• Isaac Makwala
    Isaac Makwala © Victah Sailer
  • Der südafrikanische Weltrekordler
    Der südafrikanische Weltrekordler "Bruder" Wayde van Niekerk © Victah Sailer
  • Baboloki Thebe
    Baboloki Thebe © Victah Sailer
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    Nijel Amos © Victah Sailer
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LEICHTATHLETIK-WELTMEISTERSCHAFTEN London 2017 Botswana: Ostafrikas Talent- oder Doping-Kreuz? Von KLAUS BLUME

Wer öfters mit ostafrikanischen Läufern zu tun hat, lernt bald, was sich hinter deren üblicher Großsprecherei verbirgt.

Jetzt hat Isaac Makwala aus Botswana in London angekündigt: „Wir wollen die 400-Meter-Strecke nach Afrika bringen und zu einem afrikanischen Rennen machen. Es war bisher ein amerikanisches Rennen, doch jetzt wird alles anders. Wir werden die USA auch am letzten WM-Tag mit unserer 4x 400-Meter-Staffel schlagen.“

Wie bitte?

Seit es Leichtathletik-Weltmeisterschaften gibt, also seit 1983, gab es über 400 Meter zehn amerikanische Weltmeister; mit ihren 400-Meter-Staffeln siegten die USA neunmal. Eine Überlegenheit, die es in keiner anderen Disziplin gegeben hat. Und nun kündigt ein Mann aus Botswana deren Ende an. Und kann es auch noch begründen.

Also: Isaac Makwala, 30, 32 oder 33 Jahre alt - wer weiß das schon?
- verblüffte die Leichtathletik-Welt am 14. Juli in Madrid mit einem „Weltrekord“ der besonderen Art: Er sprintete innerhalb von 75 Minuten die 200 Meter in 19,77 und die 400 Meter, jenes männermordende Monster, in 43,92 Sekunden.

„Historisch“ nannte Spaniens Weltblatt „El Pais“ diese Sturmläufe. Zumal Makwala anschließend  verkündete: „Ich bin zufrieden, denn jetzt weiß ich, dass ich noch schneller laufen kann. Mein Ziel bei den Weltmeisterschaften in London heißt Gold!“ Ob das nicht alles zu hoch gegriffen sei, wurde er gefragt. Makwala lächelte nachsichtig und verwies auf eine ähnliche Vorstellung 2014 im schweizerischen Uhren-Städtchen La Chaux-de-Fonds. Dort habe er an einem Tag 19,96 und 44,01 Sekunden erreicht.

Und auch damals keine Müdigkeit verspürt.

Dienstagabend soll nun sein erster WM-Sturmlauf erfolgen, über 400 Meter - im Duell mit dem südafrikanischen Weltrekordler Wayde van Niekerk (43,03 Sekunden), den er „meinen Bruder“ nennt, und deshalb den Sieg nicht neiden würde. „Wirklich nicht.“ Auch seinem Landsmann Baboloki Thebe traue er den WM-Titel zu, immerhin sei dieser der zweitschnellste 20jährige 400-Meter-Läufer der Sportgeschichte. In einer Hochglanzbroschüre, ausgelegt in den Botschaften dieses afrikanischen Landes, findet sich der Satz: „Sie machen uns stolz, Botswana zu sein.“

Mit zehn Athletinnen und Athleten
ist das Team Botswanas nach London gekommen - ausschließlich aus 400-Meter-Spezialisten bestehend; bis auf den Staffelläufer Nijel Amos, der als das vielleicht größte Talent auf der 800-Meter-Distanz gerühmt wird.

Frankreichs berühmtes Sportblatt „L‘Equipe“ fragte deshalb verwundert: „Ist Botswana das neue Talent-Drehkreuz der Leichtathletik?“

Zumal ständig unbekannte Nachwuchsläufer auftauchen. Was aber auch notwendig sei, erklärt Makwala, weil nicht jedes Talent bei der Stange bleibe. Der 19-jährige Karabo Sibanda, zum Beispiel, im vorigen Jahr schon Olympia-Fünfter, überlegt ernsthaft, ob er sich nicht doch lieber dem Schachspiel zuwenden sollte; immerhin führt ihn der Welt-Schachverband (FIDE) als besten Junior seines Landes. Und das, obwohl er kaum Zeit zum Üben findet.

Übrigens: Wenn Sie am Dienstagabend die Leichtathletik-WM im Fernseher einschalten sollten, lassen Sie sich neben dem 400- auf keinen Fall den 800-Meter-Lauf entgehen. Den Nijel Amos, in Rio schon Olympia-Fünfter mit der 400-Meter-Staffel, ist ein geradezu begnadetes Talent.

Der junge Mann ist erst 22 Jahre alt, doch er scheint mit seinen Konkurrenten zu zu spielen wie ein ausgebuffter Routinier. Vom 1. bis 16. Juli stellte er sich auf den Diamant-League-Meetings in Paris, Rabat und London vor - jeweils mit eindrucksvollen Siegen.

Mit einer Bestzeit von 1:41,17 Minuten nimmt er übrigens neben IAAF-Präsident Sebastian Coe Platz drei in der ewigen Weltrangliste ein.  Coe, seiner Zeit weit voraus,  schaffte das schon 1981.

Das Super-Talent Nijel Amos aber wird von vielen mit Argusaugen beobachtet, auch von Coe. Denn er gehört zum Rennstall des umstrittenen Italieners Federico Rosa, der sich wegen der Doping-Betrügereien seiner kenianischen Klientin Rita Jeptoo beinahe eine längere Gefängnisstrafe eingehandelt hätte.

Und: Zu Rosas Laufstall gehört auch Botswanas erste Leichtathletik-Weltmeisterin, Amantie Montsho. Sie hatte 2011 den Titel über 400 Meter gewonnen; 2014, bei den Commonwealth-Spielen in Glasgow, fanden die Doping-Experten in ihrem Blut dann das verbotene Medikament Methylhexanamin - und sperrten sie für zwei Jahre.

Ist Botswana tatsächlich nur das neue Talent-Drehkreuz der internationalen Leichtathletik?

Klaus Blume
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