• Dr. Willi Heepe
    Dr. Willi Heepe © Horst Milde
  • | MEDIZIN

Jeden kann es erwischen - Medizinische Hintergründe und Tipps zum (sportlichen) Verhalten bei Erkältungskrankheiten - Dr. med. Willi Heepe

Dr. Willi Heepe in LAUFZEIT&CONDITION 11/2015

Wir wissen nicht genau, wann er kommt und wie sie lange er anhält, aber er kommt bestimmt der Winter. Er bringt das Wetter mit sich, das der Läufergemeinde nicht schmeckt und nicht bekommt.

Er geht erfahrungsgemäß einher mit vermehrtem Auftreten grippaler und bronchialer Infekte, oft gekennzeichnet durch lange Verlaufsdauer und häufig getragen von Intervallen.

Was ist gefährlich an diesen Infekten? Was macht sie so besonders? Warum sind Läufer nicht geschützt? Denn wir gehen ja davon aus, dass uns der Sport gesund hält, dass alle, die Sport treiben, nie erkranken und mit diesen Problemen eigentlich nicht konfrontiert werden.

Diese Annahme ist falsch.

Grundsätzlich kann es jeden erwischen. Niemand ist letztlich und endlich völlig geschützt. Was können wir tun? Wie können wir uns schützen? Wie können wir die Gefahr häufiger Infekte minimieren?

Generell gilt, moderater Sport mit viel Bewegung in der Natur ist ein hervorragendes Training des Immunsystems. Zusätzliches Immuntraining durch Wechselduschen, Saunabaden, kalte Güsse etc. sind hervorragende Instrumente, die die Reagibilität (Reaktionsfähigkeit auf äußere Reize) des Immunsystems günstig beeinflussen.

Auch eine gesunde, vitaminreiche Kost dient der Stabilisierung des Immunsystems. Doch generell gilt auch, dass es bisher keine überzeugenden medikamentösen, geschweige denn vorbeugenden Konzepte gibt, die eine Infektion verhindern bzw. das Auftreten von Infekten gänzlich verhindern könnten. Es gibt hier keine Wundermittel.

Solide sind selbstverständlich Schutzimpfungen, wie die Grippeimpfung oder ein anderweitig ausreichender Impfstatus gegen alle üblichen Risiken, die durch eine aktive Impfung Immunität gewährleisten können.

Hautpflege als erste Barriere

Wie sieht das Schutzregime des Menschen aus? Wir alle besitzen ein ungeheuer ausgeklügeltes Immunsystem mit einer Abwehrfront, von der jeder Kriegsherr in seinen Planungen lernen könnte.

Die erste Immunbarriere stellt immer die Haut dar. Eine gut gepflegte, nicht ausgetrocknete Haut mit einem ausreichenden Säureschutzmantel ist eine hervorragende Immunbarriere, um schon an der Haut Kontaktkeime etc. abzufangen und gegebenenfalls auch durch den Säurepanzer zu töten.

All zu intensives Reinigen, all zu intensives Waschen und Stören dieses Schutzmantels kann schon die Infektabwehr reduzieren und uns anfälliger für zahlreiche Infekte machen. Die zweite Barriere sind die Schleimhäute, beginnend im Mund, in den Rachen- und Kehlkopfbereich übergehend, bis hinunter in die Bronchien und ihre weiten Verzweigungen. Diese Immunbarriere ist eine der empfindlichsten und anfälligsten.

Die Schleimhäute sind schon im Bereich des Mundes durch einen schlechten Zahnstatus häufig mit Bakterien durchsetzt und haben eine geminderte Abwehrkraft. Die Schleimhäute selbst können Gegner einigeln, können ihn durch ihren permanenten Sekretfluss wieder nach außen transportieren. Insbesondere haben die Bronchien hier hervorragende Eigenschaften.

Auf unserer Bronchialschleimhaut bis in die Tiefe der verzweigten Bronchien befindet sich ein ausgeklügeltes Abwehrsystem mit hohen zylindrigen Zellen, welche permanent eine zähfließende Schleimflüssigkeit produzieren, die von auf den Bronchien befindlichen Flimmerhärchen in einer Permanentbewegung Richtung Kehlkopf transportiert wird, sodass sämtliche eingeatmete Staub-und Dreckpartikel, auch Keime, auf diesem Wege wieder den Ausgang finden.

Die gestörte Funktion dieser Flimmerhärchen, z. B. durch Rauchen, z. B. durch Gase und Gifte, kann zur Stagnation dieses Flusses führen und damit zu gehäuften Entzündungen im Bereiche der Bronchien. Doch gerade dieses Körpersegment ist bei vielen Sportlern auch sehr empfindlich. Sie reagieren auf Kälte und andere Reize mit einer sogenannten Überempfindlichkeit, einer Hyperreagibilität. Diese beinhaltet eine mangelnde Verflüssigung des Schleimes, eine örtliche Entzündungsreaktion und eine Engstellung der Bronchien.

