• Konstanze Klosterhalfen
    Konstanze Klosterhalfen © Victah Sailer
  • Alina Reh
    Alina Reh © Victah Sailer
  • Die Bilanz des Augenblicks ist eher dem
    Die Bilanz des Augenblicks ist eher dem "Durchmarsch" der U20-Girls zuzuschreiben, die mit Konstanze Klosterhalfen und dem Mannschaftsgold als Produkt einer erstaunlichen Dominanz mit gleich vier Läuferinnen unter den Top 10 drei von vier Medaillen der Bilanz einfahren konnten. © Victah Sailer
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    Knowles-Klosterhalften-Reh © Victah Sailer
  • Amanal Petros
    Amanal Petros © Victah Sailer
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Deutschland - eine Crossnation? Angesichts der kaum erwarteten Medaillenflut bei den Cross-Europameisterschaften in Hyères ist Deutschland dennoch keine Crossnation behauptet Wilfried Raatz

Selbst Insider der deutschen Laufszene mögen sich vielleicht etwas verwundert die Augen reiben, wenn sie sich die Medaillenbilanz der 22. Cross-Europameisterschaften in Toulon-Hyères (Frankreich) anschauen.

Keineswegs verwunderlich, sondern system- und menatlitätsbedingt ist Großbritannien neben dem Berglauf auch im Querfeldeinlaufen Europas führende Nation. Mit 3 Gold-, 4 Silber und 2 Bronzemedaillen führt das britische Team diesen Medaillenspiegel vor Spanien an, die es auf jeweils zwei Medaillen in jeder Metallkategorie gebracht haben.

Auf Rang drei rangiert dann allerdings schon Deutschland mit jeweils 2 Gold- und Bronzemedaillen vor den bislang weitaus erfolgreicheren Nationen Frankreich und Italien, die nur jeweils eine Goldmedaille in die Gesamtwertung einbringen können.

Deutschland eine Crossnation? Mitnichten!

Die Bilanz des Augenblicks ist eher dem "Durchmarsch" der U20-Girls zuzuschreiben, die mit Konstanze Klosterhalfen und dem Mannschaftsgold als Produkt einer erstaunlichen Dominanz mit gleich vier Läuferinnen unter den Top 10 drei von vier Medaillen der Bilanz einfahren konnten.

Die vierte Medaille holte der gebürtige Äthiopier Amanal Petros in seinem ersten Start für Deutschland als U23-Dritter.

Deutschland ist keine Crossnation.

Während in unseren Nachbarländern Niederlande, Belgien, Frankreich und Italien im Wochentakt nicht nur ein interessantes Rennen querbeet ansteht, sind die überregionalen Events hierzulande mit der Lupe zu suchen. Hier der 31 Auflagen alte Darmstadt-Cross als Flagschiff, zudem der aus dem Stand heraus etablierte Crosslauf in Pforzheim, dort vielleicht noch Crossläufe in München und Ingolstadt - das war es allerdings auch schon.

Regionalmeisterschaften bringen zumindest in der Masse noch ordentliche Felder zustande, ansonsten ist in Sachen Cross "tote Hose" angesagt. Der immer wieder einmal mit etwas Luft angereicherte Deutsche Cross-Cup ist ein müdes Vehikel ohne Sprit, ein fast aussichtsloses Bemühen einer weniger Crossgetreuen.

Zwar schaut die gesamte Welt auf Deutschland mit einer unglaublichen Dichte an Straßen- und vor allem Marathonläufen. Doch im Winter scheint sich der deutsche Läufer eher dem Müßiggang hinzugeben und Winterspeck anzusetzen als bei Wind und Wetter vor allem querbeet zu laufen und damit die Trainingskomponenten Kraftausdauer, Tempohärte, Wendig- und Geschicklichkeit zu schulen.

Bei unseren Nachbarn ist die Öffentlichkeit elektrisiert, Print- und elektronische Medien eingeschlossen, wenn am Wochenende Cross-Country-Läufe anstehen. Es wäre zu wünschen, dass es vielleicht nur eines Anlasses bedarf, damit ein gewisses Umdenken beginnen kann.

Wie wäre es, wenn der Anlass die Namen der fünf jungen, attraktiven und vor allem sehr schnellen Damen mit Konstanze, Alina, Sarah, Franziska und Anna trägt?

Wilfried Raatz