• Dr. Dr. med. Lutz Aderhold - Gegenanzeigen für Lauftraining und Wettkämpfe
    Dr. Dr. med. Lutz Aderhold - Gegenanzeigen für Lauftraining und Wettkämpfe © privat
  • Aderhold L, Weigelt S. Laufen! … durchstarten und dabeibleiben – vom Einsteiger bis zum Ultraläufer. Stuttgart: Schattauer 2012.
    Aderhold L, Weigelt S. Laufen! … durchstarten und dabeibleiben – vom Einsteiger bis zum Ultraläufer. Stuttgart: Schattauer 2012. © Schattauer Verlag
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Gegenanzeigen für Lauftraining und Wettkämpfe - Dr. Dr. med. Lutz Aderhold

Absolutes Sportverbot bei Fieber, geschwollenen Lymphknoten, Hals- und Gliederschmerzen

Als Gegenanzeigen für ein Lauftraining und Wettkämpfe sind zu nennen (modifiziert nach Kleinmann 1996):

-  Schwere Allgemeinerkrankungen z.B. schwerer Bluthochdruck

-  Herzmuskelschwäche in Ruhe und bei geringster Belastung

-  Schwere Verengung der Herzkranzgefäße mit Angina pectoris in Ruhe

-  Schwere Herzrhythmusstörungen und Herzklappenfehler

-  Fieberhafte Infektionserkrankungen

-  Schlecht eingestellter Diabetes mellitus

-  Schwere Hormonstörungen z.B. der Schilddrüse und der Nebennierenrinde

-  Frischer Herzinfarkt oder Schlaganfall

-  Schwere Elektrolytstörungen

Im Zweifelsfall sollte man immer Rücksprache mit dem Hausarzt bzw. dem behandelnden Arzt nehmen. Einschränkungen für Training und Wettkampf ergeben sich weiterhin bei Infekten, nach Impfungen und Blutspenden.

Viele Menschen stehen heute beruflich, privat und auch sportlich unter einem starken Druck, so dass selbst kleine Infektionen als Katastrophe angesehen werden. Was ist zu tun, wenn eine Erkältung „dazwischenkommt“? Um jedes Risiko zu vermeiden, müsste jeder gewissenhafte Arzt von jeder körperlicher Belastung bei den kleinsten Zeichen einer Infektion abraten. Die statistische Wahrscheinlichkeit, dass sich aus einem Schnupfen eine Myokarditis (Herzmuskelentzündung) entwickelt, ist gering, wenn auch nicht 0. Die Wahrscheinlichkeit steigt aber wesentlich, wenn Fieber und Gliederschmerzen hinzukommen.

Bei einer fieberhaften, grippalen Erkrankung sollte eine Trainingspause von mindestens einer Woche eingelegt werden. Nach einer schweren Grippe (Influenza) muss eine längere Sportpause erfolgen (Aderhold und Weigelt 2012).    

Die wichtigsten Regeln, die Sie bei einer Infektion beherzigen sollten:

-   Gönnen Sie ihrem Körper die nötige Ruhe zur Erholung und sorgen Sie für ausreichend Schlaf.

-        Bei Schnupfen sind ruhige Dauerläufe erlaubt.

-  Absolutes Sportverbot bei Fieber, geschwollenen Lymphknoten, Hals- und Gliederschmerzen

-     Leichtes Training ist frühestens einige Tage nach Abklingen der Symptome erlaubt.

-  Intensives Training und Wettkampf sind frühestens zwei Wochen nach Infektausheilung gut für den Körper.

-        Bei Einnahme von Antibiotika sollten Sie erst 3 Tage nach Absetzen des Mittels mit lockerem Training beginnen.

Der ambitionierte Läufer benötigt je Krankheitstag einen Tag, um wieder den alten Leistungsstand zu erreichen.

Impfungen

Zu den präventiven Maßnahmen gehören auch Impfungen, die gegen das Auftreten von schwerwiegenden Infektionskrankheiten schützen sollen. Es gibt bisher keine Hinweise, dass Sportler ein höheres Risiko für Infektionskrankheiten haben, denen durch Impfung vorgebeugt werden kann. Sportler sollten aber grundsätzlich einen Impfstatus entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) aufweisen (www.rki.de). Auch die jährliche Grippeimpfung ist zu empfehlen.

Die Grippeschutzimpfung wird in ihrer Wirksamkeit häufig unter- und in ihren Risiken überschätzt.

Neben dem Problem eines längeren Trainingsausfalls besteht durch Influenzaviren auch das Risiko einer myokardialen Beteiligung mit schwerwiegenden Folgen. Es bietet sich an, bei den Vorsorgeuntersuchungen, den Impfstatus zu überprüfen und notwendige Impfungen vorzunehmen.

