• Dr. med. Willi Heepe, Kardiologe, Marathonläufer und langjähriger Medical-Direktor des BERLIN-MARATHON
    Dr. med. Willi Heepe, Kardiologe, Marathonläufer und langjähriger Medical-Direktor des BERLIN-MARATHON © privat
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Plötzlicher Herztod bei jungen Sportlern - Ruhe ist die einzige Therapie - Dr. med. Willi Heepe in LAUFZEIT - Die Myokarditis oder Herzmuskelentzündung.

Therapie: Das wirksamste Medikament mögen die Sportler überhaupt nicht es heißt einfach Ruhe. Auch in der Gegenwart müssen wir zur Kenntnis nehmen Antibiotika gegen Viren gibt es nicht

Der plötzliche Herztod ist in Europa immer noch eine der häufigsten Todesursachen. Betroffen sind in erster Linie ältere Menschen. Jedoch werden von diesem Tod in 5 bis 10%  auch jüngere scheinbar gesunde und Sport treibende ereilt. Bei circa 70% dieser Ereignisse lässt sich die Todesursache klären. In den restlichen Fällen ist autoptisch die Todesursache nicht zu verifizieren.

Hierfür kommen eine Reihe Ursachen unter andern auch kardiale Gendefekte infrage.

Im Bereiche des Sportes ist für plötzliche Todesfälle in erster Linie die Myokarditis oder Herzmuskelentzündung zu diskutieren.

Was ist eine Herzmuskelentzündung?

Jeder kennt die schmerzenden Muskeln bei einem Grippeinfekt. Die Ursache liegt in einer Entzündung der Muskelfasern durch Viren. Analog können Viren und Bakterien den Herzmuskel befallen. Bakterielle Infekte waren früher die Domäne in erster Linie von verschleppten Hals und Mandelentzündungen. Sie führten häufig zu einer schweren Schädigungen des Herzmuskels und einer Schädigung bis zur vollständigen Zerstörung von einzelnen oder mehreren Herzklappen.

Dieses Krankheitsbild ist erfreulicherweise seltener geworden da diese Art von Entzündungen durch moderne Antibiotika beinahe immer gut zu beherrschen ist. Im Ansatz sehe ich sie noch immer wenn Eltern zum Beispiel Antibiotikaanwendung bei ihren Kindern absolut ablehnen und die große Gefahr der bakteriellen Beteiligung des Herzens nicht einsehen wollen.

Das schwierigste Kapitel sind Virusinfekte mit Beteiligung des Herzmuskels. Es gibt eine große Anzahl von Viren die wir unter dem Begriff der cardiotropen Viren zusammenfassen welche bevorzugt den Herzmuskel befallen können. Nicht immer ist der gesamte Herzmuskel betroffen. Häufig sind nur einzelne Wandareale vom Virus befallen.

Die Diagnose:

Die Diagnose ist in der Gegenwart trotz immensen medizinischen Fortschritt noch immer problematisch. Ein Virusinfekt des Herzens ist mit dem Stethoskop nicht zu hören. Das Ruhe EKG gibt kaum eine Information. Die Echokardiographie kann bei einem regionalen Befall des Herzmuskels Hinweise geben, ist aber selten beweisend. Das Belastungs EKG hilft manchmal wenn man einen normalen Vorbefund vorliegen hat etwas weiter.

Von einzelnen kardologischen-Zentren werden über Herzkatheter Untersuchungen Biopsien direkt aus dem Herzmuskel vorgenommen um aus mikroskopischen und immunologischen  Analysen der Wahrheit ein Stück näher zu kommen. Diese Untersuchungsmethode muss äußerst kritisch gesehen werden und stößt selten auf Begeisterung.

Sorgfältig vorgenommene Blutuntersuchungen können Hinweise geben ihnen fehlt jedoch auch die Beweisführung. Um den Entzündungsverlauf zu dokumentieren sind sie unersetzlich. Zu bemerken ist das das Risiko der Myokarditis im wesentlichen durch die höchst individuelle Neigung zu Herzrhythmusstörungen bestimmt wird. Hier spielt die Langzeit-EKG Registrierung insbesondere auch in der Verlaufs Beobachtung eine sehr wichtige Rolle

Die Revolution liegt in der MRT. Als erste Untersuchungsmethode kann die Magnetresonanztomographie strukturelle Veränderungen des Herzmuskels aufzeigen und in vielen Fällen eine Beweisführung für das vorliegen einer Myokarditis erbringen. Aus meiner eigenen langjährigen sportkardiologischen Erfahrung ist es mir in der letzten Zeit gelungen mit dieser Methodik sicher zu diagnostizieren. Leider gibt es Schwierigkeiten bei der Verordnung dieser Diagnostik da die gesetzlichen Krankenkassen diese Leistung nicht übernehmen wollen.

