• Trail in einer herrlichen Landschaft
    Trail in einer herrlichen Landschaft © Wilfried Raatz/ wus-media
  •  So sehen Sieger aus: Peter Kienzl
    So sehen Sieger aus: Peter Kienzl © Wilfried Raatz/ wus-media
  •  Denise Zimmermann, die T214-Siegerin
    Denise Zimmermann, die T214-Siegerin © Wilfried Raatz/ wus-media
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Swiss Irontrail 2017: Peter Kienzl im Rekordtempo von Davos nach Davos + 214 Trailkilometer in 34 Stunden geschafft - Wilfried Raatz berichtet

Roman Sutter und Tasaka Hironori beim härtesten alpinen Ultraitrail auf den Podiumsplätze + Denise Zimmermann gewinnt bei den Frauen mit 4 Stunden Vorsprung + Swiss Irontrail mit zahlreichen Wettbewerben nunmehr Bestandteil des Swissalpine Davos

„Das absolute Bergspektakel“ betitelte die Sonderbeilage der Südostschweiz das Hochgebirgsspektakel im Graubündner Land mit Davos als Dreh- und Angelpunkt, das erstmals unter der neuen Dachmarke „Swissalpine Davos“ sowohl die 32. Auflage des Swissaline Marathon als auch den ultralangen Swiss Irontrail und den eher genussvollen Swiss Trail zusammenführte.

Statistiker konnten dabei rund 3800 Finisher registrieren, eine Bilanz, die mit den beiden Königsdisziplinen T214 und K78 die unbestrittenen Highlights der „Highseven“-Woche ebenso beinhaltete wie die Kurzdistanzen mit Berg- und Trailcharakter und die Kinderläufe.

Auch wenn die Begrifflichkeit alle Interpretationen zulässt, eines jedenfalls wurde im weiten Rund des Winter- und Sommersport-Eldorado Davos einmal mehr deutlich, beim Swissalpine ist seit den eher bescheidenen Anfängen des 1986 vieles Trail, auch wenn der Lauftrend Trailrunning erst in den letzten zehn Jahren mehr und mehr an Fahrt aufgenommen hat.

Und Andrea Tuffli, umtriebiger OK-Präsident von der ersten Stunde an, stellte mit Fug und Recht fest, dass die Grenzen immer mehr verwischen und es kaum noch Unterschiede zwischen Berglauf, Landschaftslauf und Trailrunning gäbe. Selbst in den nationalen wie internationalen Verbandsstrukturen ist man sich uneins – und trägt unter verschiedenen Fahnen Meisterschaften aus.

Doch bleiben wir nur zu gerne in und um Davos.

Auch wenn man beim Anblick der zahlreichen Wettbewerbe regelrecht schwindlig wird, Andrea Tuffli und sein fleißiges Organisationsteam haben versucht, klare Trennungen zu erreichen. Dass dieses nicht immer sauber möglich war, das verdeutlichen die Zieleinläufe am Samstagnachmittag im Sportzentrum Davos, der Drehscheibe des alpinen Ausdauersports Ende Juli.

Da kommen im engen Zeittakt die Finisher K78, K47, K36, K23 und T214 ins Ziel, kaum durch das finale Tempo zu unterscheiden, sondern alleine durch die farblich hinterlegte Startnummer, falls diese nach stunden- bzw. tagelanger Ausdauerbelastung bis in die Grenzbereiche körperlicher Leistungsfähigkeit noch sichtbar waren. Alleine die Transponder zur Zeiterfassung ließen die unermüdlich kommentierenden Sprecher nicht im Stich und sorgten für die gebührende Wahrnehmung.

In diesem Beitrag stehen die Trailrunner unterschiedlicher Couleur im Mittelpunkt. Weniger kann hier auf die „Genusswanderer“ eingegangen werden, die ggf. auf den Teilstrecken erste Trailversuche mit Erfolg bestanden, sondern vielmehr auf die Spitze der Top-Wettbewerbe mit stunden- und tagelangen Belastungen und kaum vorstellbaren Höhendifferenzen.

So hatten die 100 Starter im T214 nicht nur 214,4 km zwischen Davos, der Keschhütte, Samedan, Pontresina, Maloja, Savognin, Lenzerheide, Arosa und Davos zurückzulegen, sodern auch gleich 11.030 Höhenmeter bergauf und bergab. Dass dabei nicht alle das Ziel in der vorgesehenen Zeitspanne zwischen dem Startpunkt Freitag 4.00 Uhr bis Sonntag 18.00 Uhr erreichen würden, das war angesichts der schier unvorstellbaren Strapazen nicht zu erwarten.

