• Die Männerspitze im Englischen Garten - (v.l.): Mario Wernsdörfer, Florian Stelzle und Eivind Ostberg
    Die Männerspitze im Englischen Garten - (v.l.): Mario Wernsdörfer, Florian Stelzle und Eivind Ostberg © Wilfried Raatz/ wus-media
  • Bianca Meyer im dichten Männerpulk
    Bianca Meyer im dichten Männerpulk © Wilfried Raatz/ wus-media
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Bayern first! Weißblauer Triumph in München durch Mario Wernsdörfer und Bianca Meyer - Wilfried Raatz

Bei der 32. Auflage des München-Marathon sind Integration und Inklusion keine leeren Worthülsen - Gernot Weigl stellt mit dem neuen Titelsponsor Generali die Weichen für die Zukunft in der bayerischen Landeshauptstadt

Pardon, Mr. President Trump! Ihre politischen Statements werden weltweit zumeist mit Kopfschütteln zur Kenntnis genommen, aber ein Satz ist aus den Köpfen der Menschen nicht mehr zu löschen. In Abwandlung lässt sich dieser durchaus in allen Teilen der Welt zu vielfältigen Anlässen verwenden.

Als vor gefühlt einem Jahrzehnt Gernot Weigl die Ausrichtung des München Marathon mit „Local heroes" kundtat, mögen dieses viele außerhalb des Freistaats nicht verstanden haben. Doch der Marathonmacher ist mit seiner Agentur runabout GmbH diesen Weg konsequent gegangen - und hat dem München Marathon seitdem auf vielfältiger Weise seinen blauweißen Stempel aufgedrückt.

Wenn man die Headlines der 32. Ausgabe des München Marathon wertet, dann ist Gernot Weigl mit seinem bayerischen Weg einmal mehr belohnt worden. 21.049 Anmeldungen quer über alle Wettbewerbe hinweg sind ein stolzes Resultat und haben dem München Marathon ein weiteres Jahr den Zusatz „Top 5 in Deutschland" bestätigt.

Die beiden Marathonsieger kommen aus dem Freistaat, zudem noch weitere Laufsieger wie Tobias und Susanne Schreindl über die Halbmarathondistanz und Clemens Bleistein im 10 km-Lauf, ein traditionsbewusster Frühstückslauf, der natürlich in der bayerischen Landeshauptstadt Trachtenlauf heißt - und vieles Mehr hebt sich deutlich von den landauf landab durchgeführten Marathon-Veranstaltungen ab.

Bayern first - und dennoch: Es gibt einen erstaunlichen Spagat zur Internationalität, denn Läufer aus insgesamt 118 Nationen haben sich für den diesjährigen München-Marathon interessiert. Das größte Ausländerkontingent stellte dabei Österreich mit 768 Anmeldungen, gefolgt von Italien (645), Frankreich (564) und erstaunlicherweise Russland (517).

Und die Teilnehmerzahlen zeigen ein Plus, was letztlich heutzutage längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

Dahoam

Dahoam ist eben dahoam. Das durften letztlich die beiden Marathonsieger mit Fug und Recht behaupten. Mario Wernsdörfer startet zwar für die fränkische Leichtathletik-Gemeinschaft LG Bamberg und ist als Polizist in Würzburg im Einsatz, kennt aber München von seiner zeitweisen Dienstelle in der bayerischen Landeshauptstadt, Bianca Meyer hingegen ist in München geboren und befruchtet die heimische Szene durch ihre hier angesiedelte Running Company als Trainerin und als aktive Läuferin durch zahlreiche Siege wie zuletzt die deutsche Ausgabe von Wings for Life und aktuell den München-Marathon.

„Der Zieleinlauf ist sehr speziell", bekannte Mario Wernsdörfer im Ziel auf der inzwischen wieder verlegten (alten) Kunststoffbahn im Olympiastadion - nach den Kräfte zehrenden 42,195 Kilometern noch schlagkaputt. „Als Kind habe ich auf der Tribüne gesessen und die Bayern angeschaut. Seit Wochen habe ich mir vorgestellt, hier einzulaufen!" Aber über das Wie hüllt sich der 30jährige Polizeiobermeister in Schweigen. Natürlich träumt jeder ambitionierte Läufer, als Sieger ins Stadion einzulaufen. „Obwohl ich Franke bin, es ist ein Sieg daheim!"

