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TOUR DE SKI: Lieber ein Schweizer als ein russischer Sieger - Von KLAUS BLUME

VAL DI FIEMME - Die Freude über Dario Colognas vierten Gesamtsieg auf der Tour de Ski war größer denn je. Nicht nur bei dem 31jährigen Olympiasieger aus der Schweiz, vor allem bei dessen österreichischen Ski-Ausrüster Fischer und dem Internationalen Ski-Verband (FIS).

Dass der russische Vorjahrssieger Sergej Ustjugow nur siebzig Minuten vor dem Berg-Finale in Val di Fiemme - angeblich wegen Rückenbeschwerden - aufgab, schien einem zuvor erstellten Drehbuch zu entsprechen.

Denn beim Weltmarktführer Fischer wissen sie seit Jahren, dass mit dem Namen eines russischen Siegers noch nicht einmal in dessen Heimat Skibretter und Skischuhe zu verkaufen sind. Auf den russischen Markt hatte das noch nie besondere Auswirkungen. Jürg Capol, Marketingchef des Welt-Ski-Verbandes FIS, erklärt es so: „In Russland lief die Tour de Ski nur im Pay TV. Deshalb hatte die Performance der Athleten nur einen sehr geringen Einfluss."

Und außerhalb Russlands hatte sie es erst recht nicht. Ob in Mitteleuropa, Skandinavien oder Nordamerika - russische Namen kann sich dort kaum jemand merken, geschweige denn einwandfrei buchstabieren, um in einem Sportgeschäft dessen Material zu erstehen. Auch deshalb lautete, natürlich unausgesprochen, bei Fischer das Credo:

Lieber ein Schweizer als ein Russe als Sieger! Das habe selbstredend nichts mit dem schwelenden Doping-Skandal um russische Olympiasieger zu tun, sondern  sei ausschließlich aus marketingtechnischen Gründen zu erklären.

Ein Cologna in Bestform, obendrein in seiner zurück genommenen Art fast ein Roger Federer des Ausdauersports, hat die gesamte Tour de Ski positiver vermarktet als erwartet. Einer, wie er lockte massenhaft Zuschauer nach Lenzerheide, Oberstdorf und am Wochenende auch nach Val di Fiemme. Die TV-Einschaltquoten quer durch Europa bedürfen zwar noch der sorgfältigen Auswertung, doch FIS-Marketingchef Jürg Capol ist sicher, dass deren Stabilität auch mit der Person Colognas zusammen hängen.  

Man bedenke obendrein, dass jemand, wie Dario Cologna - also einer der erfolgreichsten Skilangläufer überhaupt - im letzten Sommer noch einmal zum Lehrling geworden war. Mit konsequenten Feilen an kleinen Details in der Rumpfstabilität und bei der Beinarbeit wurde dabei enorm viel verbessert. Colognas bisheriges kleines Defizit, bei maximaler Belastung nicht immer stabil auf dem Ski zu stehen, war nicht  mehr zu sehen. 

Nun hat Cologna die Tour de Ski 2009, 2011, 2012 und 2018 gewonnen, doch das ist nicht sein Hauptziel in diesem Winter. Er will bei den Olympischen Spielen im Februar in Südkorea seine zwei Goldmedaillen von Sotschi 2014 verteidigen. Deshalb wird er zuvor kaum mehr starten, sondern sich stattdessen gewissenhaft vorbereiten. Und auch darüber reden, wenn er gefragt wird.

Doch wie reagieren die Kontrahenten auf den neuen Cologna?

Der ebenso wie der Schweizer und Ustjugow bei Fischer-Ski unter Vertrag stehende Norweger Martin Johnsrud, immerhin dreimaliger Weltcup-Gesamtsieger, ließ nach seiner Niederlage die norwegischen Reporter, ob vom Fernsehen, vom Radio, von den Nachrichten-Agenturen oder von den führenden Zeitungen, einfach wortlos stehen und stapfte von dannen.

Nicht unbedingt ein Aushängeschild für seinen Sport. 

Klaus Blume
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