• Titelverteidigerin Shuko Genemo, Meseret Mengistu und Nancy Kiprop
    Titelverteidigerin Shuko Genemo, Meseret Mengistu und Nancy Kiprop © VCM / Victah Sailer
  • Leila, Liina und Lily Luik heute beim Mediengespräch im Austria Trend Hotel Park Royal Palace
    Leila, Liina und Lily Luik heute beim Mediengespräch im Austria Trend Hotel Park Royal Palace © VCM / Victah Sailer
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Duell mit Rekord-Dynamik am Sonntag - Das Frauenrennen beim Wien Marathon 2017 verspricht viel Spannung

Drei äthiopische Siege hat es in der 33-jährigen Geschichte des Vienna City Marathon bei den Damen gegeben. Zwei durch Fate Tola, die mittlerweile deutsche Staatsbürgerin ist, und einen durch Shuko Genemo im Vorjahr.

Dass am kommenden Sonntag ein vierter Sieg für Äthiopien dazu kommt, ist gut möglich. Denn das diesjährige Elitefeld wird von den Äthiopierinnen Meseret Mengistu und Shuko Genemo angeführt. Eine rein äthiopische Angelegenheit sollte es dennoch nicht werden, denn das Elitefeld ist stark besetzt.

Rebecca Chesire (2:25:22) und Nancy Kiprop (2:25:13) aus Kenia werden das äthiopische Spitzenduo fordern können. Dazu sorgen die starke Debütantin Angela Tanui mit Halbmarathonbestmarke von 67:16 Minuten, Helalia Johannes aus Namibia (2:26:09) und Roza Dereje aus Äthiopien (2:26:18) für Hochspannung.

Premiere in Weiß für die Vorjahressiegerin

Als Shuko Genemo in Addis Abeba den Flieger Richtung Europa bestieg, hatte sie beste Erinnerung an Wien im Gepäck. Trotz schwieriger Bedingungen im Vorjahr lief sie ein grandioses Rennen, das sie in der zweitschnellsten Siegerzeit der Eventgeschichte von 2:24:31 Stunden gewann. Als sich die erst 21 Jahre alte Marathonläuferin im Landeanflug auf Wien-Schwechat befand, durchkreuzte ein Schrecken ihre gute Erinnerungen an die Bundeshauptstadt, wie sie bei der Pressekonferenz erzählte. Bisher hat die junge Äthiopierin in ihrem Leben noch nie Schnee gesehen. Diese weiße Premiere hinterließ unübersehbar Eindruck.

Die Angst vor Schneefall am Sonntag kann ihr genommen werden.

Den Wind fürchtet sie nicht, nachdem ihr im letzten Jahr trotz starken Windes ihr bisher schnellster Marathon glückte. „Auch wenn der Wind noch stärker sein sollte, bleibt es mein großes Ziel, eine schnellere Zeit zu laufen als im Vorjahr“, erklärte die Titelverteidigerin und drückte ihre Freude darüber aus, wieder beim Vienna City Marathon am Start sein zu dürfen. Bei ihrem ersten Marathon im laufenden Kalenderjahr, in Dubai, wo sie eine Zeit von 2:28:16 Stunden erzielte, spürte sie Schmerzen im Bein, die die Leistungsfähigkeit reduzierten. Beim Marathon am Sonntag sollten diese Beschwerden laut eigener Aussage keine Probleme mehr darstellen.

Mengistu fordert Titelverteidigerin

Die größte Herausforderin der Vorjahressiegerin ist wohl ihre Landsfrau Meseret Mengistu, die 2015 beim Paris Marathon ihren größten Erfolg gefeiert hat. Damals siegte sie in ihrer noch gültigen persönlichen Bestleistung von 2:23:26 Stunden, mit der sie die Zeitenliste beim Vienna City Marathon 2017 anführt. In den vergangenen Jahren lieferte die 27-Jährige konstante Leistungen ab und feierte zu Jahresbeginn im chinesischen Xiamen, traditionell der erste wichtige Marathon eines Jahres, einen weiteren Sieg in 2:25:58 Stunden. „Ich habe mich auf den Xiamen Marathon sehr gut vorbereiten können, daher war dieses tolle Ergebnis keine Überraschung“, erzählte sie in Wien.

Die Vorbereitung auf den Vienna City Marathon verlief aufgrund von Beschwerden im Fuß nicht nach Plan. Daher gab sich die Äthiopierin bedeckt mit einer sportlichen Vorschau für Sonntag: „Die Leistung aus Xiamen wird schwer zu übertreffen, ich werde es aber versuchen.“ Bezüglich ihrer physischen Verfassung gab sie Entwarnung: „Ich werde am Sonntag topfit an der Startlinie stehen.“

Mit Spannung erwartetes Debüt

Sollte bei den beiden favorisierten Äthiopierinnen am Sonntag nicht alles nach Plan laufen, könnten zwei schnelle Kenianerinnen in die Bresche springen. Mit großer Spannung erwartet wird der Auftritt der 24-jährigen Angela Tanui, die in Wien ihren ersten Marathon läuft. Eine Reihe schneller Halbmarathonläufe, darunter jener von Rom nach Ostia im März in einer Zeit von 1:07:43 Stunden, zeugen aber von ihrem Talent und lassen Einiges erhoffen.

