• Katherine Switzer beim 121. Boston Marathon 2017
    Katherine Switzer beim 121. Boston Marathon 2017 © Victah Sailer
  • Katherine Switzer
    Katherine Switzer © Victah Sailer
  • Die berühmten Bilder als der Race Director Jock Semple sie 1967 entdeckte
    Die berühmten Bilder als der Race Director Jock Semple sie 1967 entdeckte © Sportmuseum Berlin - MARATHONEUM
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    Katherine Switzer © AVON
  • Katherine Switzer (in schwarz) beim Berliner Frauenlauf
    Katherine Switzer (in schwarz) beim Berliner Frauenlauf © Horst Milde
  • Katherine Switzer und Horst Milde 1984 im Berlin Tiergarten
    Katherine Switzer und Horst Milde 1984 im Berlin Tiergarten © Bildarchiv Heinrich von der Becke im Sportmuseum Berlin.
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Das Recht zu laufen - Als erste Frau rannte Kathrine Switzer am 19. April 1967 offiziell den Boston Marathon

Am 17. Februar 1986 begann unter dem Slogan "Frauen laufen in Berlin" in allen Berliner Bezirken (West) ein Frauenlauftraining

Es war heute vor fünfzig Jahren, der 19. April 1967, als die Amerikanerin Katherine Switzer beim Boston-Marathon am Start stand. „Ich wollte eigentlich hübsch und sexy aussehen und in Top und Shorts rennen. Aber wer weiß, vielleicht wäre an einem sonnigen Tag alles schon am Start aufgeflogen“, sagt sie heute - schreibt Friedhard Teuffel am 12. Mai 2007 im Berliner TAGESSPIEGEL.

"Sie trug einen Jogginganzug und hatte sich eine Wollmütze über den Kopf gezogen, um sich gegen Schnee und Kälte zu schützen. „Ich sah von weitem aus wie ein Junge“, erzählt sie. Das war ihre Starterlaubnis, denn die 20 Jahre alte Englisch- und Journalismus-Studentin hatte etwas vor, was Frauen verboten war: Einen Marathon laufen.

Marathon sei zu anstrengend für Frauen, hieß es damals, das wollte Switzer einfach nicht akzeptieren. Angemeldet hatte sie sich nur unter ihren Initialen K. V. Switzer, Kathrine Virginia. So kam sie als erste Frau an eine Startnummer beim Marathon. Sie hatte sich zusammen mit zwei Freunden angemeldet, sodaß es nicht auffiel, als die drei Startnummern abgeholt wurden.

Im Jahr zuvor war bereits eine Frau (Roberta Gibb) mitgerannt, bis zum Start hatte sie sich im Gebüsch versteckt und war dann im Feld untergetaucht. Switzer sagt: „Im Grunde wollte ich nur meinem Trainer vom Universitätssportteam beweisen, dass ich es schaffen kann.“ Nach 42,195 Kilometern war sie jedoch zur Botschafterin des Frauenlaufens geworden.

Der Marathon von 1967 ist legendär. Er geriet zum Straßenkampf. Nach zwei Kilometern stürzte auf einmal der Ko-Renndirektor Jock Semple auf Switzer zu. Was er ihr zubrüllte, hat Switzer auch 40 Jahre danach nicht vergessen: „Get the hell out of my race and give me that number!“ – Verschwinde verdammt noch mal aus meinem Rennen und gib mir die Startnummer! (das war die Nummer 261).

Die Startnummer von Boston 1967 von Katherine Switzer "261" ist inzwischen ein Synonym für das Frauenlaufen geworden, mit einem eigenen Lauf auf Mallorca.

Switzer lief jedoch in starker Begleitung. Ihr damaliger Freund Thomas Miller, ein Footballspieler von 115 Kilogramm, reagierte sofort. Er schubste Semple mit Wucht weg. „Es war eigentlich ziemlich dumm von Semple. Denn ich lief direkt hinter dem Pressebus. Die Fotografen hielten alles fest, und die Bilder gingen um die Welt. Ich muss Semple also heute dankbar sein“, sagt Switzer.