Im Fazit gehört viel Erfahrung, sehr viel Sorgfalt, und insbesondere Zähigkeit auf beiden Seiten Arzt-Patient dazu  der Wahrheit näher zukommen.

Therapie:

Das wirksamste Medikament mögen die Sportler überhaupt nicht es heißt einfach Ruhe. Auch in der Gegenwart müssen wir zur Kenntnis nehmen Antibiotika gegen Viren gibt es nicht. Letztlich muss jeder Betroffene mit dem Gegner selbst fertig werden. Begleitmedikamente richten sich immer nach dem individuellen Krankheitsbild sind aber selten kausal. Die Krankheitsdauer hängt ab vom Virustyp, Immunstruktur und der Psycho-physischen Gesamtsituation des Betroffenen..

Die Gefahr:

Vereinfacht dargestellt verändert jede Entzündung jede Muskelzelle und führt zu Schwellungen beziehungsweise Verdickungen der Zellmembranen. Dieses hat zur Folge dass die Sauerstoff- und Energieversorgung der Herzmuskelzelle sowie ihre Entgiftung bis zur vollständigen Ausheilung verlangsamt sind.

Hierin liegt die Gefahr. Belaste ich den Herzmuskel in oder unmittelbar nach der Entzündung im höheren Bereich bricht durch die Verdickung der Zellmembranen ab einer bestimmten Belastungsintensität Versorgung und Entgiftung zusammen und führt zu einem elektrischen Chaos sprich tödlichem Herz flattern.

Wo liegt die kritische Grenze? Jeder einzelne Betroffene ist mit Behutsamkeit und der laufenden Kontrolluntersuchungen in ein normales „Sportlerleben“ zurückzuführen.

Eine nicht zu unterschätzende weitere große Gefahr liegt im folgendem: Sportler verfügen häufig über eine doppelte bis dreifache Leistungsbreite  gegenüber Normalpersonen. Daher wird von vielen Ärzten in Unkenntnis dieser Tatsache der Sportler falsch eingeschätzt und die Diagnostik erschwert.

Ein weiteres Problem liegt darin das Sportler zum großen Teil Probleme haben Krankheit anzunehmen und zu akzeptieren; die meisten leben im Irrglauben wer Sport treibt und sich gesund ernährt ist immer gesund. Dieser Irrglaube kann das Leben kosten.

Rehabilitation:

In der ersten Phase der Entzündung ist das oberste Gebot Ruhe. Selbstverständlich gehören leichte Entspannungselemente, Lockerungsübungen und gehen dazu. Die Wiederaufnahme eines Trainings hängt von den Kontrolluntersuchungen ab. Auf jeden Fall müssten sämtliche Laborwerte normalisiert sein. Die Kontroll-MRT sollte ein abgeschlossenes Narbenbild abzeichnen. Druck- und Engegefühle im Brustkorb sollten nicht mehr vorhanden sein.

Dann ist die Spiroergometrie der Goldstandard in der Trainings Beratung. Grundsätzlich gilt lange Zeit sind anaerobe Belastungen zu vermeiden. Der GA I- Bereich ist beinahe immer ohne Risiko.Der GA II-Bereich sollte in Etappen zurückerobert werden. Dieser Bereich sollte  mit einer Langzeit EKG-Registrierung sicherheitshalber kontrolliert werden.

Das Langzeit- EKG dokumentiert dann hoffentlich den Rückgang der entzündungsbedingten Herzrhythmusstörungen und ihr völliges verschwinden,

Fazit:

Virus-Herzmuskelentzündungen sind häufig eine heimtückische noch immer ernst zunehmende und gefährliche Erkrankung. Ihre Diagnostik ist unverändert schwierig. Das Therapiepotenzial ist gering. Geduld und Ruhe sind die wichtigsten Medikamente. Die absolute Ruhephase muss mindestens vier bis sechs Wochen ertragen werden.

Wenn der Tod des Rene Herms, gestorben an einer Virusgrippe, einen einzigen Sinn hat dann den zu erkennen wie behutsam wir mit unserer Gesundheit umgehen müssen.

Dr. med Willi Heepe in LAUFZEIT - Februar 2009
Kardiologe, Marathonläufer und langjähriger Medical-Direktor des BERLIN-MARATHON

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Dr. med Willi Heepe

LAUFZEIT