Kelli White

Kelli White siegt überlegen in Paris 2003 ©Victah Sailer

In einem anderen Körper - Kelli Whites Titel von 2003 stehen für die dunkle Macht der künstlichen Leistungssteigerung – und für die Zwänge einer rücksichtslosen Sportindustrie - Francesca D’Amicis / Thomas Hahn in der Süddeutschen Zeitung

Sie sah diesen mächtigen Abstand zwischen sich und den anderen und sie dachte: „Das ist nicht fair.” Zwei Tage später meldete die Sportzeitung L‘Équipe, dass Kelli White positiv auf das Psychostimulans Modafinil getestet worden sei.

Die Fragen kommen immer noch. Sie wehen herüber aus der Vergangenheit wie ein kalter Wind, und Kelli White überlegt sich jedes Mal sehr gut, ob sie sich ihnen aussetzen will. Sie hat viel zu tun. Sie ist Marketingmanagerin in Union City/Kalifornien, 32, zufrieden, ausgeglichen, längst fertig mit ihrem Leben als Profisprinterin, in dem sie einst ihr Gewissen verkaufte.

Und hat sie nicht schon alles erzählt? Damals, als der Skandal um das Doping-Labor Balco die US-Öffentlichkeit fast täglich beschäftigte? Sie wartet nicht auf Interview-Gesuche. Wenn welche kommen, legt sie sie zunächst beiseite. Überdenkt sie später. Zögert. Bittet, die Fragen sehen zu können. Überlegt noch einmal. Und dann sagt sie ja oder nein, wobei ihr das Nein näher liegt als das Ja, gerade wenn es um die Geschichte ihrer Siege bei der Leichtathletik-WM 2003 in Paris geht, die sich nämlich nicht so einfach dahererzählen lässt im stolzen Ton der Verklärung wie andere Siegesgeschichten.

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