Bei der Pressekonferenz konnte sie nicht teilnehmen, da sich ihre Anreise aufgrund einer Flugverspätung verzögerte. Laut Aussage von Athleten-Koordinator Mark Milde hat sich Tanui gewissenhaft auf ihre Marathon-Premiere vorbereitet.

Läuferin, Lehrerin und siebenfache Mutter

Eine äußerst interessante Persönlichkeit ist die vierte Afrikanerin im Elitefeld der Damen, Nancy Kiprop aus Kenia. Vor 24 Jahren nahm sie bereits an den Crosslauf-Weltmeisterschaften in Südafrika teil. Je älter sie wurde, desto länger wurden die Laufdistanzen und schneller die Zeiten. Im November lief sie in Valencia ihren bisher schnellsten Marathon in 2:25:16 Stunden. Am Sonntag strebt sie eine Verbesserung dieser Bestleistung an.

Dass die 38-Jährige auch im hohen Wettkampfalter noch so gut ist, liegt auch daran, dass sie ihre Karriere zwischenzeitlich unterbrochen hat. Diese Zeitspanne nutzte sie auf Anraten des berühmten, in Kenia lebenden und wirkenden Trainers Colm O’Connoll zur Ausbildung und studierte. Mittlerweile ist Kiprop im Nebenberuf Lehrerin und plant in ihrer Heimat eine Schule zu eröffnen. Vielleicht nach Beendigung ihrer sportlichen Laufbahn.

Dann sind die meisten ihrer Kinder schon erwachsen.
Bereits als junge Frau adoptierte Kiprop fünf Mädchen, um die sie sich sorgte. Nach ihrer Hochzeit schenkte sie zwei weiteren Kindern das Leben, sie sind mittlerweile 14 und 7 Jahre alt. Neben Familie und Ausbildung blieb oftmals zu wenig Zeit für Leistungssport, doch das Laufen gab sie nie auf und intensivierte es in den letzten Jahren wieder – mit beachtlichem Erfolg. Ihren größten Sieg feierte sie 2014, als sie in der brasilianischen Metropole den prestigeträchtigen Silvesterlauf Corrida de Sao Silvestre gewann.

Kenianisch-äthiopische Rivalität

Im starken Elitefeld der Damen befinden sich mit Helalia Johannes aus Namibia, die bereits zweimal in Wien am Start war und im Vorjahr als Fünfte die Ziellinie am Burgtheater überquerte, den Äthiopierinnen Roza Dereje und Tizita Terecha sowie der Kenianerin Irene Chpekirui weitere Läuferinnen aus Ostafrika. Die prestigeträchtige Rivalität zwischen den beiden ostafrikanischen Laufhochburgen sieht Routinier Nancy Kiprop gelassen: „Es gibt keine Rivalität im Marathon. Die Distanz ist so lange, da entstehen automatisch Kooperationen.“ Dem entgegnet Titelverteidigerin Shuko Genemo: „Das ist ein Wettbewerb. Jede läuft für sich und will gewinnen!“

WM-Sechste von Moskau ist stärkste Europäerin

Die schnellste Europäerin im Feld ist die Italienerin Emma Quaglia, deren herausragendes Resultat ein sechster Platz beim WM-Marathon von Moskau 2013 war. Die erfahrenen Italienerin jagt bereits seit fast fünf Jahren ihrer Bestleistung von 2:28:15 Stunden hinterher. Im Alter von 36 Jahren hat sie aber durchaus noch Potenzial.

Die stärksten Österreicherinnen beim diesjährigen Vienna City Marathon sind die Tirolerinnen Karin Freitag und Katharina Zipser. Freitag war bereits zweimal die bestplatzierte heimische Läuferin bei der größten Laufsportveranstaltung des Landes, unter anderem im Vorjahr. Sie hat bereits Marathon-Siege in Graz, Pisa und Lucca gefeiert und gewann viermal den Staatsmeistertitel.

Leila, Liina und Lily Luik – die laufenden Drillinge aus Estland

Start beim Vienna 10K am Samstag. Spannung bei österreichischen Meisterschaften

Die Premiere des Vienna 10K am Samstag erlebt zwei sportliche Höhepunkte: Erstens den Kampf um die Meistertitel bei den ÖLV-Staatsmeisterschaften im 10km-Straßenlauf. Zweitens die Teilnahme der estnischen Drillinge Leila, Liina und Lily Luik, die seit den Olympischen Spielen 2016 in der Laufwelt bestens bekannt sind.