Dieser Teufelskreis kann im Prinzip nur durch eine kombinierte, ausgetüftelte, fachärztlich verordnete Medikation durchbrochen werden. Mit Gewalt ist hier kein Gegenmittel gegeben, sondern ein sorgfältiger Umgang mit dem eigenen Körper, eine gute Behutsamkeit und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Arzt und Sportler sind an dieser Stelle erforderlich. Häufig werden gerade im Bereiche der Bronchien unsinnige Strategien
gefahren, unsinnige Medikationen oder auch unsinnige Therapien entwickelt.


Ein sorgfaltiger, pflegender Umgang mit diesem ausgeklügelten Abwehrsystem ist eine der besten Grundlagen einer gesunden Immunlage.

Trainingspause bei Infekten

Gelingt es trotzdem einem Keim, den Körper zu erreichen, so ist eine Verbreitung meistens unaufhaltsam. Er breitet sich je nach Typ in verschiedenen Körpergeweben aus. Gewöhnliche Grippeinfekte bevorzugen das Muskelsystem, bekannt auch durch die Muskel- und Gelenkschmerzen, die in Begleitung von Virusinfekten wahrgenommen werden.

Ist dieser Zustand erreicht, gibt es nur ein Medikament: Ausreichend viel trinken, wenn nötig, eine fiebersenkende oder schmerzstillende Tablette (z. B. Aspirin oder Paracetamol oder ähnliche). Nach solchen Infekten ist immer eine ausreichende Ruhezeit erforderlich, bis die Aufquellungsreaktionen in den Geweben sich wieder vollständig zurückgebildet haben.

Dies kann unter Umständen bis zu vier, oder gar auch bis zu sechs Wochen dauern. An dieser Stelle wird häufig gesündigt, dass zu viel und zu früh mit dem Training begonnen wurde.

Auch die Irrtümer früherer Laufpäpste, die darin bestanden, dass sie glaubten, mit der künstlichen Temperaturerhöhung durch den Laufsport Fieberinfekte zu besiegen.

Ein gefahrlicher Irrtum, denn in der fieberhaften Erkrankung sich zu aktivieren, kann bedeuten, dass diese Infekte nur vermehrt im Körper verteilt werden und insbesondere den Herzmuskel gefahrden.

Letzterer ist unser größtes Sorgenkind.

Die Beteiligung des Herzmuskels sinkt bei Fieberinfekten nur schwer erkennbar und ist nur schwer diagnostizierbar. Das "Abhören", die Laborwerte, das EKG und der Ultraschall bringen hier häufig nicht die ausreichende Klärung. Häufig sind weitergehende
Untersuchungsmethoden, wie Stressechocardiografie, Belastungs-EKG oder MRT-Ableitungen erforderlich, um zu einer Wahrheitsfindung zu gelangen.

Denn zieht man das Fazit von allen Sporttoten, so sind bei 1.200 die in Deutschland jährlich eintreten, viele zu verhindern. Denn die meisten Fälle davon sind Folgen von Entzündungen mit Herzbeteiligung, die nicht erkannt, nicht wahrgenommen und nicht diagnostiziert worden waren.

Hier liegt das eigentliche Präventionspotenzia!. Dies zu nutzen, bedarf es zwischen Arzt und Sportler einer harmonischen, engen Zusammenarbeit. Und gegebenenfalls muss hier der Arzt ein höheres diagnostisches Potenzial verantworten, um Schaden vom Sportler fernzuhalten.

Doch die trübe Wetterzeit geht vorüber.

Die Sonnenstrahlen kommen und die Erkenntnis wird in jedem Sportler reifen: Das
eigentliche Wunder, gesund in den Frühling zu laufen, liegt in uns allen selbst, in einer
gesunden Beobachtung des Körpers, auch in der Fähigkeit sich in einem Infekt aus dem
Rennen zu nehmen und einmal eine Woche spazieren zu gehen oder gar nichts zu tun.

Auch dies ist für die Gesundheit und für die Kondition besser, als sich durch Infektmechanismen mit Gewalt hindurchzuquälen.

