• Miriam Dattke holt Silber
    Miriam Dattke holt Silber © Kiefner Foto
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Nach Berglauf- nun auch Hindernistitel für Lisa Oed - 18jährige Hanauerin in den Fußstapfen einer Alina Reh auf Europas Terrain - ist nun zweifache Europameisterin – Wilfried Raatz berichtet

Miriam Dattke holt zudem Silber bei den U20-Europameisterschaften in Grosseto

Die Erfolgsserie des deutschen Leichtathletik-Nachwuchses geht weiter – und erfreulicher Weise sind daran die Nachwuchsläufer beiderlei Geschlechts in gutem Maße beteiligt.

Nach dem überaus medaillenreichen Abschneiden bei den U23-Europameisterschaften in Bydgoczsz und den U18-Weltmeisterschaften in Nairobi schaffte der DLV auch bei den U20-Europameisterschaften den Spitzenplatz in der Nationenwertung.

Eine erstaunliche Entwicklung hat dabei die 18jährige Lisa Oed in diesem Jahr vollzogen, nach den nationalen Titeln über 3000 m, im Cross und über 2000 m-Hindernis ist der Schützling von Sascha Arndt auch auf europäischem Terrain nicht zu bremsen und steigt in die erfolgreichen Fußstapfen einer Alina Reh, die sich vor drei Jahren ebenfalls zwei Europatitel sichern konnte.

Zuerst gewann Lisa Oed nämlich mit einem Riesenvorsprung die Berglauf-Europameisterschaft im slowenischen Kamnik, drei Wochen später nun auch auf der Stadionrunde die Europameisterschaft über 3000 m Hindernis.

"Ich weiß, dass es nicht so leicht wird wie im Berglauf, hier den Titel zu holen", hatte Lisa Oed noch nach dem Vorlauf mit einem verschmitzten Lachen gesagt. Aber auch: "Ich freue mich aufs Finale. Ich habe mich so gut gefühlt!" Jetzt ist die 18jährige Hessin auch U20-Europameisterin über 3.000 Meter Hindernis. Und das mit überzeugenden Auftritten.

Schon im Vorlauf ließ sie mit 10:16,32 und Hausrekord Medaillenhoffnungen aufkommen.  
Nach einem kapitalen Sturz in der Eröffnung des Finales, bei dem die mit 10:09,89 Minuten als Vorlaufschnellste in die Favoritenrolle gedrängte Ungarin Lili Anna Toth unglücklich ausscheiden musste, wurden die Karten neu gemischt.

Als Tatsiana Shabanova aus Weißrussland, mit einer Bestmarke von 10:03,32 Minuten eine der Medaillenanwärterin, das Feld mit einer Tempoverschärfung sprengte, blieb die Hessin dran. "Ich wusste, dass sie im Halbfinale zwei wahnsinnig schnelle letzte Runden gelaufen ist", sagte Lisa Oed, die sich die Vorrunde noch einmal im Video angesehen hatte. Umso erstaunter war sie, dass sie mit ihrer eigenen letzten Runde sogar noch vorbeiziehen und zu Gold sprinten konnte. Ihrem schnellen Antritt rund 250 Meter vor dem Ziel konnte die Weißrussin nicht mehr folgen.

Für ihre Leistungssteigerung hat sie eine einfache Erklärung: „Ich habe einfach den besten Trainer der Welt“ - und verwies auf Sascha Arndt. „Und ich muss meinen Eltern danken. Ich habe vor dem Rennen noch so viel mit ihnen telefoniert. Es tut einfach gut, mit ihnen zu sprechen. Sie stehen zu 100 Prozent hinter mir.“

Sascha Arndt schrieb auf Facebook: „Ein sensationelles Rennen, das zwar in den letzten Wochen von uns konsequent so vorbereitet worden ist, aber in der qualitativen Ausprägung und somit im Erfolg mit der Goldmedaille dann doch die Erwartungen weit übertroffen hat! Ich freue mich sehr, dass ich diesen Erfolg miterlebt habe, und es geht sicher vielen anderen Freunden und Bekannten und dem gesamten Laufteam des SSC Hanau-Rodenbach auch so. Vielen Dank dafür, Lisa, das war großartig!“

Mit Miriam Dattke konnte eine weitere deutsche Läuferin in den Kampf um die Medaillen eingreifen, die Neu-Regensburgerin holte hinter der Niederländerin Jasmjin Lau (16:38,85) die Silbermedaille in 16:39,81 Minuten und hielt zudem Jasmjins Teamkollegin Floor Doornwaard (16:41,71) knapp auf Distanz. Bei den deutschen Crossmeisterschaften in Löningen hatten sich in einem der seltenen Fälle die Wege von Lisa und Miriam gekreuzt, nach einem spannenden Duell über die gesamte Distanz hatte am Ende Lisa Oed das bessere Spurtvermögen.

Nach einem überaus spannenden Finale musste Jana Reinert über 800 m mit Rang vier die Heimreise ins Badische antreten, die Medaille jedoch bis auf die Ziellinie in greifbarer Nähe. Im Herzschlagfinale mit einem ruppigen Verlauf setzten sich die beiden Britinnen Khahisa Mhlanga (2:06:96) und Ellie Baker (2:07,01) vor der Slowakin Gabriele Gajanová (2:07:15) und eben Jana Reinert durch.

Dagegen verpassten Pascal Keyer (1:53,64) und Constantin Schulz (1:52,98) den Einzug ins Finale. Zwei fünfte Platzierungen runden das insgesamt starke Ergebnis der deutschen Nachwuchsläufer ab.

So wurde Joana Straub im 1500 m-Finale in 4:20,04 Minuten ebenso Fünfte wie der GRR-Nachwuchspreisträger Markus Görger im 5000 m-Rennen, das er nach 14:59,80 beendete.

Der überragende Läufer bei den U20-Titelkämpfen war übrigens mit Jakob Ingebrigtsen der jüngste Sproß der erfolgreichen Mittelstreckenfamilie mit seinen Siegen über 5000 m (14:41,67) und über 3000 m Hindernis (8:50,00).

Im 3000 m-Hindernisrennen musste Lisa Tertsch verletzungsbedingt absagen, die nachrückende Lisa Vogelgesang wurde mit 10:25,81 Siebte.

Rang vier gab es übrigens für Lena Millonig, der Tochter des früheren 3000 m-Hallen-Europameisters Dietmar Millonig.

Eine eindrucksvolle Vorstellung gab übrigens die junge Schweizerin Delia Sclabas als 3000 m-Siegerin in 9:10,13 Minuten und gleich zehn Sekunden Vorsprung.

Wilfried Raatz