Bis Kilometer 18 führte eine Dreiergruppe mit dem 2015er Sieger Florian Stelzle, dem Norweger Elvind Flugstad Ostberg und Mario Wernsdörfer, ehe sich der spätere Sieger mit einem flotten 5 km-Abschnitt absetzen konnte. „Ich habe dann das Tempo wieder herausgenommen, weil es alleine gegen den Wind schon sehr hart war!" Mario Wernsdörfer schwankte, brach aber nicht derart ein, dass sein hartnäckiger Verfolger Florian Stelzle hätte noch eingreifen können. Mit 2:27:50 Stunden lag der Bamberger zwar über drei Minuten hinter seiner in Frankfurt erzielten Bestmarke, hatte aber ausreichenden Vorsprung vor Florian Stelzle (2:29:22) und Elvind Flugstad Ostberg (2:33:33) - und ließ sich nach kurzer Erholungsphase von seinen Würzburger Dienstkollegen und Trainingspartnern Patrick und Dominik Karl feiern, die in Polizeimontur durch die bayerische Landeshauptstadt per Rad unterwegs waren. 

„Der beste Marathon ever!" sprudelt es aus Bianca Meyer heraus. Für die 43jährige ist dabei ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen, denn bislang war die Münchenerin zwar schon mehrfach auf dem Siegerpodest, doch ein Sieg ist ihr nun im vierten Anlauf erst vergönnt. „Ich bin fast wunschlos glücklich, denn es war mein leichtestes Rennen. Nicht zuletzt, weil ich die zweite Hälfte mit einem negativen Split lief!" Und dankte für die zahllose Unterstützung unterwegs: „Überall haben die meinen Namen gerufen. Ich hatte auf dem Marienplatz Gänsehaupt pur und hätte am liebsten angehalten! Aber ich wollte ja unter 2:50 laufen...

Ihr wurde freilich der Sieg dahoam leichtgemacht, denn sowohl Svenja Mann als auch Stefanie Doll fehlten als vermeindliche Mitfavoriten bei der 32. Auflage des München-Marathon. Nach einer Durchgangszeit von 1:25:49 zur Halbzeit legte sie auf der zweiten Streckenhälfte noch einen Zahn zu und schaffte mit 2:49:35 Stunden sogar noch den Sprung unter die 2:50-Stunden-Marke. Mehr als eine Viertelstunde musste sie dann auf die beiden Schweizerinnen Nicole Battaglia-Kubli und Karin Etter-Quabeck waren, die mit 3:05:16 und 3:11:52 Stunden den Sprung auf die weiteren Podiumsplätze schafften. Karin gewann zudem auch die W50-Klasse.

München - diesmal kein Schönwetter-Marathon

Pünktlich zum Start auf dem Coubertinplatz hörte der heftige Regen der Nacht auf und bescherte, bis auf den störenden Westwind, durchaus ordentliche Laufbedingungen. „Heute haben wir gezeigt, dass wir keine Marathon-Organisatoren für schönes Wetter sind", fasste dann auch Gernot Weigl seine Eindrücke bei der Abschluss-Pressekonferenz zusammen. „Wir haben uns nach den Wettervorhersagen mit warmem Tee und Wärmedecken an den Verpflegungsstellen gerüstet, denn ein mulmiges Gefühl hatten wir im Vorfeld schon gehabt!"

So konnten letztlich unter dem Startbanner-Motto „Auf geht's" die 5455 Marathonläufer, 8253 Halbmarathonläufer und 3534 10 km-Läufer wie auch die 2944 Staffelläufer quer durch die inzwischen abgetrockneten Münchener Straßen losgeschickt werden.

Nicht zuletzt durch das breit aufgestellte Programm herrschte im Zielareal im Olympiastadion zumeist ein dichtes Gedränge. Als erster Sieger durfte sich am Marathon-Sonntag Clemens Bleistein feiern lassen. Der für die LG Stadtwerke startende Langstreckler überzeugte dabei mit 30:37 Minuten und einer Minute Vorsprung vor dem Regensburger Erik Hille (31:46). Bei den Frauen gab es durch Andrea Meier (35:47) und Andreina Schwarz (37:13) einen Schweizer Doppelsieg.   

Regelrecht durchpflügen mussten sich die schnellsten Halbmarathonläufer, die um 13.30 Uhr in der Denninger Straße ins Rennen geschickt wurden. Allen voran, sicherlich begünstigt durch das Führungsfahrzeug, der deutsche Marathonmeister 2014, Tobias Schreindl. Der Schützling von Günter Zahn lief ein souveränes Rennen und gewann in 1:08:26 Stunden - und musste kaum mehr als zehn Minuten warten, um seine Frau Susanne als Frauensiegerin zu begrüßen. Das stimmte an diesem oktobergrauen Himmel halbwegs versöhnlich, denn beide waren eigentlich mit anderen Erwartungen nach München angereist. „Ich hatte schon bessere Tage" klagte Tobias über Magenprobleme - und dessen Coach rückte die Perspektive sogleich gerade. „Lieber heute als in drei Wochen bei den Deutschen in Frankfurt!" Für Susanne hätte es schon etwas schneller als die 1:20:09 sein sollen, doch das schien beim Zickzacklaufen durch das hintere Marathonfeld nicht möglich gewesen zu sein. Die junge Gießenerin Franziska Rachowski lag mit 1:20:45 nicht weit dahinter auf Rang zwei.

