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    Das Londoner Stadion © Victah Sailer
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    Die britischen Fans © Victah Sailer
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Leichtathletik-WM London 2017 legt die Latte hoch - Michael Reinsch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Diese Leichtathletik-WM war die beste aller Zeiten, sagen nicht nur Briten. Spannende Wettbewerbe, tolles Publikum. Auch die Perspektive Doha 2019 lässt London besonders gelungen erscheinen.

Best World Championships ever? Für die Briten ist das keine Frage, sondern eine Feststellung.
 
Mögen Sebastian Coe und die Reporter von der BBC sich während der WM der Leichtathleten in London noch angebrüllt und mit Klage bedroht haben, etwa wegen des Umgangs mit der Norovirus-Infektion, zum Schluss lagen sie sich in den Armen.

Eine so schöne WM wie diese, waren sie sich einig, hatte es noch nie gegeben: die Wettbewerbe spannender denn je, die Zuschauer zahlreicher denn je, 900.000 an neun Tagen.

Man müsse im Regelbuch nach einer Möglichkeit suchen, forderte der BBC-Kommentator Brendan Foster, die WM so oft wie möglich nach London zu holen. Sein amerikanischer Kollege Michael Johnson sprang ihm mit der These bei, solche Zuschauer gebe es auf der ganzen Welt nicht noch einmal.

Er dürfte nicht vergessen haben, dass die WM in vier Jahren im Vorgarten seines langjährigen Sponsors Nike in Eugene (Oregon) stattfinden wird.

Ganz offensichtlich aber hatte Johnson das Jahr 1993 vergessen, als er über 400 Meter allein und mit der Staffel Weltmeister wurde – in Stuttgart. Die 585.000 Zuschauer damals wurden für ihre Masse, den unermüdlichen Einsatz von La Ola sowie Fachkunde und Respekt vor den Athleten von der Unesco mit einem Fairplay-Preis ausgezeichnet.

Laufbahn und Leichtathletik-Anlagen sind inzwischen trotzdem restlos aus dem Stadion des VfB entfernt worden.

Das macht die Begeisterung in London für London nachvollziehbar: Die Leichtathletik ist ohne Skandal über die Runden gekommen.

Im Hochgefühl ihrer sechs Medaillen erwarten die britischen Leichtathleten, dass ihr Stadion modernisiert und erhalten wird. Denn selbstverständlich ist dieses vorgebliche Erbe der Olympischen Spiele nicht kostenlos zu haben. Vor allem die öffentliche Hand musste nach den Spielen gut 320 Millionen Pfund für einen Umbau (oder besser: Neubau) aufbringen, den der Fußballklub West Ham und Leichtathleten gleichermaßen nutzen können. Der Bau des Olympiastadions für 2012 hatte schon mit 486 Millionen Pfund zu Buche geschlagen.

In Berlin, wo die Fußballspieler der Hertha die blaue Bahn im Stadion stört, sollten sie zur Kenntnis nehmen, wie preiswert sie die Modernisierung des Olympiastadions zur Fußball-WM 2006 und zur Leichtathletik-WM 2009 hinbekommen haben: für nur 242 Millionen Euro.

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Die Perspektive Doha lässt London besonders gelungen erscheinen. Für 37 Millionen Dollar aus der Kasse des Emirs von Qatar hat die IAAF ihre Titelkämpfe 2019 versteigert, ein paar persönliche Zuwendungen gingen extra.

Auch wenn Publikum kommen sollte in zwei Jahren: Durch die Verschiebung der WM auf den Oktober hat sich die Leichtathletik der Alleinstellung wie in dieser Woche beraubt; sie wird sich die Aufmerksamkeit mit nahezu allen Fußball-Meisterschaften der Welt teilen müssen. Ansporn ist dies alles für die EM 2018:

Alle Argumente pro London gelten auch für die Titelkämpfe in Berlin. Freuen wir uns auf die beste EM, die es je gegeben haben wird.

Michael Reinsch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Montag, dem 14. August 2017

Michael Reinsch   

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