• Der Norwegener Sondre Moen – kurz vor dem Ziel beim Fukuoka Marathon – ist der neue Europarekordhalter im Marathon.
    Der Norwegener Sondre Moen – kurz vor dem Ziel beim Fukuoka Marathon – ist der neue Europarekordhalter im Marathon. © Helmut Winter
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71. Fukuoka International Marathon am 3. Dezember 2017: Sondre Moen läuft Marathon-Europarekord - Helmut Winter berichtet

Mit einer Sensation endete am Sonntag mittag die 71. Ausgabe des Fukuoka International Marathon, denn der Norweger Sondre Moen gewann nicht nur den Lauf gegen die ostafrikanische und japanische Konkurrenz, sondern er lief mit 2:05:48 sogar einen neuen Europarekord.

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Damit krönte der 26jährige Läufer seine (kurze) Karriere über die Königsdistanz des Straßenlaufs, die erst vor gut zwei Jahren beim Florenz Marathon mit 2:12:54 begann und ihn dann auf Platz 19 in 2:14:17 bei Olympia in Rio 2016 sah. Im April dieses Jahres verhinderten Magenprobleme im Schlussteil des Hannover Marathon eine bessere Platzierung als Platz 3 in Bestzeit von 2:10:07.

Und diese Zeit hat er nun zum Ende der Straßenlaufsaison mit einer Steigerung um über 4 Minuten im Sinne des Wortes „pulverisiert“.

Dabei war allerdings eine Leistungsteigerung des Norwegers nach seinem grandiosen Auftritt vor einem Monat beim Valencia Halbmarathon in 59:48 durchaus zu erwarten. Auch diese Zeit war im übrigen ein Leistungssprung von über 2 Minuten von seinen Halbmarathon-Zeiten um 62 Minuten seit dem Jahr 2012.

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Der Start zum 71. Fukuoka Marathon wieder landestypisch pünktlich um 12:10:00,0. (c) H. Winter

Bei nahezu idealen äußeren Bedingungen mit Temperaturen über das gesamte Rennen von 14°C bei einem Taupunkt um 3°C war auch der sonst in der Hafenstadt Fukuoka stramm wehende Wind nicht präsent. Diese guten Bedingungen nutzend, legte eine etwa 30-köpfige Spitzengruppe von Beginn an flott los, der erste Kilometer auf der Bahn des Heiwadai Stadions in Fukuoka wurde in 2:57 zurückgelegt. Danach gelang es den großartigen Tempomachern – Dominic Kiptarus (KEN), Marius Kipserem (KEN) sowie Brett Robinson (AUS) – schnell das im Vorfeld anvisierte Tempo von 3 Minuten pro Kilometer zu etablieren.

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Zu Beginn des Fukuoka Marathon werden vier Runden auf der Bahn des Heiwadai Stadions gelaufen. Dort befindet sich auch die 1 km-Marke, die nach 2:57 Minuten passiert wurde. Ganz vorne die drei Tempomacher. (c) H. Winter 

Einem Uhrwerk gleich erreichte die Spitzengruppe 5 km nach 14:59, 10 km in 30:00, 15 km in 44:58 und 20 km in 1:00:01. Viel gleichmäßiger kann man einen Marathon auf hohem Niveau nicht anlaufen. Noch etwa 20 Athleten lagen beim Halbmarathon nach 1:03:19 (1:03:18 ist 3 Minuten/km-Schnitt !) zusammen, nicht mehr vorne dabei war das japanische Lauf-Unikum Yuki Kawauchi, aber vor allem auf der Vorjahressieger und Topläufer dieses Events, Yemane Tsegaye (ETH), der schon nach 7 km zurückfiel. Am Ende biss sich der Äthiopier im Sinne des Wortes mit Rückenproblemen durch und landete in für ihn indiskutablen 2:18:05 nur auf Platz 26.

Nach 22 km in 1:06:00 begann dann die Spitze auseinander zu fallen, bei 25 km nach 1:15:03 waren noch zwei Tempomacher und 9 weitere Läufer vorne. Nach 30 km in 1:30:07 gingen die herausragenden „Hasen“ aus dem Rennen, fünf Läufer kämpften vorne noch um den Sieg – und auch eine gute Zeit, denn man befand sich nach wie vor im Regime einer Zeit im Ziel von unter 2:07 Stunden. Die Entscheidung fiel bereits nach 32 Kilometern in 1:36:00, wo wie im Vorfeld angekündigt der in Japan lebende Kenianer Bedan Karoki das Tempo verschärfte, das dann auch niemand aus der Spitze mitgehen konnte, außer dem Norweger Sondre Moen.