Sie setzte ihren Weg in Boston fort – wütend und mit vielen Fragen. „Warum wollte mich Semple rausholen, und warum sind keine anderen Frauen hier? Und warum bin ausgerechnet ich hier?“ Auf den folgenden 40 Kilometern fand sie einige Antworten. Etwa die, dass sie wohl mehr Glück hatte als andere Frauen: „Meine Eltern haben mich schon früh zum Laufen ermutigt. Ich hatte auch genügend Courage, mich gegen Widerstände durchzusetzen. Meine Freundinnen haben behauptet: Vom Laufen bekommst du dicke Beine und einen Bart.“ Doch Laufen wurde ihr Sport. „Ich habe mich einfach besser gefühlt als bei irgendetwas sonst.“ so Friedhard Teuffel.

Am Streckenrand hat sie alle möglichen Reaktionen erfahren. Manche Zuschauer sahen ihr nur ungläubig nach, Frauen riefen: „Lauf weiter, du tust es für uns alle.“ Ein Mann schrie sie an: „Geh zurück in die Küche und zu deinen Kindern!“ Auf der Strecke spürte sie auf einmal, dass sie nicht mehr für sich alleine lief: „Ich wusste, wenn ich das Rennen nicht beenden würde, würden alle sagen: Frauen können es nicht, sie sind zu schwach, zu zerbrechlich. Es war wirklich merkwürdig, weil mich alle männlichen Läufer um mich herum unterstützt haben.“

Aus ihrem Marathon wurde ein Lebenslauf. Als Kathrine Switzer nach vier Stunden und zwanzig Minuten ankam (Roberta Gibb lief in diesem Rennen "inoffiziell" 3:27.17), hatte sie zwei neue Ziele: „Ich wollte eine bessere Athletin werden. Und ich wollte Frauen die Möglichkeiten zum Laufen eröffnen. Es war großartig: Ich war 20 Jahre alt und hatte schon einen Lebensplan.“ Für ihr erstes Ziel ließ sie sich nur wenig Zeit, sie trainierte hart und gewann 1974, als Frauen mitlaufen durften, den New-York-Marathon. Beim Boston-Marathon 1975 stellte sie ihre persönliche Bestzeit auf: Zwei Stunden, 51 Minuten" so Friedhard Teuffel im TAGESSPIEGEL

Katherine Switzer, heute 70 Jahre alt, ist zur Botschafterin des Frauenlaufes weltweit geworden und eine Ikone des internationalen Laufsports. Sie brachte die Entwicklung des Frauenlaufes voran, bei AVON war sie jahrelang als Direktorin für die Organisation von Frauenläufen auf der ganzen Welt erfolgreich tätig.

Auch der Berliner Frauenlauf über 10 Kilometer im Berliner Tiergarten entstand mit ihrer Hilfe und wurde am 31. Mai 1984 zum ersten Mal durchgeführt (Siegerin Charlotte Teske (Darmstadt) in 33:27.0 vor Christa Vahlensieck (Barmen in 33:37.0). Katherine Switzer besuchte Berlin mehrfach, stellte ihre Bücher vor.

Sie lief beim 30. Jubiläum des Berliner Frauenlaufes mit, besuchte den BERLIN-MARATHON und war auch Gast beim Sportmuseum Berlin - MARATHONEUM - im Olympiapark zusammen mit ihrem Mann Roger Robinson. Hier konnte sie die Geschichte ihres Laufes beim Boston Marathon von 1967 in Bildern in der Ausstellung betrachten.

Am vergangenen Sonntag lief sie mit beim 121. Boston Marathon und wurde entsprechend von den Organisatoren und den Fans gefeiert.

Horst Milde

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