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    Kurt Ring © Wilfried Raatz/ wus-media
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Die Doppelmoral deutscher TV-Sportunterhaltung - LG Telis Finanz Regensburg: Kurt Ring

Gestern beim ZDF wieder bestens präsentiert von Johannes B. Kerner und Steven Gätjen

Regensburg, 1. September 2017 (Ring) – Bei der ZDF-Serie „Wir lieben das Fernsehen“, ausgestrahlt am gestrigen Donnerstag um 20.15 Uhr, also zur Primetime, war nun auch der Sport an der Reihe und die Couch war extrem lang, um einem Teil der deutschen Sportlegenden Platz bieten zu können, unter ihnen auch zwei schillernde Figuren aus dem Bereich Leichtathletik, die beiden Zehnkämpfer Jürgen Hingsen und Daley Thomson aus den Doping geschwängerten 80er Jahren.

Wer den eloquenten Moderatoren Johannes B. Kerner und Steven Gätjen aufmerksam folgte, entdeckte so manche Ungereimtheit im Grenzbereich des Leistungssports hin zur Illusion der großen Unterhaltung. Wie es sich so für einen öffentlich-rechtlichen Sender geziemt, durfte neben fast hundert Prozent Spannung, Dramatik und Begeisterung, also Entertainment pur, auch nicht die eine oder andere Sequenz der bösen Seite Hochleistungssport fehlen.

Mag’s am eingeladenen Tennisstar Michael Stich gelegen haben, dass das Thema „schlimme Verletzungen“ mehr Aufmerksamkeit erhielt als das Thema Doping, das gerade in den 80ern fröhliche Umstände feierte.

Jedenfalls zehn Minuten nach dem erschreckenden Foto eines 100m-Finales, bei dem unter sieben von acht des Dopings überführte Athleten auch Carl Lewis zu sehen war, seine Dopingvergangenheit dabei auch explizit angesprochen wurde, erschien ein Helden-Spot mit dem als Jahrhundert-Leichtathleten bezeichneten Carl Lewis. Das ist in der Tat schizophren und zeigt erschreckend, wie ernst es den Fernsehsendern mit sauberen Sport ist. Was letztendlich zählt sind die Einschaltquoten.

Dass ein vom Staat subventionierter Sender ungeniert die ethischen Grundregeln unserer Gesellschaft unterläuft, ist dabei nebensächlich.

Das Volk schreit, das Volk soll seine Helden haben, auf welchem Weg die zu ihren Erfolgen gekommen sind, ist dabei unwichtig. So auch geschehen mit Sprint-Ikone Florence Griffith. Ihr rätselhafter und viel zu früher Tod Ihr Ableben stieß eine Diskussion über Folgeschäden nach Missbrauch von Anabolika oder anderen leistungssteigernden Mitteln an. Gestern wurde sie im schillernsten Heldengewand gezeichnet.

Natürlich durfte der an Dramatik nicht mehr zu steigernde Radzweikampf zwischen Lance Armstrong und Jan Ulrich nicht fehlen. Beide wurden inzwischen wegen nachgewiesenen Dopingvergehen aus den Siegerlisten der Tour de France gestrichen. Es waren keine Duelle des Jahrhunderts, es war einfach nur Betrug. Auf der einen Seite die Russen wegen ihres Staatsdopings an die Wand zu nageln, wissenschaftliche Dopingerhebungen, wie jene der Uni Tübingen bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2011 in Daegu als Kavaliersdelikt abzutun und nachweislich dopingverseuchte Heldentaten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu verherrlichen, zeigt ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, dass man eigentlich nicht sehen möchte.

Wenn ein Moderator dann nichts anderes weiß, als das mit dem übertriebenen Ehrgeiz einzelner Weniger abzutun, ist er im günstigsten Fall extrem naiv. Hinter all den Fällen Ulrich, Armstrong, Johnson, Lewis und unendlich vielen anderen waren absolut wissenschaftliche Netzwerke dahinter.

Wie sonst sollte ein ahnungsloses ehrgeiziges Talent durch das inzwischen sehr enge Maschenwerk des Anti-Dopingsystems schlüpfen, selbst wenn man den „Stoff“ locker im Internet bestellen kann. Protestiert gegen solche Aussagen hat nur einer unter den Legenden des deutschen Sports. Dass dies ausgerechnet Berti Vogts, einer aus der Glamourwelt des bezahlten Fußballs, war, der die Einstellung unserer Gesellschaft anprangerte, dass ein vierter Platz in ihren Augen nichts wert sei, sagt vieles.

So lange der Grundsatz „The show must go on“ gilt, wird sich wohl nichts ändern.

Quelle: LG Telis Finanz Regensburg - Kurt Ring

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