• Kostüm-Siegerehrung beim Berliner Silvesterlauf (Pfannkuchenlauf)
    Kostüm-Siegerehrung beim Berliner Silvesterlauf (Pfannkuchenlauf) © Horst Milde
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Silvester - der veranstaltungsreichste Lauftag in Deutschland - Vom Pfannkuchenlauf bis zum Samba-Fest in Trier - Von KLAUS BLUME

Die Neujahrsnacht gilt als der veranstaltungsreichste Lauftag Deutschlands!

Wenn Sie Silvester unbedingt auf der alten Bundesstraße 1 feiern möchten, sollten Sie gut zu Fuß sein. Denn das 15 Kilometer lange Teilstück zwischen Werl und Soest wird in der  Nacht zum 1. Januar 2018 für jeglichen motorisierten Verkehr gesperrt.

Weil dann zum 36. Mal die Volksläufer das Prä haben. 10 000 waren es 2016, als der 21-jährige Göttinger Medizinstudent Leif Gunkel siegte und 8000 Laufbegeisterte am Straßenrand außer Rand und Band gerieten.

Wollen Sie mehr erleben, müssen Sie schnell nach New York jetten. Dort feiern sie seit 1959 im Central Park - als Gegen-Fete zu all‘ den Super-Dubber-Parties auf dem Times Square - ihren vier Meilen langen Midnight Run.

Mit Kostümfest, Dj‘s , Live-Bands und einem irren Feuerwerk. 55 Dollar muss zahlen, wer mitlaufen will. Übrigens, wer immer noch glaubt, der für seine Heimatstadt glühende Robert De Niro habe 1988 einen Thriller mit dem Titel „Midnight Run" gedreht, um das Lauffest im Central-Park anzuheizen, irrt gewaltig.

Diese Gangster-Parodie spielt in Las Vegas, wird aber dennoch mit dem Silvesterlauf in Central-Park in Verbindung gebracht. Warum? Wegen De Niro. Versteht niemand, sei aber so.

Aber niemand muss nach New York reisen, um bei einem Straßenlauf Silvester zu feiern. Schließlich gilt die Neujahrsnacht als der veranstaltungsreichste Lauftag Deutschlands:

109 (!) solcher Rennen stehen diesmal auf dem Programm.

Unsereins bleibt da lieber daheim und schaltet am 1. Januar 2018, punkt ein Uhr in der Früh‘, das Radio ein, und zwar den World Service der BBC. Dort senden sie seit Jahrzehnten am Ende der Nachrichten zuverlässig die Ergebnisse der „Corrida Internacional de Sao Paulo" - des ältesten und legendärsten Silvesterlaufs der Sportgeschichte.

Dieses Ritual lernte ich noch daheim, wo die BBC zu Nazi- und später zu DDR-Zeiten mit angelegtem Ohr gehört wurde. 1951 war‘s, als die Familie still jubelte, weil mit dem Göttinger Erich Kruzycki ein Deutscher gewonnen hatte.

Der 1993 Verstorbene, mit dem Silbernen Lorbeerblatt geehrt, blieb der einzige deutsche Sieger in Sao Paulo. Jedenfalls bei den Männern.

Den letzten Erfolg einer deutschen Frau feierte 1980 in Sao Paulo die heute in Kreuth am schönen Tegernsee lebende Heidi Hutterer. Doch untrennbar ist das Rennen von Sao Paulo vor allem mit Christa Vahlensieck verbunden, der großen Pionierin des Frauen-Marathons. 1975 und 1976 triumphierte sie in Brasilien; ihre Weltrekorde wurden Geschichte. Heute joggt sie, fleißig aber meist unbemerkt - es ist der Lauf der Zeit.

109 Silvesterläufe stehen in der Nacht zum 1. Januar 2018 hierzulande auf dem Programm. Von Bietigheim, wo Arne Gabius auftritt, bis zu Geza Krauses neuer Lauf-Heimat Trier, wo bei heißen Samba-Rhythmen Zehntausende in Deutschlands ältester Stadt mitfeiern; die Skala reicht vom Berliner „Pfannkuchenlauf" bis zum rheinischen Gummersbach, wo seit 1978 der älteste deutsche Silvesterlauf gestartet wird. 

Wer noch mehr erleben will, vor allem Party und hochklassigen Sport in einem, sollte zur 43. Auflage des Bozener Silvesterlaufs reisen; mindestens 20 000 Zuschauer feiern dort in der idyllischen Altstadt. Eine wunderbare Atmosphäre und am Start ist obendrein einer der großen Äthiopier: Muktar Edris, seines Zeichens Weltmeister über 5000 Meter.

Oder man reist nach Zürich, wo der Start punkt Mitternacht zusammen mit dem Glockenschlag aller Kirchen ertönt - für Läufer aus vierzig Ländern.

Unsereins wird dann eine Stunde später der BBC lauschen, um endlich zu wissen, wer diesmal den 1925 ins Leben gerufenen Silvesterlauf von Sao Paulo gewonnen hat.

Klaus Blume
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