• Susanne Hahn: „Auf meine Routine gesetzt!
    Susanne Hahn: „Auf meine Routine gesetzt!" - Wilfried Raatz sprach kurz nach dem Zieleinlauf in Freiburg bei dere Halbmarathon-DM mit Susanne Hahn. Vom DLV bin ich sehr enttäuscht, schließlich bin ich international seit 2006 für Deutschland gelaufen. © Victah Sailer
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Susanne Hahn: „Auf meine Routine gesetzt!" - Wilfried Raatz sprach kurz nach dem Zieleinlauf in Freiburg bei der Halbmarathon-DM mit Susanne Hahn.

Vom DLV bin ich sehr enttäuscht, schließlich bin ich international seit 2006 für Deutschland gelaufen.

Bei den Deutschen Halbmarathonmeisterschaften im Rahmen des Freiburg-Marathons setzte sich acht Monate nach der Geburt ihres zweiten Kindes mit Susanne Hahn (SV Schlau.com Saar 05 Saarbrücken) die routinierteste Läuferin der Spitzengruppe nach 1:14:29 Stunden und einem knappen Zieleinlauf gegen Katharina Heinig (LG Eintracht Frankfurt) und Veronica Clio Pohl (TSG Heilbronn) durch und gewann bei ihrem DM-Comeback auf Anhieb einen weiteren Titel in ihrer langen Karriere.

Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn der Deutschen Halbmarathonmeisterschaft. Es ist sicherlich ein tolles Gefühl, nach der Geburt Ihres zweiten Sohnes mit einem Titelgewinn zurückzukommen!

Susanne Hahn: Ja, schon. Besser konnte ich mir das Comeback natürlich nicht vorstellen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass ich im Mittel nur einen Wochenschnitt von 69 Kilometern habe, während die anderen vielleicht einhundert oder einhundertfünfzig Kilometer mehr laufen. Den Titel widme ich natürlich Benjamin. Vor zwei Wochen habe ich abgestillt und konnte natürlich von dieser Warte aus schon etwas geregelter trainieren. Es ist natürlich schon eine besondere Genugtuung, nach dem Rauswurf aus dem Kader nun direkt wieder eine Meisterschaft zu gewinnen!

Ist es nicht von daher erstaunlich, dass Sie in dieser eher ausgeglichenen Spitzengruppe weitgehend für das Tempo gesorgt haben?

Susanne Hahn: Wir sind alle mit viel Druck gelaufen. Ab und zu habe ich schon gedacht, die lassen nun überhaupt nicht locker! Als dann wieder so eine Phase war, konnte ich mich eigentlich damit trösten, dass ich wenigstens die W 35-Klasse gewinnen würde. Auf der anderen Seite hatte ich ja nichts zu verlieren. Ich wusste nur eines: Du willst möglichst schnell ins Ziel kommen!  

Katharina Heinig hat berichtet, dass Sie vor allem nach 14 oder 15 km immer wieder auf das Tempo gedrückt haben. War dieses Bestandteil ihrer Taktik?

Susanne Hahn: Da ich nicht die allerbeste Spurterin bin, musste ich das Tempo unterwegs natürlich hoch halten. Ich war natürlich auch dankbar, dass die anderen auch einmal die Führungsarbeit übernommen haben. Ich war mir natürlich nicht sicher, ob meine Grundlage ausreichen würde, um das alles durchzustehen. Ich habe vor allem aber auf meine Routine gesetzt. 

Vor 14 Jahren haben Sie bereits in Freiburg die U 23-Wertung der Halbmarathonmeisterschaften gewinnen können. War der einer der Hauptgründe, noch einmal nach Freiburg zurückzukehren?

Susanne Hahn: Zunächst wollte ich natürlich wieder eine DM mitlaufen. Seit 1994 bin ich nämlich schon dabei, damals im Cross und auf der Bahn. Da ich für den Cross inzwischen zu langsam bin, blieb jetzt eigentlich nur noch die Halbmarathondistanz. Nach 2008 ist dies nun auch mein zweiter Titel auf dieser Strecke.  

Sie sind die erste deutsche Meisterin über die Halbmarathondistanz, die in einen Stadtmarathon integriert ist. Wie beurteilen Sie die Qualität dieser Meisterschaftsform?

Susanne Hahn: Am Start müssen die Veranstalter natürlich noch dazu lernen. Wir haben press gestanden und kaum Luft bekommen. Bei einem Stadtmarathon ist natürlich die Atmosphäre eine andere. Die Stimmung war gut. Und das ist für alle diejenigen wichtig und eine große Motivation, für die diese Meisterschaft der Saisonhöhepunkt ist. Die Strecke selbst hat sehr viele Kurven und geht ständig bergauf und bergab. Es ist eigentlich keine schnelle Strecke.

Lassen Sie uns einen Blick voraus werfen! Ist für Sie als Marathonläuferin mit jeweils zwei Starts bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften die Marathondistanz auch wieder ein Thema?

Susanne Hahn: Es ist schön, bei einer deutschen Meisterschaft oben stehen zu können. Mit zwei Kindern verschieben sich natürlich die Akzente, jetzt ist Laufen für mich eher Freizeitvergnügen. Wenn du mit 69 Wochenkilometer dann auch noch Meisterin wirst, dann hast du alles richtig gemacht! Für einen ordentlichen Marathon musst du natürlich anders trainieren. Ausschließen möchte ich dies natürlich nicht völlig. Aber deshalb kann ich mir eher einen schnellen Halbmarathon und dazu einige 10 km-Läufe vorstellen. Aber eher in der näheren Umgebung.

Vom DLV bin ich sehr enttäuscht, schließlich bin ich international seit 2006 für Deutschland gelaufen. 2013 wurde ich wegen Nicht-Normerbringung aus dem Kader gestrichen und mit einem lapidaren Schreiben darüber informiert. Ich hätte mir eher hier eine ruhende Kadermitgliedschaft vorgestellt. Andere sind auch nach der Schwangerschaft wiedergekommen...

Welchen Stellenwert hat für Sie nach inzwischen über zwanzig Jahren Leistungssport das Laufen?

Susanne Hahn: Für mich bedeutet dieses Freizeit. Wenn ich morgens um 7.00 Uhr zum Laufen gehe, dann finde ich etwas Ruhe. Mein Prinzip ist natürlich jetzt: schnell und effektiv zu trainieren. Ich suche mir die Wettkämpfe in der Nähe, denn Trainingslager oder weite Wettkampffahrten kann ich nicht einplanen. Schließlich möchte ich auch mehr Zeit mit der Familie verbringen.  

Wilfried Raatz