• Jake Robertson (NZL) gewann den EDP Lissabon Halbmarathon.
    Jake Robertson (NZL) gewann den EDP Lissabon Halbmarathon. © RTP-Screenshot
  • Eliud Kipchoge war der Schirmherr bei der Premiere des Red Cross Half Marathon in Eldoret.
    Eliud Kipchoge war der Schirmherr bei der Premiere des Red Cross Half Marathon in Eldoret. © Helmut Winter
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Rückblick auf die internationale Straßenlaufszene im ersten Halbjahr 2017: Weltrekorde und „Breaking2“ – Teil 4

Weitgehend in unseren Breiten unbeachtet gab es beim Seoul International Marathon am 19. März 2017 glänzende Ergebnisse, vor allem auch in der Leistungsbreite.

Bei der von der Zeitung Dong-A organisierten Veranstaltung (nicht zu verwechseln mit dem Lauf im Herbst veranstaltet von JoongAng) siegte Amos Kipruto (KEN) nach 2:05:54 und zog dabei vier weitere Landsleute unter eine Zeit von 2:06:30 Stunden. Auch bei den Frauen ging der Sieg durch Margaret Agai in 2:25:52 nach Kenia.

Eine kleine Sensation gab es am gleichen Tag beim EDP Lissabon Halbmarathon, als der weniger ausgewiesene Jake Robertson der beiden Brüder aus Neuseeland die gesamte (ost)afrikanische Konkurrenz in Schach hielt und das Rennen in 1:00:00 gewann. Erst 10 Sekunden später kam mit James Mwangi der erste Kenianer ins Ziel. Bei den Frauen musste Marathon-Weltmeisterin Mare Dibaba (ETH) in 1:09:43 alles geben, um die Olympiasiegerin über 5000 m von 2016 in Rio, Vivian Cheruiyot (KEN), im Spurt bei deren Halbmarathon-Debüt mit einer Sekunde Vorsprung zu besiegen.

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Feyisa Lelisa überquert in der für in typischen Armhaltung die Zielline in Lower Manhattan. (c) Veranstalter

Nachdem die Prognosen eines Schneechaosfür eim United Airlines Yew York City Half (gottseidank) daneben lagen, waren die Strecken schnee- und eisfrei, nur die Temperaturen bewegten sich unweit des Gefrierpunktes. Davon ließ sich aber der neue britische Shooting Star der Szene Callum Hawkins kaum beeindrucken und verlangte in einem spannenden Rennen dem mittlerweile in den USA lebenden Silbermedaillen-Gewinner beim Olympischen Marathon 2016, Feyisa Lelisa (ETH), alles ab. In seiner typischen Armhaltung passierte Lelisa die Ziellinie nach 1:00:04, ganze vier Sekunden vor Hawkins. Arne Gabius absolvierte nach langer Verletzungspause wieder einen Wettkampf, konnte aber als 19. in 1:04:20 kaum überzeugen.

Den traditionsreichen „Stramilano“, der Halbmarathon in Mailand, konnte bei den Frauen durch Ruth Chepngetich (KEN) in 1:07:42 einen neuen Streckenrekord vermelden, während bei den Männern das Leistungsniveau stagnierte. Hier gewann Moronga Oncocke (KEN) in 1:01:20. Auch noch am 19. März gab es in der kenianischen Läuferhochburg Eldoret auf 2200 m Seehöhe die Premiere des Red Cross Half Marathon, bei dem Topstar Eliud Kipchoge als Schirmherr fungierte. Kipchoge war in den Vorbereitungen für das „Breaking2“-Projekt, lief deshalb nicht selber mit. Aber seine Landsleute (und -frauen) vollbrachten in der extremen Höhe grandiose Leistungen, allem voran Isaac Kipkoech mit 1:00:52 als Sieger des Halbmarathon.

