• Diskussionsrunde in Würzburg 2017: (v.lks.): Wolf-Dieter Moderator Poschmann, Philipp Pflieger, Kurt Ring,  Christoph Kopp, Klaus Blume und Christoph Herle - (oben per Skype aus Berlin): Hajo Seppelt.
    Diskussionsrunde in Würzburg 2017: (v.lks.): Wolf-Dieter Moderator Poschmann, Philipp Pflieger, Kurt Ring, Christoph Kopp, Klaus Blume und Christoph Herle - (oben per Skype aus Berlin): Hajo Seppelt. © GRR- Maschmeyer
  • Moderator Wolf-Dieter Poschmann
    Moderator Wolf-Dieter Poschmann © Horst Milde
  • Trainer Kurt Ring
    Trainer Kurt Ring © Horst Milde
  • Manager Christoph Kopp
    Manager Christoph Kopp © Horst Milde
  • Athlet Philipp Pflieger
    Athlet Philipp Pflieger © Horst Milde
  • Christoph Herle
    Christoph Herle © Horst Milde
  • Journalist Klaus Blume
    Journalist Klaus Blume © Horst Milde
  • Zuhörer
    Zuhörer © Horst Milde
  • Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion - Wilfried Raatz (ganz lks.)
    Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion - Wilfried Raatz (ganz lks.) © Horst Milde
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Der Leistungssport fordert zum Doping auf - GRR-Jahresmitglieder-Versammlung in Würzburg 2017 mit einer hochkarätig besetzten Diskussionsrunde - von Wilfried Raatz

"Gier nach Rekorden" macht den Sport kaputt"

"Der Sport ist seit Jahrzehnten auf einem Irrweg", so jedenfalls glaubt der Sportjournalist und ARD-Doping-Aufklärer Hajo Seppelt im Rahmen der mit hochkarätigen Experten besetzten Diskussionsrunde anlässlich der GRR-Jahresmitglieder-Versammlung in Würzburg.

Das "Kulturgut Sport" werde aufgrund von Marketinginteressen zerstört, das ständige Streben nach neuen Rekorden und neuen Bestmarken führe dazu, dass, nicht zuletzt auch die Medien angefeuert, der Leistungssport zu einer Leistungsshow für Wenige verkomme.

Und Hajo Seppelt, per Livestream aus Berlin zugeschaltet, fordert unverblümt: "Wir müssen wegkommen von diesem Rekordstreben!"

Kurt Ring, Erfolgstrainer bei der LG Telis Finanz Regensburg, formuliert es unverblümt noch härter: "Durch die ständige Gier nach Bestleistungen machen wir uns den eigenen Sport kaputt und merken es gar nicht". Dabei kritisiert der Regensburger zunächst die von den Verbänden, insbesondere den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) als für seine Sportart zuständigen Fachverband, geforderten Aufnahmekriterien in die Nationalkader, vor allem dann aber die vom DLV ohne Not weiter verschärften Qualifikationsnormen für Welt- und Europameisterschaften und Olympischen Spiele.

"Das ist eine Aufforderung zum Doping, junge Leute lassen sich verführen. Aber sind es nicht die Athleten, die strukturiert dopen. Es sind die Verbände, die dazu letztlich auffordern!"

Geht es nach dem Sportjournalisten Klaus Blume, dann müssten ganze Sportarten wegen systematischen Dopings von der internationalen Bühne eliminiert werden. Der lange Jahre für die "Welt" und den "Deutschlandfunk" arbeitende Blume, zudem ein exzellenter Kenner im Nordischen Skisport, dem Straßenradsport und der Leichtathletik, fordert unverblümt den Ausschluss von Skilanglauf und Biathlon.

Kurt Ring setzt mit seiner Forderung, auch "die Leichtathletik für zumindest zehn Jahre" auszuschließen. In der Expertenrunde bestand zudem Einmütigkeit, dass der teilweise Ausschluss der russischen Athleten in Rio de Janeiro eher als Bauernopfer zu sehen sei.

"Weltweit wird gedopt wie eh und je. Es wird vieles unter den Tisch gekehrt, die Verbände sind organisiert wie die Mafia!" spricht Kurt Ring als Trainer von gleich einem Dutzend Kaderathleten in der Leichtathletik Klartext.

Durch die massiven Manipulationen bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi hat sich der russische Sport "selbst getötet", sagt Hajo Seppelt. Bei anderen Nationen und in anderen Sportarten fehlen Seppelt handfeste Beweise, um auch hier einen kompletten Ausschluss zu fordern. Für die bislang nicht auffälligen russischen Athleten sieht der ARD-Doping-Experte eine Chance zur Teilnahme in einem unter neutraler Flagge startenden Team. "Wenn jetzt nicht seitens des IOC etwas passiert, dann ist dies eine klare Botschaft an die Welt: Wir können tun und lassen, was wir wollen".

Marathon-Olympiastarter Philipp Pflieger ist über die Arbeit einiger Journalisten sehr zufrieden, die letztlich vorrangig dafür verantwortlich waren, dass einiges aufgedeckt wurde. "Was wir ehedem schon wussten!" Und nennt die im Laufsport dominierenden Nationen Kenia und Äthiopien, "wo es für Athleten ganz normal ist, aus dem Stadion über die Straße zu gehen und in der Apotheke nach EPO zu fragen".

Spürbare Sanktionen und Sperren müssten folgen, wenn das im jeweiligen Land installierte Doping-Kontrollsystem versage. "Ich sehe das als eine Art Beugehaft, damit sich die Strukturen verändern! Vielleicht ist das ein Mittel, damit sich Nationen und die Funktionärskaste bewegen!"

Philipp Pflieger ist ein Mann, der kein Blatt vor den Mund nimmt.
Nicht zuletzt, weil er durch die verschärften Normen fast um den Olympiastart gebracht wurde und aktuell vom Kaderausschluss bedroht ist. "Sportler sollen sauber sein und gleichzeitig diese verschärften Normen abliefern. Dadurch sind viele beim vermeindlichen Saisonhöhepunkt nicht mehr ganz fit!"

Einmütigkeit besteht auch in der Diskussionsrunde darin, dass Athleten kaum ein Mitspracherecht haben, obgleich sie eigentlich die zentralen Akteure im Sport sind. Deshalb begrüßt Hajo Seppelt die Gründung von Sportler-Gewerkschaften und ähnliche Vertretungs-Organisationen, was natürlich innerhalb der Verbände nicht unbedingt auf Gegenliebe stößt. "Das übel sitzt in den Verbänden. Die Funktionäre sind die Gegner unserer Athleten!"

Der langjährige ZDF-Sportchef Wolf-Dieter Poschmann moderierte diese mit viel Engagement geführte Podiumsdiskussion, bei der zudem auch mit dem bei führenden Lauf-Veranstaltungen mit der Athletenverpflichtung befassten Christoph Kopp und dem früheren Weltklasse-Langstreckenläufer Christoph Herle teilnahmen.

Wilfried Raatz

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