einmal gekürzt wird, da andere Trendsportarten vorgehen.

Nicht nur, aber auch deshalb ziehen sich immer mehr Sponsoren von der Leichtathletik zurück, was für den Leistungssport fatal ist. Dass es auch anders geht, zeigt eine am Wochenende 2x wiederkehrende Medienpräsenz zwischen Januar und März im Bereich „Wintersport“. Da zeigt man  stundenlang Skispringen, Bobfahren, Skeleton, Eisschnelllauf usw. und die großen Sponsoren und Werbeträger sind immer dabei, weil ja die öffentlich rechtlichen Medien so großzügig senden.

Im Sommer braucht man das ja nicht, da hat man ja Fußball und Formel 1, wo man als lebende Litfaßsäule die Sponsoren begeistert.

Seit Jahren wird von verschiedenen Seiten darauf hingewiesen, dass die Leichtathletik medientauglicher werden muss, stattdessen veranstaltet man „German Meetings, EAA Meetings, Diamond League“, die kaum Beachtung finden. Sich einmal Gedanken über eine z. B. europäische Liga zu machen, wo die acht stärksten Nationen 2x monatlich mit den jeweils drei stärksten Athleten je Disziplin und Nation gegeneinander antreten und in einem Punktesystem man auf und absteigen kann, wäre eventuell einmal angebracht.

Das bedeutet aber Team – Arbeit, was einige Sportverbände verstanden haben und entsprechend davon profitieren. In der Leichtathletik, wo man sich 17 Landesfürsten mit Stab leistet (bei immer weniger förderwilligen Athleten) und ein nationaler Verband vorsteht, der lieber die internationalen Qualifikationsnormen soweit herauf schraubt, dass manche Disziplinen überhaupt nicht oder nur mit einer Person besetzt sind, ist eine Reform so gut wie aussichtslos.

Anstatt alle Disziplinen mit den drei besten Athletinnen und Athleten (DM-Qualifikation) bei internationalen Meisterschaften zu belegen und somit ein mediales wie auch Fan orientiertes Ereignis zu präsentieren, muss man sich bei den Kommentatoren die negative Berichterstattung anhören „leider ohne deutsche Beteiligung“. Ob das Fans und Medien lieber wollen, erscheint mir mehr als zweifelhaft.

Damals wie jetzt wird konstruktive Kritik zur Kenntnis genommen, grundlegende und richtungsweisende Reaktionen gab es aber so gut wie nie.

Es ist ein Kampf gegen Windmühlen, denn Ignoranz, Inkompetenz und Desinteresse hat bei den Verantwortlichen dazu beigetragen, den seit langem dringend erforderlichen Strukturwandel konsequent und ohne Ausnahmen von Ansehen und Personen anzugehen. Der Zeitpunkt hierfür ist längst überschritten, denn man wird spätestens bei Olympia 2020 sehen, wo die deutsche Leichtathletik noch zu finden ist.

Schade, denn die einstmalige Olympische Kernsportart verschwindet in die Bedeutungslosigkeit, wenn nicht doch noch ein Wunder geschieht – aber mit wem?

Quelle: ASICS Team Wendelstein e.V.

ASICS Team Wendelstein