• Dr. Dr. med. Lutz Aderhold - Myokarditis (Herzmuskelentzündung) - auf Warnsignale achten!
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Myokarditis (Herzmuskelentzündung) - auf Warnsignale achten! Dr. Dr. med. Lutz Aderhold

Schwere körperliche Belastungen während eines viralen Infekts unterlassen.

Die Myokarditis ist eine entzündliche Erkrankung des Herzmuskels. Wenn auch eine Vielzahl der Myokarditiden ohne Beschwerden verlaufen, kann sie aber auch Auslöser lebensbedrohlicher Herzrhythmusstörungen sein und zum plötzlichen Herztod führen.

Die Myokarditis wird hauptsächlich durch Viren ausgelöst. Weitere Ursachen sind Bakterien, Protozoen, Parasiten und Pilze. Es gibt auch toxische Formen, die z.B. durch Alkohol oder Medikamente ausgelöst werden. Im Rahmen von Autoimmunerkrankungen (rheumatische Krankheiten, Sarkoidose, Lupus erythematodes, Sklerodermie, Vaskulitiden) kann es ebenfalls zu einer Mitbeteiligung des Myokards kommen. Auch physikalische Noxen, Impfungen (Windpocken und Diphterie/Tetanus) und Allergien sind als Ursachen bekannt. Ein erhöhtes Risiko besteht bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem.

Eine Myokarditis kann vollkommen unbemerkt bleiben, weil die Symptome nur gering ausgeprägt sind. Müdigkeit und Leistungsminderung lassen nicht unbedingt an eine Herzmuskelentzündung denken. Anfänglich verlaufen die Myokarditiden häufig mit uncharakteristischen Beschwerden, so dass die Symptome als Folge des Infekts und nicht als kardial bedingt eingestuft werden. Bei den akuten Krankheitsbildern kommt es meist durch infektiöse Erreger (in den westlichen Industrieländern in erster Linie Viren) zu einer Entzündung der Herzmuskulatur mit folgender Funktionsstörung.

Hinweise auf eine Myokarditis können

-        Schmerzen im Brustkorb,

-        Atemnot,  

-        Herzrhythmusstörungen und

-        Wasseransammlungen (Ödeme) in der Lunge und im Gewebe sein (Herzinsuffizienz).                                 

Unspezifischer sind Fieber, Schwäche, Abgeschlagenheit und leichte Erschöpfbarkeit.

Bei der Diagnostik zeigen sich im EKG häufig Herzrhythmusstörungen. Echokardiographisch (Ultraschall) können eine diastolische Dysfunktion und auch ein Rerikarderguss festgestellt werden. Die Blutuntersuchung ergibt unspezifische Entzündungszeichen und erhöhte Herzenzyme. Die Kernspinuntersuchung gilt inzwischen als Standard mit hoher Sensitivität und Spezifität.

Die Diagnose ist nicht immer einfach zu stellen, die Myokarditis ist ein diagnostisches Chamäleon. Aufgrund der uncharakteristischen Symptomatik und der damit nicht unterscheidbaren Ursachen der Myokarditis ist eine therapierelevante Diagnose oft nur mit einer Myokardbiopsie möglich (Kühl und Schultheis 2012). Ein positiver Behandlungseffekt ist nur dann zu erwarten, wenn behandelbare Ursachen (z.B. Virusinfektion) vorliegen und die Herzmuskulatur noch regeneratives Potenzial besitzt.

In den meisten Fällen heilt die Myokarditis spontan ab und es bleiben keine Symptome zurück. Sie kann aber auch innerhalb kürzester Zeit zum plötzlichen Herztod führen. Bei einem Drittel der Patienten entwickelt sich innerhalb von Monaten oder Jahren eine chronische Herzinsuffizienz oder dilatative Kardiomyopathie. In der Akutphase steht die strikte körperliche Schonung im Vordergrund. Diese Phase kann Wochen und sogar Monate dauern.

Die Herzinsuffizienz und Rhythmusstörungen müssen meist medikamentös behandelt werden. Eine spezifische Behandlung kann nach den Ergebnissen der Herzmuskelbiopsie erfolgen. Bisher gibt es allerdings keine Therapierichtlinien der Fachgesellschaften.

Es gibt Hinweise, dass körperliche Anstrengung wie Sport während eines Infektes die Wahrscheinlichkeit einer Myokarditis erhöht. Deshalb sollte man schwere körperliche Belastungen während eines viralen Infekts unterlassen.

Anschließend ist ein stufenweiser Leistungsaufbau erforderlich. Leistungssportler sind anfälliger für Infekte, denn das Immunsystem ist gerade in Phasen starker Trainingsbelastung geschwächt (Aderhold und Weigelt 2012).

Da die Symptome der Myokarditis oftmals sehr unspezifisch sind, müssen Athlet, Trainer und betreuender Arzt besonders wachsam sein, wenn Schmerzen im Brustkorb, Atemnot bei Belastung sowie Veränderungen des Ruhepulses oder des Blutdrucks und subfebrile Temperaturen nach einem Infekt auftreten.

Dr. Dr. med. Lutz Aderhold

Literatur:

  

Aderhold L, Weigelt S. Laufen! ... durchstarten und dabeibleiben - vom Einsteiger bis zum Ultraläufer. Stuttgart: Schattauer 2012.

Kühl U, Schultheiss HP. Myokarditis. Frühzeitige Biopsie ermöglicht differenzierte regenerative Therapie. Dtsch Arztebl 2012; 109: (20): 361-8.

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