• Erhöhte Gebühren: Die Teilnehmer von Veranstaltungen wie beim Laubenheimer Polderlauf könnten ab 2016 für ihren Start tiefer in die Tasche greifen müssen.
    Erhöhte Gebühren: Die Teilnehmer von Veranstaltungen wie beim Laubenheimer Polderlauf könnten ab 2016 für ihren Start tiefer in die Tasche greifen müssen. © Magdeburg Marathon
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Kritik am „Ein-Euro-Beschluss" - DLV-Entscheidungen belastet kleine Vereine und deren Laufveranstaltungen - David Weber in der Allgemeinen Zeitung

Der TV Laubenheim aber müsste ab 2016 eine Etatlücke schließen. „Dann machen wir den Polderlauf nicht mehr, fertig aus", sagt der TV-Vorsitzende Alfred Allebrand. „Ich bin es leid. Jeder kommt und will abkassieren". Die Lösung aus DLV-Sicht: erhöhte Startgebühren.

MAINZ - Laufen wird teurer. Nicht im Wald und auf den Feldern, da bleibt es kostenlos. Aber wer bei den Volksläufen an den Start gehen und sich im Wettkampf messen will, darf sich ab 2016 auf eine Erhöhung der Startgebühren gefasst machen.

Der Deutsche Leichtathletik Verband (DLV) hat beschlossen, dass jeder Veranstalter für jeden Zieleinläufer einen Euro an den Verband zu berappen hat. Die Kosten müssen nicht an die Starter weitergegeben werden. Ein besserer Vorschlag steht jedoch noch aus.

Am Beschluss des Verbandsrats regt sich bundesweit Kritik. „Das kann uns nicht glücklich machen", sagt auch Günter Beck, Sportdezernent der Stadt Mainz. Dass der DLV an großen Veranstaltungen partizipieren will, die relevant für Bestenlisten und Normen sind, sei noch nachvollziehbar.

„Aber wir müssen die kleinen Vereine mit ihren Läufen unterstützen", so Beck, „das ehrenamtliche Engagement wird mit dieser Regelung zerstört". Auch beim Gutenberg-Marathon entstehe eine Mehrbelastung im mittleren vierstelligen Bereich. „Und wir wollen die Startgebühren nicht erhöhen, das wäre ein falsches Signal".

In Mainz wurden bisher 25 Cent pro „Finisher" fällig, der Laubenheimer Polderlauf etwa hatte nur eine Genehmigungsgebühr von 15 Euro zu entrichten. Künftig käme man auf 400 bis 500 Euro. 60 Prozent vom sogenannten „Finisher-Euro" gehen an den DLV, 40 Prozent an den Landesverband. Die Verordnung stützt sich auf ein Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf zu Triathlon-Veranstaltungen.

Im Mainzer Rathaus bezweifelt man die Rechtmäßigkeit der Übertragung. Die Erhöhung im Triathlon sei moderat und nach Veranstaltungsgröße gestaffelt, „der DLV hingegen schaltet alles gleich und erhöht teilweise um 400 Prozent", kritisiert Beck.

Befreit von den Gebühren sind nur „karitative Läufe nach Absprache" und U 18-Starter. Der Benefizlauf der TGM Gonsenheim oder der Hechtsheimer Frühlingslauf könnten somit nicht betroffen sein.

Der TV Laubenheim aber müsste ab 2016 eine Etatlücke schließen. „Dann machen wir den Polderlauf nicht mehr, fertig aus", sagt der TV-Vorsitzende Alfred Allebrand. „Ich bin es leid. Jeder kommt und will abkassieren". Die Lösung aus DLV-Sicht: erhöhte Startgebühren.

„Wenn wir weitermachen wollen, müssten wir es so machen", sagt Allebrand. „Aber wenn es zu teuer wird, kommen die Leute nicht mehr".

Dieter Ebert vom Sportamt vermutet, dass es der DLV eigentlich auf die Firmenläufe abgesehen hat. Das klingt auch in den Stellungnahmen des Verbandes durch. Ziel des Beschlusses sei, „kommerzielle Veranstalter von Läufen, die von der über 50-jährigen Entwicklungsarbeit des Volks- und Straßenlaufs in Deutschland durch Verbandsarbeit und dem Regelwerk profitieren, sich aber bisher dem Solidarsystem der Verbände nicht angeschlossen haben, zu integrieren".

Ebert hält dem entgegen, dass sich der DLV jahrelang nicht für den Laufsport interessiert habe, jetzt aber den Boom für sich nutzen wolle.

Für Sportdezernent Beck handelt es sich nicht um eine Gebühr, sondern um eine „willkürliche Abgabe". Beck bemängelt, dass die Verwendung der Einnahmen nicht festgelegt sei. „Was letztlich gefördert wird, werden wir transparent kommunizieren", heißt es beim DLV. Und: „Alle Einnahmen des Verbandes sind ausschließlich innerhalb der satzungsgebundenen Aufgaben zur Förderung der Leichtathletik zu verwenden".

David Weber in der Allgemeinen Zeitung - Rhein Main Presse vom Donnerstg, dem 4.12.2014

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