Eine Olympionikin im großen Läuferfeld...

Im Viererpack wurde übrigens auch kräftig gejubelt. Im Team läuft's sich bekanntlich auch gut. Die Mittel- und Langstreckler des PST Trier mit Andreas Koster, Dominik Werhan, Oliver Ewen und André Wilhelms brauchten 2:29:10 Stunden, waren allerdings wie alle Staffeln mit dem Handikap gestartet, in der letzten Startgruppe ins Rennen gehen zu müssen. Ansonsten hätten die Trierer durchaus Schrittmacherdienste für die Wernsdörfer und Co. machen können. Doch ihr Siegesjubel fiel eher gedrückt aus.

Das Trierer Trainer-Urgestein Volkhart Rosch hatte die Staffel-Teilnahme für seine Trainingsgruppe nach der Saison geplant. „Als eine Art Betriebsausflug", wie die vier Läufer unisono erklärten. Doch direkt nach den Deutschen U23-Meisterschaften in Rostock war der Trainer im Alter von 77 Jahren gestorben. „Wir sind für ihn gelaufen...!"

Im großen Läuferfeld dabei war übrigens mit Christina Hering die deutsche 800 m-Meisterin für das Team evalu.run am Start. Die Olympia- und WM-Starterin in Rio konnte allerdings als Startläuferin im dichten Gedränge nicht ihre Schnelligkeit ausspielen, was auch angesichts der sieben Kilometer langen Teilstrecke auch nicht geraten schien. Mit Regina Högl war allerdings eine weitere Topläuferin im Mixed-Team dabei. Die Landshuterin blickte allerdings schon in Richtung Amsterdam, wo sie in der kommenden Woche einen schnellen Halbmarathon („In Richtung 1:14 bis 1:15") absolvieren möchte. Nach 2:41:29 war übrigens die Teamarbeit für die Hering, Högl und Co. erledigt - unter dem Strich bedeutete dies Rang acht und bestes Mixed-Team.   

Integration und Inklusion

Erstmalig konnten in diesem Jahr Menschen mit Behinderung an den Start gehen, tatkräftig unterstützt vom Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Bayern e.V. (BVS Bayern). Die Strecke führte auf der Original-Marathonstrecke über 7,5 Kilometer vom Odeonsplatz zum Olympiastadion.

Den Auftakt am Marathon-Wochenende bildete die zweitägige Sportmesse in der großen Olympiahalle im oberen Zuschauerrundgang. Auf dem „Parkett" hingegen wurde der stimmungsvolle Trachtenlauf mit einem bunten Querschnitt von Landestrachten bis hin zu Spaßmonturen gestartet. Im Ziel wurden die knapp 800 Teilnehmer mit einem zünftigen Weißwurstfrühstück und dem entsprechenden Weißbier empfangen.

Kulinarisch ging es auch hier am Nachmittag mit der Pastaparty weiter. Etwas deplatziert dabei in der Olympiahatte der Generali Family Day mit einem Laufparcours und Geschicklichkeitsprogramm für die Kids und nur geringer Frequenz. München ohne Fußball geht natürlich nicht, so gab es einen begrüßenswerten Ansatz mit „buntkicktgut", einem Turnier der interkulturellen Straßenfußball-Liga für Jugendliche aus Gemeinschaftsunterkünften für Bürgerkriegsflüchtlinge und Asylbewerber.

2018 mit Titelsponsor im Rennen

Marathonchef Gernot Weigl nutzte natürlich auch die Presserunde für den Ausblick auf den München Marathon 2018. Und dieser wird mit Generali Deutschland AG mit Hauptsitz München einen Titelsponsor haben. Unter dem Motto „Generali bewegt Deutschland" sind inzwischen 20 Laufveranstaltungen mit dem Versicherungskonzern verbunden, darunter auch der Berlin-Marathon. Natürlich freut sich Gernot Weigl auf die 33. Auflage des Marathons, die dann unter dem Titel „Generali München Marathon" gestartet werden wird.

„Wir freuen uns, dass wir mit der Generali einen internationalen Top-Partner gewinnen konnten, mit dem wir die Veranstaltung in den nächsten Jahren erfolgreich weiterentwickeln können."

Wilfried Raatz