Auch Marathon wurde am 19. März gelaufen. Beim Los Angeles Marathon siegte in bescheidenen 2:11:52 der Kenianer Elisha Barno, bei den Frauen war Hellen Jepkurgat (KEN) in 2:34:23 vorne. Auf dem nicht Regel konformen Kurs verzichtete man auf die in den letzten Jahren stets spannende „Gender-Challenge“, wo die Frauen mit einem Vorsprung von der Männerelite gejagt wurden. Eigentlich schade, hatte doch dieses Element die Einschaltquoten der TV-Übertragungen mehr als verdoppelt.

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Der Chongqing International Marathon war im Jahr 2016 einer der prominenteren von insgesamt 125 Marathon-Veranstaltungen in China.

Im Land des boomenden Laufsports hatte man an diesem Tag Los Angeles deutlich überflügeln können. Afewerk Mesfin (ETH) gewann den Chongqing International Marathon in beachtlichen 2:09:49, bei den Frauen war Rael Kiyara (KEN) in 2:26:22 die Beste. Dazu passte dann auch die Mitteilung des chinesischen Leichtathletik-Verbandes, dass in 328 Laufveranstaltungen im Reich der Mitte insgesamt 2.800.000 Teilnehmer gezählt wurden, womit man die Zahlen des Jahres davor mehr als verdoppelte. Noch Schwindel erregender sind die Prognosen des Verbandes für das Jahr 2020 mit 800 Veranstaltungen und 10 Millionen (!) Teilnehmern. Keine Frage, diese Entwicklungen werden die globale Laufszene nachhaltig verändern.

wmm-winners-tokyo-2016Die Race-Direktoren der World Marathon Majors bei der Preisübergabe der Serie IX an Eliud Kipchoge und Mary Keitany (Mitte). (c) WMM

Am 22. März verkündeten die (Abbott) World Marathon Majors, die vermeintliche Eliteliga des Marathonlaufs, einige Änderungen in der Verteilung der erheblichen Preissummen. Den Wettbewerb der Serie IX für die Jahre 2015/16, den eigentlich niemand verfolgt, gewannen mit Eliud Kipchoge und Mary Keitany (beide KEN) die sicherlich aktuell besten der Zunft. Solange man allerdings in den deutschen TV-Medien bis auf wenige Ausnahmen von den Majors wenig zu sehen bekommt, verpufft die mediale Wirkung dieser ansonsten sicherlich lobenswerten Initiative völlig im Wettstreit um die öffentliche Akzeptanz mit dem Monopol der Ballsportarten und des Wintersports.

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Geoffrey Kamworor (KEN) konnte in Kampala seinen WM-Titel im Cross verteidigen. (c) Veranstalter

Beim Venloop im niederländischen Venlo am 29. März konnten die Akteure an der Spitze das einmalige Ergebnis mit drei Männern unter einer Stunde nicht wiederholen. Meshack Koech (KEN) hieß der Sieger in diesem Jahr, auch durch eine Fehlleitung vor dem Ziel lief er „nur“ 1:00:19. Bei den Frauen verfehlte die Siegerin Naomi Jebet (KEN) in 1:10:03 den Streckenrekord um nur eine Sekunde. In der weit entfernten Hauptstadt von Uganda Kampala stritten zur gleichen Zeit die Crossläufer um Weltmeister-Meriten. Spektakulär war dort sicher der Einbruch des jungen Joshua Cheptegei (UGA), der nach einem aberwitzigen Zwischenspurt schon wie der sichere Sieger aussah.

Auf dem letzten Kilometer „lief“ bei dem wackren Akteur so gut wie nichts mehr. Völlig entkräftigt taumelte er als 30. ins Ziel, der alte Weltmeister war somit auch der neue: Geoffrey Kamworor (KEN). Und auch bei den Frauen gabe es durch Irene Cheptai (KEN) einen kenianischen Sieg.

Der Monat März klang dann läuferisch mit dem PZU Warschau Halbmarathon am gleichen Tag aus, wo bei kühlen Temperaturen 12180 Finisher registriert wurden. Am schnellsten waren John Lotiang (KNE) bei den Männern in 1:01:12 und Ayantu Gemechu (ETH) in 1:10:26 bei den Frauen.

Helmut Winter 

Teil 5 folgt.