• Spektakulärer Aufstieg auf der Moräne
    Spektakulärer Aufstieg auf der Moräne © Veranstalter
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Toni Alpinice: Unsere Stärke ist die Tradition - 25jähriges Jubiläum des Jungfrau-Marathon

Der OK-Präsident im Gespräch zum 25jährigen Jubiläum des Jungfrau-Marathon – Begehrtes Lauf-Spektakel vor der majestätischen Kulisse von Eiger, Mönch und Jungfrau -

Am 9. September 2017 feiert der Jungfrau Marathon seinen 25. Geburtstag. Das großartige Laufspektakel vor der majestätischen Kulisse von Eiger, Mönch und Jungfrau ist eines der begehrtesten Rennen weltweit und ist ähnlich flott ausgebucht wie die anderen Marathon-Giganten in den Weltmetropolen Berlin, London oder New York.

Zwar haben sie alle etwas gemeinsam, nämlich die Distanz von 42,195 km, aber zwischen Interlaken, Lauterbrunnen und der Kleinen Scheidegg sind zudem noch 1829 m bergauf und 305 m bergab zu bewältigen. 

Seit 2015 ist Toni Alpinice Präsident des Jungfrau-Marathon. Gewiss sind die Fußstapfen riesengroß, in die der „Neue“ nach Heinz Schild und Christoph Seiler einsteigen musste, doch darüber ist dem Unternehmer und passionierten Läufer nicht bange.

„Als ich 2015 eingestiegen bin, durfte ich Christoph Seiler auf Schritt und Tritt begleiten. Es war für mich ein wichtiger Lernprozess, den ich nicht missen wollte“. Toni Alpinice hat dieser Herkulesaufgabe erst im dritten Anlauf zugestimmt, wie er offen im Gespräch zugibt. „Die Veranstaltung ist nämlich kaum noch zu toppen. Es braucht eine extra große Portion Mut, um ein derartiges Amt anzunehmen!“

Toni ist Hobbyläufer – und stand bereits 2001 an der Startlinie beim Jungfrau-Marathon, weitere sollten folgen. „Diese Herausforderung hat mich einfach fasziniert. Den Moment, über die Moräne vor dieser grandiosen Kulisse zu laufen, werde ich niemals vergessen. Ich hätte nie gedacht, dass ich später einmal mit dem OK etwas zu tun haben würde!“

Hier die schnellen Renngazellen wie Jonathan Wyatt, Geoffrey Gikuni Ndungu, Petro Mamu, Markus Hohenwarter oder Victor Röthlin bzw. Andrea Mayr, Aline Camboulives oder Martina Strähl, dort die große Masse der Freizeit- und Hobbyläufer mit dem großen Durst nach Abenteuer und Herausforderung. „Ich habe letztlich die OK-Präsidentschaft übernommen, weil ich mit meiner früheren Zielzeit von 5:00 Stunden eher die Mehrheit der Teilnehmer beim Jungfrau-Marathon vertrete – und das ist mir gleichbedeutend wie die Topzeiten an der Spitze!“

Jahr für Jahr ist der Jungfrau-Marathon mit 4000 Startern, beim 10. und 20. Geburtstag wurden mit einem zweiten Start am Folgetag sogar 8000 (!) Teilnehmer zugelassen, ausgebucht. Beleg für den ungebrochenen Run auf die Startnummern, bei diesem spektakulären Lauf dabei sein zu wollen. Doch was macht den Jungfrau-Marathon so einzigartig?

„Die Komposition mit dem Start in Interlaken, dem Lauf in die Täler und dem Zieleinlauf vor dem majestätischen Dreigestirn ist nicht kopierbar. Man erlebt ständig neue Momente. Es ist also niemals langweilig. Ich habe von der ersten Minute an die Helfer am Streckenrand bewundert, die immer äußerst freundlich und hilfsbereit sind!“

Es ist sicherlich auch ein Novum in der Veranstaltungsszene, dass es nicht nur eine Warteliste mit Helfervereinen gibt, sondern auch eine Bewerbungsliste von ehemaligen Läufern für die Mitarbeit im OK.

Einer davon ist der frühere Marathon-Europameister Victor Röthlin, der nach seiner aktiven Zeit inzwischen im OK-Team als Vizepräsident seine weltweiten Renn-Erfahrungen einbringen möchte und Toni Alpinice zur Seite steht, der für die Gesamtorganisation verantwortlich zeichnet.

25 Jahre Jungfrau-Marathon – sicherlich ein Grund für etwas Besonderes?

„Wir werden, anders als zum 10- und 20jährigen keinen Doppelmarathon anbieten. Dazu ist in den Wochen um den Jungfrau-Marathon mit anderen Veranstaltungen einfach zu viel los. Wir müssen dabei natürlich vor allem an unsere Helfer denken. Deshalb haben wir in Verhandlungen mit unserem langjährigen Sponsor Jungfraubahnen erreicht, dass wir zusätzliche 1000 Startplätze vergeben dürfen!“

Und der OK-Präsident präzisiert zugleich, wie man mit dieser enormen Läuferschar umzugehen gedenkt. „Wir werden einen Blockstart mit fünf Blöcken von jeweils 1000 Läufern durchführen. Die Sequenzen werden dabei so gewählt, dass eine Kontinuität auf der Strecke gewährleistet ist!“

Rund um das Jubiläum wird natürlich auch gefeiert.
Das Zelt am Höhenweg gehört inzwischen zum „Inventar“ des Jungfrau-Marathon. Dort wird man sicherlich ein Stell-dich-ein der Sieger organisieren, denn die Einladungen an die Heroen von einst und jetzt sind bereits ausgesprochen. Ob und inwiefern man diese aktiv auf der Strecke sehen wird, dass ist derzeit freilich noch offen. Ggf. in einer aus vier Läufern bestehenden Promi-Stafette, die im reizvollen Duell mit den weltbesten Langstreckenläufern um den „Tagessieg“ kämpfen könnten.  

Auf die Frage, ob es angesichts der Erfolgswelle des Jungfrau-Marathon sicherlich auch Neider unter den Veranstaltungskollegen gibt, tritt Toni Alpinice mit Entschiedenheit entgegen. „Es gibt keinen Grund, auf uns aufschauen zu müssen. Es ist viel spannender, einen regen Austausch zu anderen Veranstaltungskollegen zu haben. Letztlich geht es mir aber auch darum, gemeinsame Idee zu entwickeln!“

Toni Alpinice ist als langjähriges OK-Mitglied natürlich bestens eingebunden in die Tradition des Jungfrau-Marathon. Trotz aller Aufgeschlossenheit neuer Ideen stellt er aber gerade zum Jubiläum noch einmal klar:

„Der Jungfrau-Marathon soll Jungfrau-Marathon bleiben. Ich bin überzeugt, dass unsere Stärke die Tradition ist!“

Entnommen und modifiziert aus Wilfried Raatz: Berglauf-Journal 2017 (erhältlich über www.berglauf.info).