Diese Beiden lagen bei der Wende nach 31,7 km bereits deutlich vor der Konkurrenz, die aus einem Trio mit dem Olympiasieger von 2012 Stephen Kiprotich (UGA), Amanuel Mesel (ERI) und dem Japaner Suguru Osako bestand. Vorne setzten sich Karoki und Moen immer weiter von den Mitstreitern ab, die km-Abschnitte lagen zum Teil sehr deutlich unter 3 Minuten, so dass 35 km nach 1:44:44 ereicht wurden, die letzten 5 km in 14:37 mit einem letzten Kilometer in 2:48 Minuten. Nach 36 km war es überraschend Moen, der sich schnell von Karoki absetzen konnte und nach kurzer Zeit weit vor der Konkurrenz lief..

Hinter Moen holte das Duo Kiprotich und der Japaner Osako den schwächelnden Karoki ein, der nach seinem Debüt mit 2:07 Stunden beim London Marathon im April seinen zweiten Marathon bestritt. Der Japaner lief gleichfalls seinen zweiten Marathon, der von Alberto Salazar betreute Schützling landete im April in Boston 2:10 Minuten und auf Platz 3. An der Spitze zog Moen einsam seine Bahnen und erreichte mit 14:38 für die letzten 5 km die 40 km nach 1:59:23.

Spätestens hier musste sich man Gedanken um den Europarekord im Marathon der Männer machen, den der Franzose Benoit Zwierzchlewski mit 2:06:36 hielt. (Anmerkung: Mike Kigen war zum Zeitpunkt seiner 2:06:10 am 20.3.2016 in Seoul noch kein türkischer Staatsbürger, Antonio Pinto lief am 2000 2:06:36 in London, es erfolgte aber keine Doping-Kontrolle.)

Um es kurz zu machen: Alle Diskussionen um den Europarekord hatten sich um 14:16 Ortszeit in Fukuoka erledigt. Als Moen auf die Bahn des Heiwadai Stadion lief, war bereits klar, dass er sogar unter 2:06 Stunden laufen konnte. Mit einem Schlussabschnitt in 6:25 Minuten von der 40 km Marke überquerte er nach 2:05:48 als Sieger die Ziellinie und erzielte damit einen neuen EUROPAREKORD!

An diesem Erfolg hat sicher sein Coach Renato Canova einen erheblichen Anteil, der Moen seit etwa einem Jahr unter seine Fittiche genommen hat. Den wesentlichen Teil seines Trainings absolviert(e) Moen unter Aufsicht seines Coachs in der Höhe von Iten in Kenia. Erwartungen an einen Start des frisch gebackenen Rekordlers bei der EM in Berlin im Marathon wurden aber gedämpft, ähnlich wie auch Arne Gabius will sich Moen auf die 10000 m auf der Bahn konzentrieren.

In 70 Jahren Fukuoka Marathon ist nur ein Läufer jemals schneller als Moen gewesen, der Streckenrekordler Tsegay Kebede in 2:05:18. Auch dieses Faktum belegt die Ausnahmeleistung des Marathon Shooting Stars der Saison.

fukuoka-mar-2017-winner-moenSondre Moen erreicht das Ziel im Heiwadai Stadion von Fukuoka als Erster und läuft mit 2:05:48 neuen Europarekord. (c) H. Winter

Wie immer sich die Zukunft für den Norweger entwickeln wird, nach der Vorstellung wird man ihm ein erhebliches Potential im Marathon zusprechen müssen, schon nach Fukuoka ist er der schnellste nicht-afrikanische Läufer aller Zeiten auf einem zertifizierten Kurs.

Zufällig lief er übrigens die gleiche Zeit wie der Sieger des diesjährigen London Marathon Daniel Wanjiru, in der aktuellen Weltjahres-Bestenliste eines überaus ereignisreichen Jahres 2017 rangiert Moen auf Platz 12.

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Der Marathon-Olympiasieger von 2012 Stephen Kiprotich wurde Zweiter. (c) H. Winter

Auf Platz 2 spielte Stephen Kiprotich seine Routine aus und ließ in 2:07:10 den Japaner Suguru Osako in 2:07:19 knapp hinter sich. Osako verbesserte sich wie Moen erheblich, seit 10 Jahren war kein Japaner mehr schneller gelaufen als der neue Marathon-Shooting-Star der Laufszene auf der Insel. Erst auf Platz 4 erreichte Bedan Karoki in 2:08:44 das Ziel, Amanuel Mesel wurde wie im Vorjahr Fünfter, nach 2:10:48 in 2016 war er diesmal in 2:09:22 etwas schneller. Und mit dem Japaner Daisuke Uekado in 2:09:27 schafften es insgesamt 6 Läufer unter eine Zeit von 2:10 Stunden.