Aktive Kindheit und Jugend

„Als wir 2014 in Zürich gemeinsam den EM-Marathon gelaufen sind, ist die endgültige Überzeugung in uns gereift, dass wir es gemeinsam auch zu Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen schaffen könnten. In Peking hat es noch nicht geklappt, dafür bei den Olympischen Spielen in Rio“, erzählt Liina Luik. Die drei Zwillingsschwestern sind Gemeinsamkeit gewohnt, seit sie am 14. Oktober 1985 binnen einer halben Stunde das Licht der Welt erblickt haben. Leila, die älteste der drei, erzählte bei der Pressekonferenz, dass die drei ihre Kindheit und Jugendjahre stets gemeinsam im Landhaus ihrer Großmutter verbracht haben. Dabei spielte eine aktive Freizeitgestaltung eine wichtige Rolle.

Sportliche Spätstarterinnen

Laufsport leistungssportlich zu betreiben, begannen die Luik-Drillinge erst im Alter von 24 Jahren. Drei Jahre davor drehten sie erstmals regelmäßige Laufrunden und erkannten ihr Talent für Ausdauersport. Ihre Mutter war lange Zeit gegen eine Profikarriere im Laufsport, weil sie Sorgen hatte, das würde der Gesundheit der drei Töchter schaden. Heute lächeln die blonden Estinnen verschmitzt darüber. Die Luiks schafften den Sprung auf die internationale Bühne und den Eintrag in die Sportgeschichtsbücher. Erstmals überhaupt nahmen Drillingsgeschwister gemeinsam an einem Olympischen Wettkampf teil, dem Marathon in Rio.

Sympathischer und harmonischer Auftritt

Dass die Luiks gemeinsam an Rennen teilnehmen, ist zwar keine Seltenheit, aber nicht mehr die Regel. Waren sie in jungen Jahren noch unzertrennlich, lebt Liina nun in Tallinn, während ihre Schwestern in der Heimatstadt Tartu wohnen. Auch sportlich trennen sich immer öfter die Wege. Liina lief 2015 den WM-Marathon in Peking, für die Weltmeisterschaften in London hat sich lediglich Leila qualifiziert. Ihre Schwestern planen einen Start bei einem deutschen Herbst-Marathon, am liebsten auf der schnellen Strecke in Berlin, um ihre persönlichen Bestleistungen zu steigern. Eines haben die drei allerdings gemeinsam, die Liebe zur Kunst. Als begabte Tänzerinnen (Liina studierte sogar Tanzen) oder als begabte Malerinnen. Dass sich die Drillinge bestens verstehen, demonstrierte auch ein sehr natürlicher, sympathischer und harmonischer Auftritt bei der Pressekonferenz am Donnerstag.

Vienna 10K Invitational

Sportlich steht für die Luik-Drillinge am Samstagabend das Miteinander im Vordergrund. Sie laufen gemeinsam mit dem Starterfeld der Staatsmeisterschaften und fallen in eine eigene Wertung (Vienna 10K Invitational), weil nur bei österreichischen Vereinen gemeldete Läuferinnen und Läufer in der Ergebnisliste der Staatsmeisterschaften gelistet werden können. Die Präsenz der Estinnen ist aber für die besten 10km-Läuferinnen Österreichs eine Bereicherung, schließlich bedeutet dies für das Rennen eine Aufwertung.

Andrea Mayr greift erneut nach einem Staatsmeistertitel

Favoritin ist Andrea Mayr, die ihren fünften Staatsmeistertitel in dieser Distanz anstrebt. Über alle Distanzen und Sportarten hinweg hält sie längst bei über 50. Am Samstag strebt die routinierte Allrounderin eine 33er-Zeit an. Die Millonig-Sisters Julia und Lena, Bernadette Schuster und Triathletin Lisa Perterer gehen mit Ambitionen auf eine Medaille ins Rennen. Das Starterfeld der Herren wird angeführt von Andreas Vojta, Christian Steinhammer, die beide zuletzt erfreuliche Halbmarathon-Debüts absolvierten, und Stephan Listabarth.

Premiere im Rahmen des 34. Vienna City Marathon

Zum ersten Mal in der langen Geschichte des Vienna City Marathon findet in diesem Jahr ein 10km-Lauf statt. Die Strecke führt vom Wiener Prater zum Marathon-Ziel vor dem Burgtheater.

1.281 Läuferinnen und Läufer haben sich bis zum Ende der Voranmeldefrist für den Vienna 10K angemeldet, Startplätze sind im Rahmen der Nachmeldung noch verfügbar.

Andreas Maier