• Fordern schnellere und bessere Entscheidungen vom DLV: (v.l.) Winfried Aufenanger, Nikolaj Dorka, Rosi Siebel, Werner Wirth, Peter Siebel und Werner Grommisch vom „Verein zur Förderung des deutschen Straßenlaufs“.
    Fordern schnellere und bessere Entscheidungen vom DLV: (v.l.) Winfried Aufenanger, Nikolaj Dorka, Rosi Siebel, Werner Wirth, Peter Siebel und Werner Grommisch vom „Verein zur Förderung des deutschen Straßenlaufs“. © Michael Bald /Sportagentur Bald
  • | ORGANISATION

„Terminplanung für Deutsche Meisterschaften ist ein Skandal“ - „Verein zur Förderung des deutschen Straßenlaufs“ übt scharfe Kritik am DLV

Kassel. Viel Gesprächsstoff gab es bei der Jahreshauptversammlung des „Vereins zur Förderung des deutschen Straßenlaufs e. V.“ in Kassel.

Der Förderverein setzt sich seit vielen Jahren intensiv für die Belange der deutschen Läufer ein, unterstützt Athleten und setzt sich mit aktuellen Entwicklungen auseinander. Und diese, so unterstrich der erste Vorsitzende Winfried Aufenanger, sind aus Sicht des Vereins zurzeit in vielerlei Hinsicht nicht sehr positiv.

Vor allem die unbefriedigende Terminplanung für die nationalen Meisterschaften seitens des Deutschen Leichtathletik-Verbandes sind dem Förderverein ein Dorn im Auge.

„Bis zum heutigen Tage gibt es weder einen Termin noch einen Veranstaltungsort für die Durchführung der Deutschen Meisterschaften Marathon, Halbmarathon und 10 km Straße. Der Verband ist nicht in der Lage, hier schneller und frühzeitig Klarheit zu schaffen“, sagt Aufenanger. „Hiervon betroffen sind alle ambitionierten Athleten und auch ein Großteil von Seniorinnen und Senioren, immerhin ein nicht unwesentlicher Anteil von Mitgliedern des DLV“, so Aufenanger weiter. 

Für den Förderverein ist dies ein „Skandal und ein Affront gegenüber diesen Mitgliedern im DLV“.

Heftig kritisiert werden außerdem die vom DOSB geforderten Qualifikationsnormen für die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016. Winfried Aufenanger: „Der DOSB fordert diese Werte und begründet sie mit der allgemeinen Vergleichbarkeit zu anderen Disziplinen der Leichtathletik und Sportarten. Vorgeschlagen werden ihm diese Werte allerdings vom Fachverband, der aus unserer Sicht nicht in der Lage ist, die Besonderheit und Spezifität dieser Ausdauerdisziplin in all ihren Facetten nachvollziehbar darzulegen.“

In seiner Hilflosigkeit, betont der Förderverein, verstecke sich der Fachverband hinter statistischen Daten, deren Belastbarkeit aufgrund der jüngsten Dopingvorwürfe speziell unter anderem in Richtung Kenia und anderer Ausdauerverbänden doch vehement in Zweifel gezogen werden können.

„Wir fordern hier alle Entscheidungsträger auf, sich der Situation zu stellen und die Normwerte neu zu überdenken und im Sinne der jungen Athletinnen und Athleten anzupassen. Die augenblicklichen Werte sind eine Ohrfeige für die Motivation der Sportlerinnen und Sportler“, so das Statement des Förderverein-Vorstandes.

Als Erfolg bezeichnete der Verein die Reduzierung der Anhebung der so genannten „Laufmaut“. Hier war unter anderem aufgrund zahlreicher Aktionen der Veranstaltergemeinschaft German Road Races eine Gebühr von  0,50 Euro pro Erwachsenen-Finisher statt der vom DLV geforderten 1,00 Euro erreicht worden.

Auch in diesem Jahr wird der „Verein zur Förderung des Deutschen Straßenlaufs“ wieder ambitionierte Athleten unterstützen. Wie im Vorjahr erhält Marcel Bräutigam (Rennsteiglaufverein) einen Förderbertrag. Bräutigam hat sich positiv entwickelt, unter anderem mit der neuen persönlichen Bestleistung (2:17:05, Platz fünf Jahresbestenliste 2015).

Für die kommende Saison hat der Thüringer sogar eine gute Chance, sich für die Europameisterschaft in Amsterdam zu qualifizieren, da es hier erstmals auch im Halbmarathon eine Einzel- und Teamwertung gibt. Mit der Förderung von Ybekal Daniel Berye (PSV Grün-Weiß Kassel) setzt der Verein ein Zeichen in der Asyl- und Flüchtlingsdebatte. Ybekal, Fünfter der Deutschen Marathon-Meisterschaft 2015 und Dritter 2014, hat sich mit seiner neuen Bestmarke in Berlin (2:16:45) in die deutsche Spitze katapultiert und will diese Leistung 2016 weiter steigern.

In Kassel hat der in Äthiopien geborene Protagonist des preisgekrönten Dokumentarfilms „Der Langstreckenläufer“ sich in den letzten Jahren konstant nach vorne gearbeitet und ist ein gutes Beispiel dafür, wie  Integration über den Sport funktioniert.

Auf der Jahreshauptversammlung wurde Vorsitzender Winfried Aufenanger (Ahnatal) wiedergewählt. Als Stellvertreter wählten die Mitglieder Peter Siebel (Hilchenbach) und Werner Grommisch (Essen), der auch weiterhin Schriftführer ist. Winfried Wirth (Mülheim) fungiert weiter als Schatzmeister, Rosi Siebel (Hilchenbach) als erste Beisitzerin.

Michael Küppers