Beim japanischen Vielstarter mit Kultstatus Yuki Kawauchi lief es nicht ganz so gut wie im Vorjahr, wo er trotz Verletzung im Vorfeld Dritter wurde und sich fürs WM-Team seines Landes qualifizierte. Diesmal lag er nach 20 km jenseits von Platz 20, um sich dann aber im letzten Drittel völlig verausgabt noch auf Platz 9 in 2:10:53 vorzuarbeiten. Einer seiner jüngeren Brüder Yoshiki Kawauchi machte es im Rahmen seiner Standards weit besser und lief in 2:18:47 zum ersten Mal unter 2:20 Stunden.

Insgesamt erreichten in dem reinen Elite-Marathon für Männer 302 Läufer das Ziel, der „Letzte“ war Takuya Shimohigoshi (JPN) in 2:42:56. Mit einer solchen Zeit gewinnt man in unseren Landen so manchen kleineren Marathon ….

fukuoka-mar-2017-poster

Das Poster für den 71. Fukuoka Marathon war an einigen Stellen in der Stadt zu finden. Hervorgehoben sind der Vorjahrssieger Tsegay, aber auch das japanische Lauf-Unikum Yuki Kawauchi. (c) H. Winter

Video von der aufwendig inszenierten Siegerehrung im Nishitesu Grand Hotel Fukuoka.

Helmut Winter

Ergebnisse 71. Fukuoka International Open Marathon Championchips:

P​l​. N​a​m​e 1​0​k​m H​a​l​f 3​0​k​m  Ziel
1 M​O​E​N​,​ ​S​o​n​d​r​e​ (NOR) 3​0​:​0​1 1​:​0​3​:​1​9 1​:​3​0​:​0​8 2​:​0​5​:​4​8
(​1​5​:​0​2​) (​1​5​:​0​4​) (​6​:​2​5​)
2 K​I​P​R​O​T​I​C​H​,​ ​S​t​e​p​h​e​n (UGA) 3​0​:​0​1 1​:​0​3​:​2​0 1​:​3​0​:​0​8 2​:​0​7​:​1​0
(​1​5​:​0​1​) (​1​5​:​0​3​) (​6​:​5​2​)
3 O​S​A​K​O​,​ ​S​u​g​u​r​u (JPN) 3​0​:​0​3 1​:​0​3​:​2​1 1​:​3​0​:​0​8 2​:​0​7​:​1​9
(​1​5​:​0​2​) (​1​5​:​0​3​) (​6​:​5​8​)
4 K​A​R​O​K​I​,​ ​B​e​d​a​n (KEN) 3​0​:​0​1 1​:​0​3​:​2​0 1​:​3​0​:​0​8 2​:​0​8​:​4​4
(​1​5​:​0​2​) (​1​5​:​0​4​) (​8​:​0​6​)
5 M​E​S​E​L​,​ ​A​m​a​n​u​e​l (ERI) 3​0​:​0​2 1​:​0​3​:​2​0 1​:​3​0​:​0​9 2​:​0​9​:​2​2
(​1​5​:​0​2​) (​1​5​:​0​4​) (​7​:​0​8​)
6 U​E​K​A​D​O​,​ ​D​a​i​s​u​k​e (JPN) 3​0​:​0​3 1​:​0​3​:​2​2 1​:​3​1​:​0​2 2​:​0​9​:​2​7
(​1​5​:​0​1​) (​1​5​:​4​4​) (​6​:​5​4​)
7 T​A​K​E​N​O​U​C​H​I​,​ ​Y​o​s​h​i​k​i (JPN) 3​0​:​0​2 1​:​0​3​:​2​1 1​:​3​0​:​1​9 2​:​1​0​:​0​1
(​1​5​:​0​2​) (​1​5​:​1​4​) (​7​:​2​2​)
8 M​I​C​H​A​E​L​,​ ​G​i​t​h​a​e (KEN) 3​0​:​0​2 1​:​0​3​:​2​3 1​:​3​1​:​0​2 2​:​1​0​:​4​6
(​1​5​:​0​2​) (​1​5​:​4​4​) (​7​:​2​7​)
9 K​A​W​A​U​C​H​I​,​ ​Y​u​k​i (JPN) 3​0​:​0​2 1​:​0​4​:​0​3 1​:​3​2​:​3​0 2​:​1​0​:​5​3
(​1​5​:​0​2​) (​1​5​:​5​4​) (​6​:​5​0​)
1​0 F​U​K​A​T​S​U​,​ ​T​a​k​u​y​a (JPN) 3​0​:​0​2 1​:​0​3​:​2​1 1​:​3​0​:​3​7 2​:​1​2​:​0​4
(​1​5​:​0​1​) (​1​5​:​3​2​) (​7​:​2​6​)
1​1 S​O​N​O​D​A​,​ ​H​a​y​a​t​o (JPN) 3​0​:​0​2 1​:​0​3​:​2​4 1​:​3​1​:​3​2 2​:​1​2​:​0​4
(​1​5​:​0​2​) (​1​5​:​5​6​) (​7​:​4​5​)
1​2 S​A​S​A​K​I​,​ ​S​a​t​o​r​u (JPN) 3​0​:​0​2 1​:​0​3​:​2​3 1​:​3​1​:​3​2 2​:​1​2​:​4​0
(​1​5​:​0​2​) (​1​5​:​5​5​) (​7​:​4​3​)
1​3 K​A​M​I​N​O​,​ ​D​a​i​c​h​i (JPN) 3​0​:​0​3 1​:​0​3​:​2​3 1​:​3​1​:​3​2 2​:​1​2​:​5​0
(​1​5​:​0​2​) (​1​5​:​5​5​) (​7​:​5​3​)
1​4 S​U​Z​U​K​I​,​ ​T​a​d​a​s​h​i (JPN) 3​0​:​2​6 1​:​0​4​:​5​1 1​:​3​2​:​5​1 2​:​1​3​:​1​1
(​1​5​:​2​5​) (​1​5​:​4​6​) (​7​:​0​6​)
1​5 M​A​E​D​A​,​ ​K​a​z​u​h​i​r​o (JPN) 3​0​:​3​1 1​:​0​4​:​5​1 1​:​3​2​:​5​7 2​:​1​3​:​1​8
(​1​5​:​1​2​) (​1​5​:​5​2​) (​7​:​1​7​)

