• 9. Knastmarathon in Darmstadt am 31. Mai 2015 - Schwitzen statt Sitzen beim Darmstädter Knastmarathon
    9. Knastmarathon in Darmstadt am 31. Mai 2015 - Schwitzen statt Sitzen beim Darmstädter Knastmarathon © Peter Büttner - JVA Darmstadt
  • Auf der Strecke des Knastmarathon der JVA Darmstadt
    Auf der Strecke des Knastmarathon der JVA Darmstadt © Peter Büttner - JVA Darmstadt
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    Knastmarathon in Darmstadt - vor dem Start © Peter Büttner - JVA Darmstadt
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    Verpflegungsmarathon © Peter Büttner - JVA Darmstadt
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9. Knastmarathon in Darmstadt am 31. Mai 2015 - Schwitzen statt Sitzen beim Darmstädter Knastmarathon - JoAnna Zybon berichtet

Nun haben 180 Externe am Sonntag die Chance mit 30 Internen läuferisch und menschlich zu interagieren. Und zumindest die unsichtbaren Mauern abzubauen.

Schon zum neunten Mal richtet die JVA Darmstadt am Sonntag Deutschlands einzigen und mittlerweile legendären Knastmarathon aus. Erwartet werden 30 Häftlinge aus sechs Justizvollzugsanstalten und 180 externe Läufer/innen.

Online-Petition "Stoppt die DLV-Laufmaut"

Für die Gefangenen der gastgebenden JVA begann die Vorbereitung auf das Marathonprojekt bereits am 15. November des Vorjahres mit einer Infoveranstaltung: Die Interessierten erfuhren zunächst theoretisch, was auf sie zukommt.

Drei Tage später begann das Training.

Die „Faszination Marathon“ klingt für Menschen, die innerhalb von Gefängnismauern leben müssen, oft noch verlockender als für freie Bürger. Denn das Vermögen die 42,195 km läuferisch an einem Stück zu bewältigen schenkt denjenigen, die sich darauf adäquat vorbereiten, etwas sehr Kostbares: die „innere Freiheit“.

Das Problem: Während des sechsmonatigen Trainings fühlte die erforderliche Disziplin sich für einige Inhaftierte eher als Unfreiheit an. Sie schafften es nicht den Trainingsplan einzuhalten. So ist es ein großer Erfolg, dass von den anfänglich 23 Marathon-Kandidaten der JVA Darmstadt am Sonntag neun an den Start gehen können.

Als letzten gemeinsamen Testlauf haben sie einen 30er absolviert. Zu der hochprofessionellen Vorbereitung gehörten u.a. auch Lauftechniktraining, Gymnastik, Laufstilanalyse per Video, Lauf-ABC, Schlingentraining für Körperstabilität, weitere Stabi-Übungen und Energiestoffwechseltests mit „Aeroscan“.

Verantwortlich für diese Professionalität ist vor allem der Justizvollzugsbeamte, Übungsleiter und Lauftherapeut Peter Büttner (49).

Für seine „Knackis“ engagierte er nicht nur den bekannten Marathon-Trainer Dieter Bremer als Unterstützung und Motivator, sondern auch die Lauftherapeuten Rabea und Andy von der Laufbasis Allgäu, die zweimal den Energiestoffwechseltest durchführten und den Fitness-Fortschritt dokumentierten.

Peter Büttner ist seit 1987 Justizvollzugsbeamter. 2012/2013 absolvierte er die Aus-und Weiterbildung am Deutschen Lauftherapiezentrum bei Professor Alexander Weber in Bad Lippspringe.

Die ursprüngliche Idee einen Knastmarathon hinter Gittern durchzuführen hatte Peter gemeinsam mit zwei JVA-Kollegen: Gerhard Wydra und Daniel Fritz. Als diese drei Initiatoren 2007 gegen viele Widerstände den ersten Knastmarathon organisierten und durchführten war dies eine Sensation. Es ist immer noch eine, nur haben sich mittlerweile alle längst daran gewöhnt.  

„Wir Macher sind älter, sind müder geworden – haben aber noch nicht genug, das Projekt hat sich noch nicht tot gelaufen“, so Peter Büttner ein paar Tage vor dem Rennen. Trotz der subjektiven Müdigkeit ist die Veranstaltung wie immer perfekt organisiert. Der Sonntag kann kommen!

„Den Läufern bieten wir alles was ein richtiger Marathon hat: eine amtlich vermessene Strecke, Medaillen, Urkunden, personifizierte Funktionsshirts, Samba-Band, Stadionsprecher, Strecken-, Vor- und Nachverpflegung, Duschen und Umkleideräume“.

Was die anderen Marathons nicht haben: hohe triste Gefängnismauern, Gitter, Schleusen, Einlässe, Bewacher und strenge Sicherheitskontrollen an der Pforte. Doch gerade diese Knastatmosphäre verbunden mit einer perfekten Marathon-Organisation lockt jedes Jahr eine dreistellige Zahl von externen Läufern an. Für einige von ihnen ist der Darmstädter Knastmarathon längst ein Kult -Lauf geworden.

Auch beim diesjährigen Rennen waren die Startplätze für Interessierte von „Draußen“ bereits im Dezember vergeben. Nun haben 180 Externe am Sonntag die Chance mit 30 Internen läuferisch und menschlich zu interagieren. Und zumindest die unsichtbaren Mauern abzubauen.

Die 1,758 km lange Runde lässt sich gut zum Kontaktknüpfen nutzen, denn sie schlängelt sich so durchs Anstaltsgelände, dass viele Begegnungen und menschliche Manöver möglich sind. 24 mal wird die Runde absolviert, bevor alle Läufer, egal ob Knacki oder Externer, mit einer Mischung aus Schmerz-und Glücksgefühlen das Ziel erreichen:

Die innere Freiheit!

JoAnna Zybon

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