Werner Schildhauer

Werner Schildhauer (DDR) - lks. jubelt über seinen zweiten Platz bei den I. Weltmeisterschaften der Leichtathletik in Helsinki 1983 - im Hintergrund ist Thomas Wessinghage zu erkennen, der Sieger (r.) ist Eamonn Coghlan (IRL) in 13:28,53 © picture-alliance / Sven Simon

Die I. Weltmeisterschaften der Leichtathletik in Helsinki 1983 - Robert Hartmann schreibt über die 5.000 und 10.000 m - Werner Schildhauer zweimal Zweiter - Thomas Wessinghage wird Sechster - Der läuferische Rückblick - Teil II

Coghlan zündete noch schnell einen kleinen Nachbrenner, und weg war er. Die Siegerzeit betrug 13:28,53 Minuten, den letzten Kilometer durchmaß er durchaus königlich in 2:24,76 Minuten.

Was war es, was hatte sich Thomas Wessinghage vorwerfen können?
Der sechste Platz im 5000-m-Lauf konnte den Europameister ja nicht zufriedenstellen. Wenn die großen Tenöre singen, steht der 31 Jahre alte Arzt sonst in der ersten Reihe, und noch fünf Wochen vor dem mißlungenen WM-Auftritt hatte er im Bislett-Stadion von Oslo den siebentausend Zuschauern durch den Lautsprecher zugerufen: »Wenn Sie hier die Finger kreuzen, wird es schon klappen in Helsinki.«

Optimismus braucht sich niemand vorwerfen zu lassen. Aber sonst? Eigentlich nichts. Wessinghage hatte sich von November bis Mitte Mai im klimatisch günstigen Klima von Kalifornien aufgehalten. Er hatte seine Familie mitgenommen, ein Haus gemietet, sich in der Orthopädie weitergebildet, so daß er nicht ständig »an den nächsten Endlauf zu denken brauchte«.

Wieder im europäischen Sommer, war er keinem harten Rennen aus dem Wege gegangen, er wiederholte den gleichen Wettkampfrhythmus, der ihn ein Jahr davor wie selbstverständlich auf den Gipfelpunkt seiner Laufbahn geführt hatte.

Es ist unbefriedigend, sich nichts vorwerfen zu können, oder? Man hängt in der Luft und flattert von einer Frage zur anderen und tut gut daran, irgendwann das Unvermeidliche hinzunehmen. Einfach zu akzeptieren. Wessinghage gewann die 5000 Meter beim Europapokal-Endkampf in London. Seine Muskeln waren dort locker, wo sie in Helsinki kein Blut mehr durchließen. Der Sprung nach vorn stellte sich eine Woche zu spät ein.

Dies sind die Unwägbarkeiten, welche die glorreiche Ungewißheit des Sports ausmachen. Glorreich? Auf dem Rücken irgendeines Sportlers muß der Triumph des Siegers ja ausgetragen werden.

Mehr über den Rückblick von Werner Schildhauer