45 Männer und 6 Frauen konnten letztlich gelistet werden, eine für die Distanz starke Quote. Schließlich hatte Andrea Tuffli auch Bilderbuchwetter für das letzte Juli-Wochenende bestellt…

„Mir war es zu heiß“, stellte mit Peter Kienzl aus dem südtiroler Hafling unumwunden fest. Der 42jährige sollte aber keinen Grund zur Klage haben, schließlich war er der vielbestaunte T214-Sieger nach 34 Stunden 44 Minuten und 11 Sekunden – und dies mit einer eindrucksvollen Vorstellung vom Start bis ins Ziel hinein. Der Ultraspezialist hat in diesem Jahr bereits fünf Ultraläufe mit einer Gesamt-Kilometerlänge von über 800 hinter sich gebracht, dabei Anfang Januar den St. Ipertrail über 164 km und im Februar den Transgrancanaria über 265 km in 56:58:38 Stunden absolviert.

Als letzten Test hatte der als Speckverkäufer (O-Ton Kienzl) mit einem LKW die Supermärkte der Region beliefernde Swiss Irontrail im Juni den über 136 km führenden Ultra-Transkarukéra als Zweiter absolviert.

Offenbar die rechte Vorbereitung auf Davos, wenngleich er es einfacher hätte gestalten können, denn in seiner Heimat wurde parallel zum Swiss Irontrail das Südtirol Ultra Skyrace über 121 km und 7554 Höhenmeter gestartet. „Ich wollte nach vier Starts einfach einmal etwas anderes machen – und außerdem dem Seriensieger Alexander Rabensteiner aus dem Weg gehen!“ Die Entscheidung war zweifellos richtig, auch wenn er sogar in Davos seinen südtiroler Dauerrivalen Rabensteiner getroffen hat, der allerdings die „Kurzdistanz“ T133 vorgezogen hatte.

Mit fast drei (!) Stunden Vorsprung hatte Peter Kienzl einen beeindruckenden Vorsprung, lag zeitweise weit vor dem errechneten Fahrplan – hatte aber dennoch seine Krise. „Am Strelapass hatte ich Probleme, aber das hat sich aber zum Glück bald wieder gelegt“. Nach 34:44:11 Stunden hatte er die enorme Herausforderung geschafft und konnte im Ziel noch ausgelassen jubeln.

Im Journalistenkreis wurde er natürlich nach einer Schlafpause gefragt, die bei einer Belastung von eineinhalb Tagen durchaus verständlich gewesen wäre. „Wegen der 200 Kilometer denke ich nicht an schlafen!“ kam es fast entrüstet zurück. „Lange Distanzen sind einfach mein Ding, für kurze Rennen bin ich einfach nicht fit genug. Das Mentale ist meine Stärke!“

Der Schweizer Peter Sutter wurde in 37:39:29 Stunden Zweiter, nachdem er im Vorjahr noch auf Rang vier eingelaufen war. Fünfzig Minuten dahinter wurde der Japaner Tasaka Hironori Dritter, die noch im Engadin auf den Spitzenplätzen hinter Peter Kienzl laufenden Andrey Gridin (Bulgarien) und Iso Stadelmann gaben das Rennen in Bivio bzw. Pontresina auf.

Bis zum Posten Maloja bei 105 km führte im Frauen-Wettbewerb Helene Ogi, ehe sie den Weg durch ihre vorzeitige Aufgabe für die Vorjahreszweite Denise Zimmermann freimachte. Die Malser Ultraläuferin, die in diesem Jahr vor allem durch ihre zweiten Ränge beim Zugspitz-Ultra (101 km) und beim Engadin Ultraks (46 km) starke Form verriet, startete sehr verhalten und lag zeitweise eine Viertelstunde hinter ihrer Konkurrentin, die beim Eiger Ultra Trail (101 km) als Dritte einen Rang vor Denise Zimmermann übrigens einlief.

„Ich bin leicht erkältet, aber bei diesem Wetter muss man einfach dabei sein!“ erklärte Denise Zimmermann noch im Vorbeilaufen an der Bergstation Muottas Muragl noch leicht im Hintertreffen im Vergleich zu Helene Ogi. Nach einer Schwächephase zwischen Pontresina und Maloja ging bei Helene nichts mehr – und Denise Zimmermann setzte ihren Lauf an der Spitze fort.

Mit ihrer Siegerzeit von 41:47:19 Stunden lag sie drei Stunden vor Anita Lehmann und Jeanette Dalcolmo (49:06:12). Die routinierte Anke Drescher wurde nach 60:49:10 Stunden Sechste.

Die T214-Teilstrecke über 133,2 km und einer Höhendifferenz von +6960 m/-7250 m von St. Moritz nach Davos gewann in überlegener Manier Walter Manser in 17:45:08 Stunden vor dem vorjährigen Langdistanzsieger Jimmy Pellegrino (19:26:09) und Alexander Rabensteiner, die Seite an Seite ins Sportzentrum in Davos einliefen.

Der letztjährige K78-Sieger Vajin Armstrong (Neuseeland) versuchte sich auf der 133 km langen Traildistanz und wurde Siebter rund fünf Stunden hinter dem überragenden Walter Manser.

Schnellste T133-Läuferin war die Italienerin Francesca Canepa (20:25:21). Nur 77 LäuferInnen erreichten bei diesem am späten Samstagabend gestarteten Wettbewerb.

Wilfried Raatz

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