 Inoffizielle Zwischenzeiten des führenden Läufers:

distance  split last km last 5 km projection
1 km 2:57 2:57   2:04:29
2 km 6:00  3:03   2:06:35
3 km 8:57  2:57   2:05:53
 4 km 11:57  3:00   2:06:03
 5 km 14:59  3:02 14:59 2:06:27
 6 km 17:58 2:59   2:06:21
 7 km 20:57*  2:59   2:06:17
 8 km 23:56  2:59   2:06:14
 9 km 26:57  3:01   2:06:21
 10 km 30:00  3:03 15:01 2:06:35
 11 km 33:02  3:02   2:06:43
12 km 36:01  2:59   2:06:42
 13 km 38:56  2:55   2:06:22
 14 km 41:56  3:00   2:06:23
 15 km 44:58  3:02 14:58 2:06:29
 16 km 47:56  2:58   2:06:25
 17 km 50:51  2:55   2:06:13
 18 km 53:55  3:04   2:06:23
 19 km 56:57  3:02   2:06:28
 20 km 1:00:01  3:04  15:03 2:06:37
 21 km 1:03:01  3:00   2:06:37
 HM 1:03:19     2:06:38
 22 km 1:06:00 2:59   2:06:35
 23 km 1:09:01 3:01   2:06:37
 24 km 1:12:03 3:02   2:06:40
 25 km 1:15:03 3:00  15:02 2:06:40
 26 km 1:18:04 3:01   2:06:42
 27 km 1:21:05 3:01   2:06:43
 28 km 1:24:07 3:02   2:06:46
 29 km 1:27:09 3:02   2:06:48
 30 km 1:30:07 2:58  15:04 2:06:45
 31 km 1:33:00 2:53   2:06:35
 32 km 1:36:00* 3:00   2:06:35
 33 km 1:39:00 3:00   2:06:35
 34 km 1:41:56 2:56   2:06:30
 35 km 1:44:44 2:48  14:37 2:06:16
 36 km 1:47:46 3:02   2:06:19
 37 km 1:50:40 2:54   2:06:12
 38 km 1:53:35* 2:55   2:06:07
 39 km 1:56:32 2:57   2:06:05
 40 km 1:59:22 2:50 14:38 2:05:55
 41 km 2:02:11 2:49   2:05:45
 42 km 2:05:13 3:02   2:05:48
Marathon 2:05:48    6:26  NR, ER
  1st half 1:03:19 2nd half 1:02:29