Verträglichkeit von Impfungen

Bei Sporttreibenden stellt sich immer wieder die Frage, wie sich Impfungen und körperliche Belastung beeinflussen. Bei allen Impfungen, insbesondere den aktiven Immunisierungen (Impfung mit abgeschwächten Erregern), ist das Immunsystem gefordert, um eine entsprechende Abwehr (Antikörper) aufzubauen. Um die Impfwirkung (Bildung spezifischer Antikörper) nicht einzuschränken, sollte die körperliche Belastung das individuelle gewohnte Maß nicht überschreiten.

Grundsätzlich sollten Sie sich nicht bei akuten Infekten impfen lassen. Bei bestehenden Grunderkrankungen sowie Schwangerschaft und Stillzeit ist ein individuelles Vorgehen notwendig. Da das Immunsystem nach einem anstrengenden Wettkampf geschwächt ist („open window“), ist eine Impfung zu diesem Zeitpunkt ebenfalls nicht ratsam. Nach 7-10 Tagen ist das Impfen bei ausreichender Erholung problemlos möglich. Auch in der direkten Wettkampfvorbereitung (4 Wochen) sind Impfungen nicht angebracht.

Nach einer Impfung sollte Sie 1 – 2 Wochen kein intensives Training durchführen und nicht an Wettkämpfen teilnehmen. Eine generelle Sportpause ist nicht erforderlich. Nebenwirkungen durch eine Impfung sind zwar selten, aber nicht ausgeschlossen. Sollte es zu Impfreaktionen wie Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gelenkschmerzen kommen, ist Sporttreiben tabu, Ruhe und Schonung ist angezeigt. Ist dann der „Infekt“ abgeklungen, kann wieder mit dem Training begonnen werden. Idealerweise sollten Impfungen in die Übergangsperiode oder die allgemeine Vorbereitungsperiode gelegt werden (Furian 2000, Furian und Rolirad 2009). 

Blutspende 

Bei einer Blutspende verliert man nicht nur die roten Blutkörperchen als Sauerstoffträger, sondern auch Eiweiße und Flüssigkeit. Der Körper ist normalerweise in der Lage, die Flüssigkeit und auch Eiweiße relativ kurzfristig wieder zu ersetzen. Sie sollten zeitnah zu einer Blutspende an eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr denken. Bis der Körper die roten Blutkörperchen (Sauerstoffträger) ersetzt hat, dauert es länger, ca. 3-4 Wochen. Eine ausgewogene Ernährung (Eisen!) unterstützt die Blutbildung.

Die Leistungsfähigkeit ist nach der Blutspende eingeschränkt und muss beim Trainings- und Wettkampfplan  berücksichtigt werden (Dellweg et al. 2008). In den letzten 2-3 Monaten vor einem geplanten Marathon- oder Ultrawettkampf sollte deshalb besser auf eine Blutspende verzichtet werden.

Auch nach dem langen Wettkampf sollten Sie erst 4 Wochen später Blut spenden, um dem Körper genügend Zeit zur Erholung zu geben. Nach der Blutspende ist es angeraten, 2 Tage mit dem Training auszusetzen und dann moderat zu beginnen. Ohne große Ambitionen ist nach einer Woche  ein 10-km-Wettkampf, nach 2 Wochen ein Halbmarathon- und nach 4 Wochen ein Marathonlauf möglich.

Da Wettkämpfe eine längere Vorbereitungszeit benötigen, können Sie den Blutspendetermin entsprechend einplanen. Die genannten Einschränkungen sollten aber auch Ausdauersportler nicht vom Blutspenden abhalten, denn Blut kann Leben retten.

Dr. Dr. med. Lutz Aderhold

Literatur:

Aderhold L, Weigelt S. Laufen! … durchstarten und dabeibleiben – vom Einsteiger bis zum Ultraläufer. Stuttgart: Schattauer 2012.

Dellweg D, Siemon K, Mahler F, Appelhans P, Klauke M, Köhler D. Spiroergometrische Leistungsdiagnostik vor und nach Blutspende. Pneumologie 2008; 62: 372-7.

Furian TC. Impfen und Leistungssport. Dtsch Z Sportmed 2000; 51:211-2.

Furian TC, Rolirad KD. Impfungen und körperliche Aktivität. Dtsch Z Sportmed 2009; 60: 406-10.

Kleinmann D. Laufen. Sportmedizinische Grundlagen. Trainingslehre und Risikoprophylaxe. Stuttgart: Schattauer 1996.

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