Dr. Willi Heepe in LAUFZEIT&CONDITION 11/2015

Viele weitere Beiträge der Medizin und Sportmedizin finden auf der GRR-website: "MEDIZIN":

"MEDIZIN und SPORTMEDIZIN auf GRR"

Themengleich:

FIT(TER) DURCH DEN WINTER - Auch bei Frost und auf Schnee kann man gut laufen. Mit unserem neuen Laufkonzept für die kalte Jahreszeit halten Sie sogar Ihre Form - MARTIN GRÜNING in RUNNERS WORLD

Das Lauftraining im Winter - Manfred Steffny in SPIRIDON

Laufen im Winter - Bevor die Kältewelle anrollt ... Dr. Dr. med. Lutz Aderhold

Training im Winter - TIPPS VON MARKUS WEBER vom Sparkasse Dreiländermarathon am Bodensee

Ausdauertraining im Winter – wie achte ich beim Laufen auf meine Atemwege

KEIN WINTERSCHLAF - MARTIN GRÜNING in RUNNERS WORLD - LAUFEN IST EINE GANZJAHRES-SPORTART

Gesund durch den Winter laufen - Expertentipps - Dr. Dagmar Rabensteiner mit Tipps für ein starkes Immunsystem

German Road Races e.V. (GRR) auf facebook:
https://de-de.facebook.com/germanroadraces

German Road Races e.V. (GRR) auf twitter:
https://twitter.com/germanroadraces

Praxis-Adresse:

Praxis Dr. med. Willi Heepe
Martin-Luther-Krankenhaus

Caspar-Theyß-Straße 27-33 – Eingang 2
14193 Berlin
Deutschland

Telefon: +49 (30) 99 19 49 20
Fax: +49 (30) 26 93 13 01

E-Mail-Adresse 1: wh@praxis-willi-heepe.de
E-Mail-Adresse 2: heepe-berlin@t-online.de

Öffnungszeiten / Termine

Bitte vereinbaren Sie Sprechstunden telefonisch – unter (030) 99194920 – oder per E-Mail.

Zwei ausgewiesene, zur Praxis gehörige Parkplätze sind reserviert zwischen Eingang 2 und 3.

Dr. Willi Heepe ist praktischer Arzt und Sportmediziner.

Seit über dreißig Jahren liegt der Schwerpunkt seiner Tätigkeit als niedergelassener Arzt in der medizinischen Betreuung von Menschen, denen ein Leben in Bewegung Herzensangelegenheit ist. Hierzu gehören professionelle Ausdauersportler, aber auch Patienten mit Bluthochdruck und Herzerkrankungen.

Dr. Heepe ist Fachbuchautor; seine Artikel zum Ausdauersport erscheinen regelmäßig in aktuellen Zeitschriften (beispielsweise Runners World und Laufzeit). Er ist außerdem ein geschätzter Dozent zu den Themen Sportmedizin, Ausdauertraining und Kardiologie.

Willi Heepe war viele Jahre lang Medizinischer Direktor des Berlin-Marathon. Er ist fünfzigmaliger Marathonfinisher und auch im Alter von 70 Jahren ein aktiver Repräsentant jener »Laufkultur«, für deren Entwicklung er sich in Deutschland schon so lange engagiert.

Weitere Beiträge von Dr. Willi Heepe bei GRR:

Bluthochdruck und Ausdauersport - Dr. Willi Heepe, der langjährige Medical Director des BERLIN-MARATHON und SCC-RUNNING fasst zusammen welche Aspekte bei diesem Thema eine Rolle spielen und worauf zu achten ist.

Marathonarzt Dr. Willi Heepe: „In das Alter hineinlaufen, aber nicht dem Alter davonlaufen" - Was macht Sinn? Für jeden ist der Blick in den Spiegel seines Lebens das Entscheidende, jeder über 35- oder 40-jährige Läufer sollte daran denken, dass möglicherweise der Lebenslauf in seinen Gesundheitspass schon eine Narbe oder schon ein Merkmal geschrieben hat

„Schlecht trainiert zum Marathon - das tut dem Herzen nicht gut" - Marathon-Arzt Dr. Willi Heepe nimmt Stellung 

GRENZERFAHRUNGEN - Was passiert im Körper? Ultraläufe aus sportmedizinischer Sicht - Dr. med. Willi Heepe in LAUFZEIT - Welche gesundheitlichen Risiken liegen in Läufern jenseits des Marathonlaufens?

Plötzlicher Herztod bei jungen Sportlern - Ruhe ist die einzige Therapie - Dr. med. Willi Heepe in LAUFZEIT - Die Myokarditis oder Herzmuskelentzündung.

Sporttote verhindern! Von Dr. Willi Heepe - dem Berliner Marathon-Arzt - Die wichtigste medizinische Sicherung jedoch liegt in der gesundheitlichen Verantwortung eines jeden Sportlers für sich selbst und damit für die Familie.

Weitere weitere Beiträge von Dr. Willi Heepe finden auf der GRR-Medizinseite - benutzen Sie die "Suchfunktion"!